#litlovehistory: Das geheime Lächeln

Erstellt am 29.12.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Das geheime Lächeln“
von Bettina Storks
Bewertung
★★★☆☆
Verlag Diana
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen März 2018
Seiten 479 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

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Schon seit längerem schlummerte dieser historische Roman auf meinem Reader und spätestens auf der lit.Love 2018, als ich die Autorin live erleben durfte, nahm ich mir vor, das Buch nun endlich zu beginnen. Die Gelegenheit dazu ergab sich wenig später, als sich einige Bloggerinnen, die sich auf der lit.Love kennengelernt hatten, in der Facebook-Gruppe #litlovebloggerinnen zusammentaten. Die Idee zu einer ersten gemeinsamen Aktion war schnell geboren: Zusammen wollten wir historische Romane von lit.Love-Autorinnen lesen, da kam mir das Buch von Bettina Storks gerade recht.

Im Roman geht es um die Journalistin Emilia Lukin, die durch Zufall auf ein Gemälde aus den 1930er Jahren stößt. Die darauf abgebildete Frau sieht Emilia zum Verwechseln ähnlich, ganz offensichtlich handelt es sich um ihre Großmutter Marie, die zu jener Zeit in Paris gelebt hat. Marie war in der Familie ein Tabu-Thema, um ihr angeblich ausschweifendes Leben ranken sich wilde Gerüchte. Maries Tochter Pauline, Emilias Mutter, ist die einzige, die Emilia noch fragen könnte, doch erstens wuchs Pauline gar nicht bei ihrer Mutter auf und zweitens ist sie in jüngster Zeit zunehmend verwirrt und hilflos. So stürzt sich Emilia selbst mit Feuereifer in die Recherche über das Leben ihrer Großmutter.

Ihre Spurensuche führt sie nach Paris, wo Marie einst als Geliebte des Künstlers Paul-Raymond Fugin gelebt hat, und ins Lubéron in Südfrankreich. Hier hat Marie ihre letzten Lebensjahre im beschaulichen Dorf La Lumière verbracht und hier steht auch ihr Häuschen, das sie ihrer Tochter Pauline vermacht hat. Als Emilia dort eintrifft, begegnet sie Jean-Pierre Roche, Maries letzter großer Liebe. Jean-Pierre ist zunächst sehr zurückhaltend, doch nach und nach öffnet er sich Emilia und teilt mit ihr seine Erinnerungen an Marie. Dabei tritt auch seine eigene tragische Lebensgeschichte zu Tage, in der ein Ort namens Dieulefit (zu deutsch: Gott hat es getan) eine wichtige Rolle spielt: In jenem Ort, der real existiert, haben die Bewohner während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Flüchtlinge versteckt. Die Tatsache, dass das ganze Dorf dicht gehalten hat, ging als das „Wunder von Dieulefit“ in die Geschichte ein.

So enthüllt Emilia nach und nach Maries Geschichte, die durch ein dunkles Familiengeheimnis und eine Lebenslüge überschattet wurde, welche auch noch Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen hatte. Maries Tochter Pauline hat ihr Leben lang unter diesen Lügen gelitten, was sich in psychischer Labilität äußerte, die wiederum Emilias Kindheit nachhaltig beeinflusst hat und indirekt sogar für ihre Sprachlosigkeit in ihrer derzeitigen Ehekrise mit verantwortlich ist.

Die Geschichte ist sehr einfühlsam aus drei Perspektiven geschildert: Neben Emilia kommen auch Jean-Pierre und Marie zu Wort. So erhält man beim Lesen nicht nur Einblick in die Gefühlswelt dieser drei Figuren, sondern bekommt auch einen guten Eindruck vom Paris der 1930er Jahre und dem Leben der Künstler dort kurz vor Ausbruch des Krieges und während der deutschen Besatzungszeit. Auch die Landschaft des Lubéron mit ihren Lavendelfeldern ist sehr liebevoll beschrieben, da bekommt man direkt Lust, dort einmal hinzufahren.

Was mir beim Lesen jedoch etwas gefehlt hat, war die Spannung, die bei mir trotz der unterschiedlichen Erzählperspektiven und der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit nicht recht aufkam. Vielleicht lag das an mir, weil ich zur Zeit der Lektüre große familiäre Sorgen hatte und deutlich mehr Zeit mit Krankenhausbesuchen verbrachte als mit Lesen. Ich hatte aber leider auch nie das Gefühl, dass ich das Buch nicht mehr weglegen kann. Auch mit der Protagonistin Emilia bin ich leider nicht richtig warm geworden, obwohl wir beide auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten haben: Journalistin, zwei erwachsene Söhne, schwieriges Verhältnis zur Mutter… aber mit Emilias häufigem Zögern konnte ich so gar nichts anfangen. Zum Beispiel dauert es etliche Wochen, bevor Emilia endlich den Dachboden von Maries Häuschen erkundet. Dieses Zaudern hat mich beim Lesen eher ungeduldig gemacht.

Vielleicht war diese Geschichte der eher leisen Töne für mich auch einfach nur die falsche Lektüre zur falschen Zeit, denn ich weiß, dass sie vielen anderen LeserInnen sehr gut gefallen hat. Gespannt bin ich nun auf die Meinungen der übrigen #litlovebloggerinnen, von denen sich gleich drei ebenfalls diesen Roman vorgenommen haben. Ihre Rezensionen werde ich dann noch hier ergänzen.

Ein schönes Interview mit Bettina Storks, in dem sie u.a. über die Entstehung dieses Romans erzählt, findet sich auf der Webseite der Autorin. Unsere Aktion #litlovehistory dauert noch bis zum 6. Januar. Wer mag, kann uns auf unseren Blogs und Socia Media-Kanälen folgen und mit uns über die gelesenen Bücher diskutieren. Und ich selbst werde nun mal sehen, ob ich nicht vielleicht doch noch einen zweiten historischen Roman schaffe, nachdem es in meiner Familie nun wieder etwas ruhiger geworden ist…