Unvollendet

Erstellt am 26.9.17. Kategorie: Buchrezensionen
„Unvollendet“
von Christine Jaeggi
Bewertung
★★★★☆
Verlag Forever
Buchform eBook
Erschienen Oktober 2017
Seiten 432
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Die junge, aber erfolglose Schauspielerin Grace Miller stand stets im Schatten ihrer berühmten Großmutter: Die kürzlich verstorbene Hanna Miller war eine berühmte Filmdiva, die bis ins hohe Alter viele Fans hatte. Ihren größten Erfolg feierte sie einst in der Verfilmung von „Unvollendet“. Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joachim Arndt und handelt von den Schrecken des Ersten Weltkrieges. Arndts Roman wurde von den Nazis verbrannt.

Nun erhält Grace ein verlockendes Angebot: Matthew Parker, ein bekannter Filmproduzent und Freund von Hanna Miller, hat kurz vor ihrem Tod von Hanna erfahren, dass es in der Schweiz eine Fortsetzung von „Unvollendet“ geben soll. Matthew bittet Grace, das Manuskript für ihn zu suchen. Im Gegenzug will er die Geschichte verfilmen und Grace soll die Hauptrolle bekommen.

Also reist Grace in die Schweiz, wo Hanna Miller als Hotelierstochter in Zürich aufgewachsen ist. Das Hotel ist noch heute in Familienbesitz, doch die jetzigen Chefinnen, Grace’ Cousinen, begegnen ihr äußerst reserviert. Zum Glück ist der stellvertretende Hotelchef Benjamin hilfsbereiter – schließlich hat seine eigene Frau Leonie, die kürzlich verunglückte dritte Cousine von Grace, kurz vor ihrem Tod selbst nach diesem Manuskript gesucht.

Im Laufe ihrer Recherche erfährt Grace immer mehr aus der Geschichte ihrer eigenen Familie, besonders aus der Schreckenszeit des Zweiten Weltkrieges. Doch mit jeder Information, die sie erhält, tun sich neue Fragen auf. Längst geht es Grace gar nicht mehr um ihre Filmrolle, sondern um das Geheimnis ihrer Großmutter, das eng verknüpft scheint mit dem Schicksal des Autors Joachim Arndt und dessen Familie. Doch es gibt einige Leute, denen daran gelegen ist, dass die Wahrheit unentdeckt bleibt. Wem kann Grace noch trauen?

Dieser Roman hat mich von Anfang an gefesselt. Schon der Prolog endet mit einem Cliffhanger, denn da wartet Benjamin am Traualtar vergeblich auf Leonie. Man ahnt, dass etwas Schreckliches passiert sein muss, doch auf die Auflösung muss man eine ganze Weile warten, denn nun gibt es erst einmal einen Ortswechsel nach Los Angeles, Grace’ Heimat. Auch in den folgenden Kapiteln werden Handlungsort und Erzählperspektive häufig gewechselt, so dass man am Ende eines jeden Absatzes ungeduldig weiterliest, um endlich der Lösung des Rätsels auf die Spur zu kommen.

Allerdings hat mich am Anfang des Romans die Vielzahl an Personen – noch lebend oder schon verstorben – ziemlich verwirrt. Zum Glück gibt es am Ende des Buches ein Personenverzeichnis, das habe ich mir ausgedruckt und beim Lesen als Spickzettel genutzt. Mit der Zeit wurden mir die Personen aber vertrauter, so dass ich den Spickzettel bald nicht mehr brauchte.

Etwas gestört hat mich die Wandlung von Grace’ Cousine Mara im Laufe der Geschichte. War sie am Anfang noch abweisend und unfreundlich zu Grace, aber auch zu ihren Gästen und Angestellten, so wird sie später hilfsbereit und freundlich – der konkrete Anlass für diese Wandlung war für mich nicht wirklich überzeugend. Abgesehen davon hat mir der Roman aber sehr gut gefallen, zumal man darin – verpackt in eine spannende Geschichte – einiges über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg erfährt.

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