Teufelstritt

Erstellt am 6.10.17. Kategorie: Buchrezensionen
„Teufelstritt“
von Ursula Hahnenberg
Bewertung
★★★★☆
Verlag Goldmann
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Juni 2016
Seiten 320 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchhandlung Vaterstetten

Dieses Buch stand schon länger auf meiner Wunschliste, schließlich spielt die Geschichte quasi vor meiner Haustür: Die Försterin Julia Sommer ist glücklich, als sie die heiß ersehnte Stelle im Ebersberger Forst bekommt, denn hier im Forsthaus von Grafenried hat sie die ersten Jahre ihrer Kindheit verbracht, als ihr Vater die Stelle als Förster innehatte. Nun kehrt sie zusammen mit ihrer Oma Martha und ihrem kleinen Sohn Florian zurück. Alles könnte perfekt sein, wenn da nicht ihr unsympathischer Chef Ludwig Voss wäre. Als der ihr zu nahe tritt und es daraufhin zu einem heftigen Streit kommt, ist Julia drauf und dran zu kündigen.

Doch dann hört sie, als sie selbst zur Jagd im Forst unterwegs ist, zwei Schüsse und findet kurz darauf am Fuße des Ebersberger Aussichtsturmes ihren Chef erschossen auf. Schnell gerät sie selbst zur Hauptverdächtigen, nicht nur in den Augen von Kriminalhauptkommissarin Baumgartner, sondern auch in den Augen der eingeschworenen Dorfgemeinschaft, die sie plötzlich meidet. Zum Glück bleibt ihr zumindest noch eine Freundin: Teresa, die Mesnerin der örtlichen Kirche. Dafür macht ihr Ex Markus, Florians Vater, Stress und droht, ihr den Jungen wegzunehmen.

Julia beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Eine Verdächtige findet sie schnell: Tanja, die junge russischstämmige Freundin von Ludwig Voss, die nun auf ein großes Erbe hofft. Doch da ist auch noch Tom Voss, Ludwigs Sohn, der sein Elternhaus im Streit verlassen hat. Durch ihre Nachforschungen begibt sich Julia in große Gefahr und immer mehr Fragen tun sich auf: Was hat zum Beispiel der Unfalltod ihrer Eltern vor vielen Jahren mit Ludwig Voss zu tun? Wie es scheint, kann ihr darauf nur der Pfarrer von Grafenried eine Antwort geben, aber der weicht immer wieder aus und bezichtigt Julia sogar, ihn vergiften zu wollen. Doch dann liegt der Pfarrer eines Morgens tot in seinem Büro und die Schlinge um Julia zieht sich immer weiter zu. Wem kann sie jetzt noch vertrauen?

Neben der durchaus spannenden Handlung war für mich der Wiedererkennungswert das Schönste am Lesen: Der Aussichtsturm, der Biergarten Hubertus, diverse Ortschaften… denn nur Julias Wohnort Grafenried ist fiktiv, alle übrigen im Buch genannten Orte existieren wirklich und sind mir wohlvertraut, so dass ich mich im Setting sofort heimisch fühlte. Etwas schwerer tat ich mir mit Julia, die mir die meiste Zeit über fremd blieb. So konnte ich zum Beispiel ihr schroffes, patziges Verhalten gegenüber der Kommissarin nicht wirklich nachvollziehen: Müsste sie nicht viel mehr daran interessiert sein, Entgegenkommen zu zeigen, um sich selbst von jedem Verdacht reinzuwaschen? Auch ihre Ängste, Florian zu verlieren, sind für mich nicht spürbar, insgesamt bleibt Julia als Person für mich sehr unnahbar. Das ändert sich erst gegen Ende der Geschichte. Und am Schluss drängen sich mir einige Fragen auf, die mich neugierig auf die Fortsetzung „Wolfstanz“ machen: Wer erbt nun den Forst von Ludwig Voss? Kann Julia ihre Stelle behalten und wer wird ihr künftiger Chef? Bahnt sich da womöglich etwas an zwischen ihr und Tom Voss? Antworten darauf bekomme ich hoffentlich schon in knapp drei Wochen bei der Lesung der Autorin in der Gemeindebücherei Vaterstetten.

 

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