Die Wolkenfischerin

Erstellt am 28.12.17. Kategorie: Buchrezensionen
„Die Wolkenfischerin“
von Claudia Winter
Bewertung
★★★★☆
Verlag Goldmann
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Dezember 2017
Seiten 400 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Bei dieser Lektüre wurden Erinnerungen an einen wunderschönen Bretagne-Urlaub wach, den ich vor über 26 Jahren erlebt habe. Beim Lesen hatte ich die wildromantische Landschaft sofort wieder vor meinem geistigen Auge und hätte am liebsten gleich die Koffer gepackt.

Dabei beginnt die Geschichte des Romans in Berlin. Dort nämlich lebt Claire Durant und arbeitet als Redakteurin bei einem Gourmet-Magazin. Niemand ahnt, dass die Französin gar nicht aus Paris stammt und auch kein abgeschlossenes Kunststudium hat. Ihr Chef Sebastian hält große Stücke auf sie und bietet ihr den Posten als Chefredakteurin eines neuen Lifestyle-Magazins an. Doch genau zu diesem Zeitpunkt erreicht Claire ein Hilferuf von ihrer Mutter, die im Krankenhaus liegt und sich nicht um Claires gehörlose jüngere Schwester kümmern kann. Claire bleibt nichts anderes übrig, als in die Bretagne zu reisen, in das Fischerdorf Moguériec, aus dem sie eigentlich stammt und das sie als junges Mädchen für immer verlassen hat.

Auf der Reise wird Claire mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Mit dem tragischen Unfalltod ihres Vaters, mit ihrer Jugendliebe Nicolas, mit ihrer Mutter, zu der sie seit langem ein schwieriges Verhältnis hat. Und dann taucht ausgerechnet Claires Chef Sebastian in der Bretagne auf und Claires Lügengebilde droht in sich zusammenzustürzen. Um Sebastian aus Moguériec zu vertreiben, greift sie zu einer List, nicht ahnend, welches Chaos sie damit heraufbeschwört.

Der Roman wird zunächst aus wechselnden Perspektiven erzählt: Da ist einmal Claire in Berlin, dann das junge Mädchen Gwenaelle in Paris. Erst im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, in welcher Verbindung die beiden zueinander stehen, allerdings hatte ich schon früh eine Ahnung, die sich dann auch als richtig herausstellte. Beim Lesen schwankte ich oft zwischen Lachen und Kopfschütteln über die liebenswert chaotische Claire. Sehr beeindruckend fand ich die Szenen, in denen Claire sich mit ihrer gehörlosen Schwester unterhält. Hier lässt die Autorin sehr persönliche Erfahrungen einfließen, denn sie ist selbst als Tochter gehörloser Eltern aufgewachsen. Da mein eigener Vater seit vielen Jahren extrem schwerhörig ist, konnte ich mich gut in diese Situation hineinversetzen und fand die entsprechenden Szenen sehr berührend.

Insgesamt hat mich die Geschichte sehr gut unterhalten. Wie eingangs schon erwähnt, haben mir vor allem die Landschaftsbeschreibungen sehr gut gefallen, ich sah die Bretagne förmlich vor mir, konnte das Meer riechen, die Möwen kreischen hören, die unzähligen Blautöne sehen… allein das hat die Lektüre schon zu einem Genuss gemacht. Apropos Genuss: Am Ende des Buches finden sich zahlreiche Rezepte mit typisch französischen und bretonischen Spezialitäten, von Galettes bis hin zur Tarte au Citron, die ich definitiv demnächst mal ausprobieren werde. Ein Glossar erklärt zudem bretonische Eigennamen und Ausdrücke.

Alles in allen eine sehr schöne Geschichte mit viel französischem Charme.