Strandfliederblüten

Erstellt am 11.4.17. Kategorie: Buchrezensionen
„Strandfliederblüten“
von Gabriella Engelmann
Bewertung
★★★★★
Verlag Droemer Knaur
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen April 2017
Seiten 383 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Auf diese Neuerscheinung hatte ich schon sehnsüchtig gewartet, schließlich bin ich seit langem ein großer Fan von Gabriella Engelmann und habe fast alle ihre Bücher gelesen (z.B. Wildrosensommer). Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an „Strandfliederblüten“ und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil: Dieses Buch machte mir nicht nur Freude beim Lesen, sondern es bot auch viel Stoff zum Nachdenken.

Zur Handlung: Eines Tages erhält Juliane völlig unerwartet die Nachricht, dass sie ein Häuschen samt zugehörigem Leuchtturm auf der Nordsee-Hallig Fliederoog geerbt hat. Vermacht wurde ihr das alles von Ada, ihrer Großmutter väterlicherseits, die Juliane allerdings nie kennengelernt hat, denn Julianes früh verwitwete Mutter hat alles daran gesetzt, diesen Kontakt zu unterbinden.

Nun befindet sich Juliane ohnehin gerade an einem Wendepunkt in ihrem Leben: Ihren zwar stressigen, aber geliebten Job hat sie gerade verloren und ihre Beziehung zu einem verheirateten Mann steckt in einer tiefen Krise. Ausgelaugt, verwirrt und komplett ratlos, wie es für sie nun weitergehen soll, beschließt Juliane, sich eine Auszeit auf Fliederoog zu gönnen. Hier will sie einige Monate verbringen, um in Ruhe über sich und ihr Leben nachzudenken und auch, um zu entscheiden, was sie mit ihrem Erbe anfangen soll. Außerdem beginnt sie, ihre Familiengeschichte zu erforschen. Warum reagiert ihre Mutter so verschlossen, wenn es um Ada geht? Warum will ihr auch sonst niemand weiterhelfen? Was hat es mit den Ringen auf sich und mit den vielen versteckten Botschaften, die Ada überall im Haus für Juliane hinterlassen hat? Am Ende dieses Sommers hat sich Julianes Leben um 180 Grad gewendet.

Neben einer spannenden, unterhaltsamen und einfühlsamen Geschichte bot dieses Buch für mich auch viel Stoff zum Nachdenken. Denn wie ein roter Faden zieht sich das Thema Achtsamkeit durch diesen Roman: Rückbesinnung auf sich selbst, Wahrnehmung von vielem, was im hektischen Alltag schnell mal untergeht, Abkehr vom modernen Multitasking, bei dem man zig Dinge auf einmal tut, aber nichts davon mehr richtig…und mal ehrlich: Hat sich nicht jeder von uns schon mal auf eine einsame Insel ohne Handyempfang gewünscht? Dass es auch der Autorin selbst manchmal so geht, erzählt sie in einem sehr persönlichen Nachwort und am Ende des Buches gibt es etliche gut umsetzbare Achtsamkeits-Tipps, sowohl von Gabriella Engelmann selbst als auch von ausgewiesenen Experten.

Eine weitere Besonderheit dieses Romans ist der Song zum Buch. Wie die Autorin berichtet, hat sie beim Schreiben ihrer Geschichten meist einen Soundtrack im Ohr, ein Lied, das die Stimmung oder das zentrale Thema des jeweiligen Romans aufgreift. Diesmal tat sie sich mit der Band „Ticos Orchester“ zusammen und daraus entstand der Song „Bring mich zurück zu mir (Leuchtturm)“. Einen Teaser des Songs kann man sich auf YouTube anhören, alle Infos zur Band und zum Song sowie die Möglichkeit zum Download gibt es hier. Ein Video zum Song soll demnächst gedreht werden.

Übrigens: Erstmals spielt ein Roman von Gabriella Engelmann nicht an einem realen Ort, stattdessen hat sie als Handlungsort die fiktive Hallig Fliederoog geschaffen. Eine zentrale Rolle in der Geschichte spielt der Leuchtturm, was mich als ausgewiesenen Leuchtturm-Fan natürlich ganz besonders freut. Das reale Vorbild für diesen fiktiven Leuchtturm war das Leuchtfeuer Westerheversand, sicherlich einer der bekanntesten Leuchttürme an der deutschen Nordseeküste. Beim Lesen fühlte ich mich sofort zurückversetzt in unseren Norddeutschland-Urlaub 2014, als wir selbst auf Westerheversand waren – für mich damals das ganz persönliche Urlaubshighlight. Hier einige Impressionen:

Ein Kapitel des Romans spielt auch in Husum, das wir an diesem Urlaubstag ebenfalls besucht hatten. Wir hatten damals das große Glück, dass dort gerade das Hafenfest stattfand und sich die „graue Stadt am Meer“ (lt. Theodor Storm) deshalb ganz besonders bunt, fröhlich und einladend präsentierte.

Alles in allem habe ich also die Lektüre dieses Romans von ganzem Herzen genossen. Die Autorin selbst durfte ich wenige Tage zuvor bei einem ganz wunderbaren Meet & Greet in München kennenlernen. Dort bekam ich auch dieses Buch geschenkt, was aber keinen Einfluss auf meine Beurteilung des Romans hatte, da dieser sowieso schon lange zuvor auf meiner Wunschliste stand. Aber ich kann nun guten Gewissens sagen: Die Autorin ist genau so nett wie ihre Protagonistinnen und ihre sympathische Art trägt sicherlich auch mit dazu bei, dass ich mich in ihren Geschichten von der ersten Seite an immer so unglaublich wohl fühle. Von mir gibt es deshalb eine ganz klare Leseempfehlung!