Kräuter der Provinz & Das Weihnachtsdorf

Erstellt am 25.10.16. Kategorie: Buchrezensionen
„Kräuter der Provinz“
von Petra Durst-Benning
Bewertung
★★★★★
Verlag Blanvalet
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen September 2015
Seiten 512 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Heute gibt es von mir gleich zwei Rezensionen in einer. Denn wie soll ich über ein kurzes Sequel schreiben, ohne dessen Vorgeschichte zu erwähnen? Vor einiger Zeit habe ich „Kräuter der Provinz“ gelesen und war begeistert. Nun erschien die Fortsetzung dazu, „Das Weihnachtsdorf“, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte. Konnte das Buch meinen Erwartungen gerecht werden?

„Kräuter der Provinz“ spielt im fiktiven Örtchen Maierhofen am Rande des Allgäus, dort, wo die Urlauber nur vorbeifahren, wenn sie auf dem Weg in die Berge sind. Therese ist Wirtin des Dorfgasthauses und Bürgermeisterin in einer Person. Mit Sorge sieht sie, wie immer mehr junge Leute den Ort verlassen und immer mehr Ladenbesitzer dichtmachen. Maierhofen droht zu überaltern, die Ortsmitte zu verwaisen. Wie könnte sie ihrem geliebten Heimatort zu neuem Leben verhelfen? Eines Abends sieht sie im Fernsehen ihre Cousine Greta, die einen wichtigen Preis der Werbebranche entgegennimmt. Greta hat einst als Kind ihre Ferien in Maierhofen verbracht, doch als Erwachsene haben sie und Therese sich aus den Augen verloren. Nun, beschließt Therese, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Werbefachfrau nach Maierhofen einzuladen. Tatsächlich sagt Greta zu, sie erhält sogar von ihrem Chef den Auftrag, eine Marketingstrategie für Maierhofen zu entwickeln.

Doch Greta ist ausgebrannt, das Leben als Single-Karrierefrau fordert seinen Tribut. In Maierhofen schläft sie sich erstmal richtig aus, dann erforscht sie das Dorf, lernt die Leute kennen – nur ein Marketingkonzept will ihr partout nicht einfallen. Therese hat derweil ganz andere Probleme: Sie ist an Krebs erkrankt. Zum ersten Mal im Leben muss sie ihre Gaststätte in fremde Hände geben und sich ausschließlich um sich selbst kümmern. Wie gut, dass sie so liebe Freunde hat: neben Greta sind da auch noch Christine, die sich als „Nur-Hausfrau“ für ihren Mann und die längst erwachsenen Kinder aufreibt, und Roswitha, die Kartoffelbäuerin, die sich nebenbei um ihre dementen Eltern kümmert. Für eigene Träume, so scheint es, hat keine der Frauen Zeit.

Doch dann kommt Greta die rettende Idee: Sie will Maierhofen zu einem Genießerdorf machen. Jeder der Dorfbewohner soll sich dabei mit seinen eigenen Fähigkeiten und Besonderheiten einbringen: In einem Dorfladen soll es selbst hergestellte Köstlichkeiten aus der Region geben und im Sommer will Greta ein großes Genussfestival veranstalten. Doch werden die Dorfbewohner mitziehen? Ihre eigenen Sorgen und Nöte zurückstellen und gemeinsam ihre kostbare Freizeit zum Wohle des Ortes opfern?

Ich habe dieses Buch geliebt und von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen. Am Ende hatte ich ein richtig befriedigendes Gefühl, ich wollte die Ärmel hochkrempeln und sagen: „Auf geht’s, Leit, pack ma’s!“, so sehr hat mich die Lektüre mitgerissen. Zudem ist der Roman ein leidenschaftliches Plädoyer für den Einkauf von regionalen Produkten direkt vor Ort, damit hat die Autorin bei mir offene Türen eingerannt. Deshalb gibt es dafür von mir auch eine ganz klare Kaufempfehlung und fünf Sterne.

 

durst-benning_petra_weihnachtsdorfEntsprechend erfreut war ich, als ich erfahren habe, dass in diesem Herbst eine Fortsetzung erschienen ist. „Das Weihnachtsdorf“ ist mit 204 Seiten deutlich kürzer geraten und als eBook, Taschenbuch und als (vermutlich dem Weihnachtsgeschäft geschuldet) teure gebundene Ausgabe erschienen. Erhältlich ist es z.B. hier.

Auf das Wiedersehen mit den Protagonistinnen aus dem ersten Band habe ich mich richtig gefreut. Es war ein wenig, als ob man alte Bekannte wieder trifft und erfährt, was sie seit dem letzten Treffen so alles erlebt haben. Therese hat (Achtung Spoiler!) ihre Krankheit zum Glück gut überstanden und genau wie Greta und Roswitha ihr Liebesglück gefunden. Doch es ist nicht alles so rosig, wie es auf den ersten Blick scheint: Greta plant nach dem Erfolg des sommerlichen Genussfestivals nun einen Adventsmarkt in Maierhofen. Daran wollen sich auch Roswitha mit ihren selbst hergestellten Kesselchips und deren Freund Edy mit seinen veganen Wurstwaren beteiligen. Doch die Arbeit wächst beiden über den Kopf, dazu kommen Roswithas Eltern, die man kaum noch alleine lassen kann. Und dann stehen ausgerechnet an Heiligabend ohne jede Vorankündigung auch noch Roswithas Geschwister vor der Tür, die sich beide schon seit Jahren nicht mehr in Maierhofen haben blicken lassen. Da ist der große Krach vorprogrammiert! Christine hingegen leidet unter der Trennung von ihrem Ehemann. Ihr einziger Trost sind ihre umfangreichen Planungen für das Weihnachtsfest mit den erwachsenen Töchtern. Doch dann kommt ein Anruf, der all ihre Hoffnungen zunichte macht…

Auch dieses Buch habe ich in nur zwei Tagen verschlungen, dennoch blieb die Geschichte ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück. Bei nicht einmal halb so vielen Seiten wie beim Vorgängerband muss zwangsläufig so mancher Erzählstrang etwas oberflächlich bleiben, so manches Thema hätte ich gerne etwas genauer ausgearbeitet gesehen. Der Verdacht liegt nahe, dass hier ganz gezielt (und vielleicht auch etwas „schnell, schnell“) fürs Weihnachtsgeschäft produziert werden sollte.

Fazit: Leicht zu lesende, amüsante Weihnachtsleküre ohne allzu viel Tiefgang, aber dennoch so herzerwärmend geschrieben, dass es von mir dafür vier Sterne gibt.

Nachtrag: Im Frühjahr 2017 ist der dritte Band „Die Blütensammlerin“ erschienen. Die Rezension dazu gibt es hier.