Marco Polo: Bis ans Ende der Welt

Erstellt am 29.12.16. Kategorie: Buchrezensionen
„Marco Polo: Bis ans Ende der Welt“
von Oliver Plaschka
Bewertung
★★★☆☆
Verlag Droemer Knaur
Buchform gebunden, eBook
Erschienen November 2016
Seiten 864 als gebundene Ausgabe
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Ich muss gestehen, dass ich vor dieser Lektüre nicht allzu viel Ahnung von Marco Polo hatte. Klar, ich wusste, dass er Venezianer war und nach China gereist ist. Das war es dann aber mehr oder weniger auch schon. Dank dieses Buches – laut Verlag die erste Romanbiographie über Marco Polo – bin ich nun schlauer. Allerdings muss man für diese Reise bis ans Ende der Welt etwas Zeit und Geduld mitbringen, das ergibt sich allein schon aus dem Umfang von 864 Seiten (675 als eBook), aber es lohnt sich.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Die „Gegenwart“ ist sozusagen das Jahr 1298. Der Geschichtenerzähler Rustichello da Pisa sitzt bereits seit zehn Jahren im Gefängnis von Genua. Seine Freude ist groß, als er nach langer Zeit endlich wieder einen Zellennachbar bekommt, mit dem er sich unterhalten kann. Der neue Gefängnisinsasse ist Marco Polo, der nach einer Seeschlacht gefangen genommen wurde. Die beiden Männer freunden sich an und schließlich erzählt Marco Polo die Geschichte seines Lebens, dies ist quasi die zweite Zeitebene.

Er beginnt im Jahre 1264 bei seiner Kindheit in Venedig. Erst fünf Jahre später, im Alter von 15 Jahren, trifft er zum ersten Mal seinen Vater, den verschollen geglaubten weitgereisten Kaufmann Nicoló Polo, und dessen Bruder Maffeo. Die beiden erzählen abenteuerliche Geschichten von ihren Reisen und ihrer Begegnung mit Kublai Khan, dem Herrscher der Dschingisiden im fernen Kithai (heute China). Nicoló und Maffeo träumen davon, den Handel zwischen West und Ost voranzutreiben. So verhandeln sie sogar mit dem Papst, bevor sie erneut nach Kithai aufbrechen, diesmal in Begleitung des jungen Marco.

Im Folgenden erzählt Marco von dieser langen, beschwerlichen und gefährlichen Reise entlang der Seidenstraße, die nach mehreren Jahren schließlich am Hof des Kublai Khan endet. Dort freundet Marco sich mit dessen Sohn Chinkim an und verliebt sich heimlich in Kublais Tochter Kokachin. Nach und nach gelingt es ihm, das Vertrauen Kublais zu erringen. Im Laufe der folgenden Jahre übernimmt Marco immer wichtigere Positionen in Kublais Reich, auch Nicoló und Maffeo werden zu engen Beratern. Doch diese vermeintliche Sicherheit trügt und Kublais Gunst schwindet.

Diese Erzählungen aus einer fremden Welt faszinieren nicht nur Rustichello, sondern nach und nach auch die Gefängniswärter und anderes Gefängnispersonal. Marco Polo versteht es geschickt, die Spannung aufrecht zu erhalten und dadurch für sich und seinen Freund Rustichello immer neue Vergünstigungen im Gefängnisalltag herauszuhandeln. Doch in Rustichello wächst der Zweifel: Stimmt das alles, was Marco Polo da erzählt? Oder sonnt er sich allzu sehr im Glanze seiner Bewunderer, die an seinen Lippen hängen? Ist er ein Held oder ein Lügner?

Die Geschichte ist durchaus spannend erzählt, nicht zuletzt dank vieler Cliffhanger, da von einem Kapitel zum nächsten oft nicht nur der Handlungsort, sondern auch die Zeitebene gewechselt wird. Oftmals erinnerte mich der Erzählstil an die Märchen aus 1001 Nacht, denn es werden auch viele Geschichten innerhalb der Geschichte erzählt, zum Beispiel, wenn Marco Polo über verschiedene Legenden berichtet, die sich um einen Berg und eine angeblich dort befindliche Grabstätte ranken. Dennoch macht die schiere Länge des Buches das Lesen streckenweise recht mühsam. Der Roman ist in drei Teile unterteilt: Der erste Teil, das Buch der Reise, umfasst 14 Kapitel. Das Buch Kithais hat sogar 28 Kapitel und das Buch der Heimkehr 15 Kapitel. Ich muss gestehen, dass mir manchmal etwas die Geduld fehlte und ich manches nur quer gelesen habe, etwa die eben erwähnten Geschichten in der Geschichte. Hier hätte man meiner Meinung nach deutlich straffen und kürzen können.

In seinem Nachwort erläutert der Autor ausführlich, welche tatsächlichen Quellen er bei seiner Recherche verwendet hat und wo er seine Fantasie hat spielen lassen, um die Fakten zu einer spannenden Geschichte zu verweben. Sehr interessant und lehrreich fand ich die Karte mit den damaligen Orts- und Ländernamen sowie das Ortsverzeichnis, in dem auch erläutert wird, wie die jeweiligen Orte und Länder heute heißen bzw. ob es sie heute überhaupt noch gibt. Außerdem enthält das Buch einen vereinfachten Stammbaum der Dschingisiden, ein Figurenverzeichnis, eine Übersicht über die tatsächlichen historisch belegten Ereignisse und ein Literaturverzeichnis.

Fazit: Alles in allem ein sehr interessantes Buch, das aber noch einige Kürzungen vertragen hätte. Geeignet ist der Roman für alle Geschichtsinteressierten mit viel Zeit und Geduld, die werden mit einer sehr spannenden Geschichte und etlichen überraschenden Wendungen belohnt.