Mirabellensommer

Erstellt am 30.5.17. Kategorie: Buchrezensionen
„Mirabellensommer“
von Marie Matisek
Bewertung
★★★★☆
Verlag Droemer Knaur
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Mai 2017
Seiten 287 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Ein Roman wie geschaffen für einen Urlaub im Süden, denn die Geschichte spielt in Südfrankreich, genauer gesagt in Nizza und auf der Domaine de Lafleur, einem Gut, auf dem Jasmin und Rosen für die Parfumherstellung angebaut werden. Hier leben Marita und Lucien Lafleur zusammen mit Luciens Vater Georges. Marita kam vor einigen Jahren aus Deutschland, um Georges zu pflegen, verliebte sich dann aber in dessen Sohn (diese Geschichte wird im Vorgängerroman „Sonnensegeln“ erzählt). Nun lebt sie schon einige Jahre in Frankreich und hat gute Freunde gefunden, wie zum Beispiel Babette Babajou, die einst mit ihrem Mann Aristide als Einwanderin von der Elfenbeinküste nach Frankreich kam. Aristide führt einen Obst- und Gemüseladen in Nizza, wobei Babette ihn unterstützt, so oft sie kann. Doch eigentlich ist sie Altenpflegerin und als solche kümmert sie sich liebevoll um Georges, bis dieser für immer die Augen schließt. Babette muss sich nun nicht nur beruflich neu orientieren, auch privat ist einiges im Umbruch, denn zwei ihrer Kinder sind bereits von Zuhause ausgezogen und auch die beiden Jüngeren werden langsam erwachsen. Babette muss allmählich loslassen, so schwer ihr das auch fällt.

Zum Glück hat sie in Ségolène Verbier, der Köchin der Domaine de Lafleur, eine gute Freundin gefunden und auch Aristide versteht sich gut mit Ségolènes Mann Gilbert. Das ändert sich jedoch, als Julie auftaucht, die Enkelin von Ségolène und Gilbert. Sie verbringt die Ferien bei ihren Großeltern, weil sie es zuhause nicht mehr aushält: „Mein Vater wählt die Le Pen, meine Mutter ist abgehauen, und jeden Tag gibt’s Streit“, beschreibt sie ihre Situation.

Bald verliebt sich Julie in Rachid, den Sohn von Babette und Aristide. Leider lässt der sich, angestiftet von Julie, zu einer Straftat hinreißen und so gibt es bald Ärger zwischen den beiden befreundeten Paaren. Kulturelle Gräben tun sich auf, auch wenn vor allem die Frauen sich emsig bemühen, diese Gräben zuzuschütten. Doch schließlich kommt es zu einem großen Streit und am nächsten Tag ist das junge Liebespaar verschwunden. Und dann bricht auch noch ein Feuer aus, Babette und Aristide stehen vor dem Nichts. Nun muss sich zeigen, wieviel ihre Freundschaften wirklich wert sind.

Mir hat dieses Buch gut gefallen, denn beim Lesen fühlte ich mich sofort nach Südfrankreich versetzt, ich meinte die Hitze zu spüren und den Duft von Jasmin und Rosen zu riechen. Außerdem lief mir so manches Mal das Wasser im Munde zusammen, denn in dieser Geschichte wird auch immer gern und gut gekocht (ein Rezept für Mirabellen-Mango-Chutney findet sich vorne im Buch). Die Spannung kommt ebenfalls nicht zu kurz, dafür sorgt in erster Linie das junge Liebespaar, aber auch der Wechsel der Erzählperspektiven. Zwar ist Babette die Hauptperson des Romans, doch auch ihre Freunde und Familienmitglieder kommen zu Wort. Besonders amüsant sind dabei die Kommentare aus dem Jenseits, die Georges beisteuert.

Die Geschichte ist leicht und flüssig zu lesen und auch wer (wie ich) den Vorgänger „Sonnensegeln“ noch nicht gelesen hat, kommt hier bestens mit. Fazit: Ein wunderbarer Sommeroman, den man idealerweise in einem Liegestuhl oder einer Hängematte mit Meerblick genießen sollte.

Von Marie Matisek hatte ich zuvor schon etliche Nordsee-Romane verschlungen. Auf „Mirabellensommer“ wurde ich aufmerksam, als ich Marie Matisek und ihre Kollegin Gabriella Engelmann im April bei einem Meet&Greet in München persönlich kennenlernen durfte.