Erfahrungsbericht zu unserer Pelletheizung

Erstellt am 25.6.21 von jens. Kategorie: Dies & Das

Wir, eine vierköpfige Familie, wohnen gern in unserem Reihenhaus aus dem Baujahr 1970. Um die Umweltbelastung zu reduzieren, beziehen wir seit einigen Jahren Ökostrom. Nun kam die Zeit, die Ölheizung aus dem Jahr 1998 gegen umweltfreundlichere Technologie austauschen zu lassen. Kann durch Heizen mit erneuerbaren Energien die Verbrennung von jährlich etwas über 2000 Liter Heizöl ersetzt werden? Ja, und ob – nachhaltig, komfortabel und preiswert!

Rahmenbedingungen

  • Ölheizung Baujahr 1998 mit Blaubrenner
  • 5000 Liter-Öltank im Heizungskeller
  • Abgaskamin aus Edelstahl
  • Ungenutzter zweiter Kaminzug
  • Gaube auf dem Dach
  • Im Heizungskeller müssen Waschmaschine und mehrere Wäscheständer Platz finden

Welche umweltschonendere Heizungsanlage kommt also in Frage?

Solarthermie

Aus ökologischer Sicht ist die Nutzung von (direkter) Sonnenenergie ideal. Unsere Dachgaube nimmt jedoch erheblichen Platz ein. Durch Versatz der Reihenhäuser zum Nachbarn liegen Teile des Daches zudem bis zum späten Vormittag im Schatten. Außerdem müssen Rohrleitungen vom Dach in den Heizungskeller verlegt werden.

Unsere Lösung besteht aus zwei waagerecht montierten Solarmodulen, die oberhalb der Gaube angebracht sind und damit auch dem Schattenwurf ausweichen. Die Rohrleitungen konnten im ungenutzten Kaminzug direkt bis in den Heizungskeller verlegt werden.

Pelletheizung

Aus ökologischer Sicht ist die Verbrennung von Pellets eine gute Heizmöglichkeit. Pellets bestehen überwiegend aus Holzresten (Sägemehl aus Sägewerken), ihre Produktion ist zumeist regional, Holz wächst nach – insgesamt ist eine Pelletheizung deutlich weniger umweltbelastend als die Verfeuerung von fossilen Brennstoffen. Gas und Öl produzieren allein bei der Verbrennung fünf- bis siebenmal mehr CO₂, Förderung und Transport noch nicht mitgerechnet.

Unsere Lösung besteht nun aus einem Pelletkessel mit separatem Wärmespeicher, gepaart mit einem Sacksilo mit Brennstoff für etwa ein Jahr. Der neue Pelletkessel übernahm den Platz des alten Ölkessels, daneben wurde in der Raumecke ein 600 Liter-Warmwasserwärmespeicher (Hygienespeicher) installiert, an den auch die Solarthermie angeschlossen wurde.

Damit der Pelletkessel mit Brennstoff versorgt werden kann, werden pro Jahr etwa vier Tonnen Pellets benötigt, um die vergleichbare Heizenergie von 2000 Liter Heizöl zu lagern. Die Pellets lagern in einem Sacksilo, das anstelle des Öltanks aufgestellt wurde. Von dort werden sie mittels eines Saugsystems in einen Zwischenspeicher im Kessel befördert. Dieses Saugsystem funktioniert ähnlich wie ein Staubsauger, es läuft pro Tag für maximal fünf Minuten zu einer individuell programmierbaren Uhrzeit. Das Sauggeräusch ist im Haus zwar zu hören, aber nicht weiter störend.

Für den Heizbetrieb werden die Pellets aus dem Zwischenspeicher vollautomatisch in den Brennraum eingebracht. Der Heizbetrieb selbst ist im Haus akustisch nicht wahrnehmbar. Die anfallende Asche wird in einem Kasten komprimiert und muss ca. zweimal jährlich manuell ausgeleert werden.

Technik

Solarmodule: 2 SOLAR-BAYER Hochleistungsflachkollektoren PremiumPlus AL 2.86

  • waagerecht, Aufdachmontage, insgesamt 5,38 m² Aperturfläche
  • Verrohrung über Edelstahlflexrohr durch Kaminschacht

Pelletkessel: ÖkoFEN Pellematic Compact 12 kW mit Saugsystem

  • Saugsystem füllt einmal täglich Pellets in integrierten Zwischenspeicher
  • Kesselsteuerung regelt Solarthermie, Heizung, Warmwasser und Saugsystem
  • Bedienteil Pelletronic Touch zur Anzeige und Parametereingabe

Wärmespeicher: Burg-Solar Frischwasser-Hygienespeicher FHS WT1 600 Liter mit Eco PU-Dämmung

  • schlanke Bauart
  • Anschlüsse für Kessel, Solarthermie, Heizung, Warmwasser
  • Hygienespeicher: Warmwasserbereitung über integrierte Wärmetauscherwendel

Pelletsilo: ÖkoFEN Kompakt-Gewebetank 260×140

  • optimale Raumausnutzung durch flexiblen Schrägboden mit Zugfedern (Raumhöhe ca. 2,20 m)
  • aus antistatischem, staubdichtem, aber luftdurchlässigen Spezialgewebe
  • mit Schneckenförderung am Saugsystem
  • mit Reißverschluss an der Stirnseite, ermöglicht auch Handbefüllung (Notbetrieb)

Erfahrungen Planung

Die Platzverhältnisse im Heizungskeller sind beengt. Der Heizungskeller eines Nachbarn mit gleichem Grundriss ist fast vollständig mit Technik zugestellt (ebenfalls bestehend aus Wärmespeicher, Pelletkessel und Sacksilo), da die Ausmaße seines Kessels eine Platzierung des (bei ihm größeren) Wärmespeichers mittig im Raum forderte. Uns war es wichtig, weiterhin Platz für Waschmaschine und Wäscheständer zu erhalten. Deshalb mussten platzsparende Komponenten ausgewählt und optimal platziert werden. Unsere Planung begann bereits im März 2020 mit dem Anfragen von Herstellerinformationen und dem Vergleich der technischen Angaben. Letztendlich konnten wir einen Handwerksbetrieb finden, der uns die gewünschten Komponenten anbot und im Dezember (ja, im Winter!) schließlich mit dem Umbau begann.

Erfahrungen Umbau

Bevor der Öltank entfernt werden konnte, haben wir in Eigenleistung die Ölsperrmauer abgerissen. Dabei fiel mehr als ein Kubikmeter Bauschutt an. Dann wurde der Öltank mittels Umpumpen des Heizöls in ein Tankfahrzeug entleert. Anschließend wurde der Stahltank innerhalb eines Vormittags in handliche Teile zerlegt und abtransportiert. Damit war die Ölheizung, mitten im Winter, außer Betrieb. Um die Folgen abzufedern, installierte uns der Heizungsbauer temporär einen elektrischen Warmwasserboiler und überließ uns leistungsstarke Heizlüfter.
Den frei gewordenen Raum, wo zuvor der Öltank war, haben wir in Eigenleistung gefliest und gestrichen, bevor dort das Pelletsilo errichtet wurde. Aufgrund des eng getakteten Zeitplans war dafür eine Nachtschicht nötig.

Der Einbau der neuen Heizungsanlage war weitgehend unproblematisch (bis auf die Schlepperei der zum Teil 200 kg schweren Teile über die Kellertreppe), zog sich aber über mehrere Tage hin. Danach konnte die Pelletheizung provisorisch mit Handbefüllung (Pellets aus dem Baumarkt, Sackware, direkt in den Zwischenspeicher gefüllt) in Betrieb genommen werden. Ende Dezember wurde das Pelletsilo angeschlossen und damit der vollautomatische Betrieb der Heizung ermöglicht. Übrigens: nach einigen Tagen verflog der durch den Tankabbau entstandene Ölgeruch und seitdem riecht es angenehm nach Holz.
Im Frühjahr 2021 erlaubte die Witterung auch die Montage der Solarmodule auf dem Dach, womit der Umbau fertiggestellt werden konnte. Seitdem freuen wir uns über jeden Sonnentag – wir „ernten“ Wärme.

Erfahrungen Betrieb

Die Befüllung des Pelletsilos erfolgt problemlos per Einblasen der Pellets vom Tankfahrzeug über eine Schlauchleitung.
Bei Sonneneinstrahlung erwärmen sich die Solarmodule auf dem Dach, die dann die Temperatur an den Wärmespeicher abgeben. Je nach Energiebedarf, z.B. wenn Heizkörper Wärme benötigen oder bei größerem Warmwasserverbrauch, wird noch per Pelletverbrennung zugeheizt. Die Anlage läuft vollautomatisch – bisher völlig störungsfrei. Wir erwarten demnächst die erste Aufforderung zur Aschekastenentleerung (per E-Mail von der Pelletronic).

Grafik Tagestemperatur: Die Mittellinie ist der Median der Tagestemperatur. Die dunkelblaue Fläche gibt den Bereich zwischen unterem und oberem Quantil der Tagestemperatur an, d.h. zu 50% der Zeit liegt die Temperatur in diesem Bereich. Die hellblaue Fläche gibt den ganzen Bereich zwischen minimaler und maximaler Temperatur an.

Grafik Brennerminuten: Diese Grafik zeigt die Anzahl an Minuten des jeweiligen Tages, in denen eine Brenneranforderung bestand.

Kosten

Installation

Die Investition in eine neue Pelletheizungsanlage mit Solarthermie wird unter bestimmten Bedingungen durch staatliche Zuschüsse gefördert. Dafür muss vorab ein Antrag auf Basis eines Angebotes vom Heizungsbauer an das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) gestellt werden. Nach Bestätigung der Registration kann mit dem Umbau begonnen werden, allerdings wird der Zuschuss erst nach Inbetriebnahme gewährt. Mit staatlichen Zuschüssen kommen die Installationskosten auf ein ähnliches Niveau wie der Einbau einer Ölheizung. In unserem Fall haben wir etwa 37.000 € bezahlt und rechnen mit 15.000 € Rückerstattung, auf die wir derzeit aber noch warten (Stand Juni 2021).

Brennstoff und Nebenkosten

Pellets sind günstiger als Heizöl und dieser Trend wird sich eher noch verstärken (Stand 23.05.2021: 1.334 € für 2000 Liter Heizöl im Vergleich zu 865 € für 4 t Pellets; siehe BayWa-Heizölpreisrechner und Pelletspreisrechner), zumal die Heizölpreise aufgrund der CO₂-Steuer noch mehr steigen werden.
Durch die solare Unterstützung sollten wir sogar mit weniger als 3,5 t pro Jahr auskommen. Kaminkehrer und Service werden wohl für die Pelletheizung etwas mehr kosten als bisher, außerdem steigt der Stromverbrauch etwa um die Hälfte im Vergleich zur Ölheizung. Unterm Strich wird der Betrieb zumindest nicht teurer sein als zuvor.

Fazit

Die Planung und der Umbau haben mehr Zeit beansprucht als gedacht, zum Teil auch Corona-bedingt. Wie bei jedem Umbau gab es auch bei uns viel Lärm und Dreck, aber das gibt es immer, egal für welche Heizungsart man sich entscheidet. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Die Heizung läuft vollautomatisch, wird durch die Sonne unterstützt und wir haben im Heizungskeller durch das Entfernen der Ölsperrmauer sogar Platz gewonnen. Warmwasser zum Duschen ist reichlich vorhanden (früher war Warmwasser öfter mal knapp, wenn mehrere Personen duschen wollten). Heizen mit Holz ist angenehm und reduziert die Umweltbelastung, was ein gutes Gefühl ist, und das „Ernten“ von Sonnenenergie macht Spaß.