Das Geheimnis der Muse

Erstellt am 28.2.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Das Geheimnis der Muse“
von Jessie Burton
Bewertung
★★★☆☆
Verlag Suhrkamp / Insel-Verlag
Buchform kartoniert, eBook
Erschienen März 2018
Seiten 461
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Dieser Roman handelt von einem geheimnisvollen Gemälde, dessen Geschichte sich erst allmählich offenbart, und von einer großen Lebenslüge.

London 1967: Odelle Bastien ist eine Einwanderin aus Trinidad, einer ehemals britischen Kolonie. Obwohl englisch erzogen und gut ausgebildet, wird sie in London schon allein aufgrund ihrer Hautfarbe als Mensch zweiter Klasse betrachtet. Ihr Traum ist es, eine berühmte Schriftstellerin zu werden, doch vorerst jobbt sie in einem Schuhgeschäft. Ihre Freude ist groß, als sie eine Stelle in der Kunstgalerie Skelton ergattert, wo ihre Chefin Quick sie rasch unter ihre Fittiche nimmt. Eines Tages stoßen sie auf ein Gemälde namens „Rufina und der Löwe“, das einem spanischen Maler namens Isaac Robles zugeschrieben wird. Doch warum reagiert Quick derart seltsam auf das Bild?

Die Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1936: Der österreichische Kunsthändler Harold Schloss zieht mit seiner Frau Sarah und Tochter Olive nach Andalusien, weil ihm die politische Lage in der Heimat zu gefährlich wird. In Andalusien macht die Familie die Bekanntschaft von Isaac Robles, der nicht nur Maler ist, sondern auch leidenschaftlicher Revolutionär. Denn auch in Spanien gärt es, der Bürgerkrieg steht kurz vor dem Ausbruch. Olive verliebt sich in Isaac, zudem inspiriert er sie künstlerisch, denn Olive ist ebenfalls Malerin, allerdings heimlich, weil ihr Vater der Meinung ist, Kunst sei nur dem Mann vorbehalten. Vergeblich kämpft Olive um Aufmerksamkeit und Anerkennung ihrer Eltern. Und als schließlich der Bürgerkrieg ausbricht und das Land im Chaos versinkt, kommt es zu dramatischen Geschehnissen, die sich wiederum Odelle in London dreißig Jahre später erst allmählich offenbaren.

So spannend der Inhalt klingt, so schwer tat ich mich zunächst mit der Geschichte. Der Roman plätscherte so dahin und anfangs war ich mehrmals drauf und dran, das Buch beiseite zu legen. Erst nach etwa 200 Seiten nimmt die Geschichte langsam Fahrt auf und wird zuletzt dann doch noch richtig spannend. Neben dem Geheimnis um das Bild behandelt das Buch noch viele weitere brisante Themen, etwa die politische Lage in Europa und insbesondere in Spanien in den 1930er Jahren, die Lage der karibischen Einwanderer in Großbritannien sowie auf einer persönlicheren Ebene den Kampf um Anerkennung und die Schwierigkeiten, sich selbst zu verwirklichen. Was das betrifft, gibt es einige Parallelen zwischen Olive und Odelle, wobei mir letztere etwas näher war. Mit ihr konnte ich mich leichter identifizieren, was sicher auch daran lag, dass ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt wird, Olives Geschichte hingegen aus der 3. Person.

Einen Pluspunkt gibt es von mir für das wunderbare Cover: Auf den ersten Blick handelt es sich dabei „nur“ um Blumenranken, bei näherer Betrachtung entdeckt man dort aber auch eine Schreibmaschine, Pistolen, Pinsel, Parfumflacons und Schlangen, was ich unglaublich faszinierend finde.

Alles in allem konnte mich dieser viel gelobte Roman, der 2016 im englischen Original erschienen ist und ab März 2018 auch auf Deutsch erhältlich sein wird, jedoch nicht ganz überzeugen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet auf der Verlagsseite eine ausführliche Leseprobe.