Als Lilly schlief

Erstellt am 18.4.17. Kategorie: Buchrezensionen
„Als Lilly schlief“
von Ivy Bell
Bewertung
★★★★☆
Verlag Books on Demand
Buchform Taschenbuch / eBook
Erschienen Februar 2017 / September 2016
Seiten 384 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Was wäre wenn? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich mich an dieser oder jener Stelle anders entschieden, anders verhalten hätte? Das ist die zentrale Frage, mit der Lilly nach einem Unfall konfrontiert wird.

Nur ein Zufall ist schuld daran, dass das Leben dreier Frauen von einer Minute zur anderen komplett auf den Kopf gestellt wird: Lilly rettet ein Kind vor einem herannahenden Auto, wird dabei selbst verletzt, landet im Krankenhaus und liegt im Koma. Sophie, die Mutter des Jungen, war abgelenkt, weil sie gerade mit ihrer verbitterten Nachbarin Eva gestritten hat.

Im Koma wird Lilly mit Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit konfrontiert, die sie quasi als Zuschauerin noch einmal erlebt – allerdings mit einem anderen Ausgang als dem tatsächlichen. So sieht sie sich zum Beispiel, nachdem sie als Kind im Eis eingebrochen ist, im Sarg liegen, ihre trauernden Eltern neben sich. Auch viele andere Erlebnisse aus ihrer Jugend und Erwachsenenzeit werden so noch einmal aus der Versenkung geholt, vor allem eines, das Lilly bis dahin erfolgreich verdrängt hat. Und als Lilly aus dem Koma wieder erwacht, treibt sie dieses Erlebnis in eine tiefe Depression.

Sophie und Eva machen sich beide Vorwürfe, dass es wegen ihrem Streit überhaupt erst zu diesem Unfall gekommen ist. Immerhin: Sie nehmen dies zum Anlass, sich zu versöhnen und ihr jeweiliges Leben neu zu überdenken. Sophie will nach einer Familienpause endlich wieder beruflich Fuß fassen, Eva nach einer gescheiterten Ehe wieder neuen Lebensmut schöpfen. Gemeinsam schaffen es die drei Frauen, ihrem Leben eine komplett neue Wendung zu geben.

Dies ist ein wunderbares Buch über Freundschaft, über Wendepunkte im Leben, über Entscheidungen und deren Folgen. Es ist leicht zu lesen und die Protagonistinnen sind mir schnell ans Herz gewachsen. Allerdings war mir die Story streckenweise zu sehr „Friede, Freude, Eierkuchen“ und dies betrifft vor allem die Lebensgefährten bzw. Ehemänner der drei Frauen, denn die sind allesamt mit schier unendlicher Geduld und Hingabe ausgestattet: Sie stecken ohne zu zögern im Beruf zurück, um ihrer Liebsten den Rücken freizuhalten, nehmen ihr ohne Murren die Kinder ab, damit die Gattin sich selbst verwirklichen kann, haben offenbar unendlich viel Zeit, um allerlei Handwerksleistungen zu erbringen, bleiben auch nach der Trennung die besten Freunde… Insofern war das Buch aus meiner Sicht streckenweise etwas unrealistisch, aber vielleicht wären es auch zu viele „Nebenkriegsschauplätze“ geworden, hätten die Männer in dieser Geschichte nun auch noch Probleme bereitet.

Alles in allem war dies ein schönes, herzerwärmendes Lesevergnügen an einem verregneten Feiertag. Als eBook ist die Geschichte schon im September 2016 erschienen, die Taschenbuchausgabe ist seit Februar 2017 erhältlich. Eine Besonderheit: Die Autorin hat nicht nur das Buch geschrieben, sondern auch die schönen Illustrationen auf dem Cover und an jedem Kapitelanfang selbst beigesteuert.