Englische und ostfriesische Teezeremonie

Erstellt am 8.2.17. Kategorie: Dies & Das

Was gibt es in der kalten Jahreszeit Schöneres, als ein gutes Buch zu lesen und dazu eine Tasse Tee zu genießen? Am vergangenen Wochenende lud die VHS Vaterstetten zu einem Seminar, in dem die ostfriesische und die englische Teezeremonie einander gegenübergestellt wurden. Referent des Kurses war David Caspi, seines Zeichens Teesommelier. Nach einem theoretischen Teil, in dem Caspi viel über Ernte, Blattgrößen, Anbaugebiete usw. erzählte, ging es dann endlich ans praktische Erleben. Wir fünf Kursteilnehmer durften an vielen mitgebrachten Teesorten schnuppern und entschieden uns dann für vier Sorten für das Tee-Tasting:

Parallel dazu genossen wir einen leckeren Schwarztee nach ostfriesischer Art. Das bedeutet: zunächst einen Kluntje (Kandis) in die Tasse geben, mit Tee übergießen und dabei das Knistern des Kluntje genießen. Die Tasse sollte allerdings höchstens halbvoll sein. Dann Sahne entlang des Tasseninnenrandes dazugeben und zusehen, wie sich auf der Oberfläche des Tees eine Sahnewolke „Wulkje“ bildet. Und dann, ganz wichtig, keinesfalls umrühren! So genießt man zunächst den sahnigen Teil, dann den Tee und zuletzt die köstliche Süße des Kandis. Dazu hatte Caspi uns leckeres ostfriesisches Teegebäck mitgebracht. Übrigens: Getreu dem Motto „Dree is Oostfresen Recht“ genießt der Ostfriese nach diesem Procedere bis zu drei Tassen Tee hintereinander.

Dem gegenüber stand dann die englische Teezeremonie: Hier muss man sich zunächst für Tif oder Mif entscheiden. Mif heißt „Milk in first“, Tif folglich „Tea in first“, so trinkt angeblich Queen Elizabeth II. ihren Tee und so machten es dann auch wir. Im Gegensatz zur ostfriesischen Teezeremonie darf man bei der englischen Tea Time durchaus umrühren – aber bitte nicht mit dem Löffel das Porzellan berühren, man sollte das Umrühren nicht hören dürfen! Der Brite führt übrigens mit der einen Hand die Tasse, mit der anderen Hand die Untertasse in Richtung Mund. Am Tee wird dann ganz vornehm genippt und bitte keinesfalls schlürfen! Ganz stilecht gab es zur Tea Time Gurkensandwiches sowie Scones mit Clotted Cream und Marmelade:

Eine sehr anschauliche Übersicht über diese und weitere Teezeremonien habe ich übrigens auf der Webseite von Bünting-Tee gefunden.

Fazit: Wirklich viel Neues habe ich als Tee-Fan zwar nicht gelernt, aber unterhaltsam war der Nachmittag auf alle Fälle. Und so schön neu die VHS-Küche auch ist, so ist sie doch nicht so gemütlich wie eine ostfriesische Teestube oder ein British Tea Room. Insofern hat das Seminar definitiv Lust darauf gemacht, diese beiden Teezeremonien mal wieder in Original-Atmosphäre zu erleben – ob die VHS als nächstes wohl Diavorträge oder Studienreisen nach Ostfriesland und England anbietet?