Frau gönnt sich ja sonst nichts

Erstellt am 13.1.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Frau gönnt sich ja sonst nichts“
von Marie Matisek
Bewertung
★★★★★
Verlag Droemer Knaur
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Januar 2018
Seiten 200 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Seit langem bin ich ein großer Fan der Autorin Marie Matisek. Ich habe schon einige ihrer Bücher gelesen, darunter ihre Nordsee-Romane und das in Südfrankreich angesiedelte „Mirabellensommer“. Ihr neuestes Werk, „Frau gönnt sich ja sonst nichts“, ist ein ganz anderes Kaliber, das verrät schon der Untertitel: „Wie sich die Trennung von meinem Mann unverhofft als Glücksfall erwies.“ Das ist ihr bislang persönlichstes Werk.

Im April 2017 hatte ich das große Glück, die Autorin bei einem Meet & Greet in München persönlich kennenzulernen. Sie war mir auf Anhieb sympathisch, wir unterhielten uns sehr nett und im Laufe des Abends erwähnte sie auch, dass sie und ihr Mann sich getrennt haben. Meine Reaktion darauf war natürlich sehr betroffen, doch sie schob sofort nach: „Keine Sorge, es ist alles gut, mir geht es besser als zuvor und mein Mann und ich verstehen uns nach wie vor gut.“

Über diese Trennung hat Marie Matisek nun ein Buch geschrieben. Nach 20 Jahren Ehe eröffnet ihr Mann ihr, dass er sich in eine Jüngere verliebt hat. Natürlich ist dies erstmal ein Schock, doch dann beschließt Marie, sich nicht von Rachegelüsten leiten zu lassen und keinen Rosenkrieg anzuzetteln, wie das sicher manch andere betrogene Ehefrau gemacht hätte. Doch dazu sind ihr die vergangenen 20, mehrheitlich guten Jahre zu wertvoll, die will sie positiv in Erinnerung behalten.

Natürlich stellt sich als Erstes die Frage: Wie sagen wir’s den Kindern? Wie gestaltet sich ab sofort unsere Wohnsituation? Wie reagieren unsere Eltern und unsere Freunde? Und die Haustiere? Denn selbst an Hund und Katz geht so eine Trennung ja nicht spurlos vorüber, auch sie leiden, wenn das Herrchen plötzlich nicht mehr da ist.

Mit sehr viel Humor, feiner Ironie und vor allem sehr viel Herz beschreibt Marie Matisek ihren persönlichen Weg in den nächsten Wochen und Monaten. Sie hält Rückschau, sucht nach Ursachen für die Entfremdung und fragt nach dem Zeitpunkt, ab dem es zwischen ihr und ihrem Mann nicht mehr rund lief. Ihre Erkenntnis: Zum Scheitern einer Ehe gehören immer zwei.

Amüsant beschreibt sie ihre Beobachtungen zum anderen Geschlecht auf den ersten Single-Partys, die sie als Frischgetrennte besucht. Zum Schmunzeln ist auch die Beschreibung ihrer Bali-Reise, die sie sich zum 50. Geburtstag gönnt – angesichts ihrer Schilderung vom Müll außerhalb der Hotelanlage blieb mir das Lachen allerdings doch im Halse stecken.

Natürlich bleibt auch bei Marie Matisek trotz allen positivem Denkens der Blues nicht aus, der sie immer wieder mal überfällt, zum Beispiel beim Blättern in alten Fotoalben. Dennoch ist dieses Buch insgesamt unglaublich positiv. Das Gefühl der Befreiung, das Marie befällt, als sie sich langsam „freistrampelt“, überträgt sich direkt auf den Leser.

Die Autorin schreibt sehr persönlich, sie gibt sehr ehrliche Einblicke in ihr Gefühlsleben und kommt dabei ausgesprochen sympathisch rüber. Diese Erzählung ist absolut keine Abrechnung mit dem Ex, wie man vielleicht vermuten könnte, stattdessen werden alle Seiten sehr fair betrachtet. Ein richtiges Mut-mach-Buch, nicht nur für frisch Getrennte, denen die Geschichte aufzeigt, wie eine friedliche Trennung gelingen kann und wie man hinterher umso besser weiterlebt. Das Buch ist auch gut geeignet für Menschen, die in einer glücklichen Beziehung leben. Es macht sie beim Lesen vielleicht ein wenig demütiger und dankbarer für das Kostbare, das sie in ihrem Leben haben.

 

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