4 Tage, 4 Bücher – Usedom-Spezial: Unser Haus am Meer

Erstellt am 21.5.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Unser Haus am Meer“
von Nele Jacobsen
Bewertung
★★★☆☆
Verlag Aufbau Taschenbuch Verlag
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Februar 2016
Seiten 320 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Manchmal kommt es anders als man denkt. Eigentlich wollten wir Anfang Mai in unseren Usedom-Urlaub starten, doch aus familiären Gründen mussten wir die Reise absagen. Darüber war ich natürlich ziemlich enttäuscht, denn in den vergangenen Wochen hatte ich mich schon sehr auf unseren Urlaub gefreut, hatte Reiseführer gewälzt, im Internet geforscht und zur Einstimmung natürlich auch mehrere Bücher gelesen, die auf Usedom spielen. Tja, aus der Reise ist nichts geworden, aber dennoch möchte ich Euch diese Romane in meiner kleinen Reihe „4 Tage, 4 Bücher“ nun nacheinander vorstellen.

Den Anfang macht „Unser Haus am Meer“ von Nele Jacobsen. Es geht darin um die Münchner Journalistin Josefine, die von ihrem Chef den Auftrag erhält, auf Usedom den Autor eines Glücks-Ratgebers zu interviewen. Josefine ist zunächst wenig angetan, denn ihr Ehrgeiz ist eher aufs politische Ressort gerichtet und sie hofft, demnächst die Kanzlerin bei einer Reise nach Washington begleiten zu dürfen. Zunächst aber muss sie nun nach Usedom und tatsächlich ist sie vom Meer, dem feinen weißen Sand und den Dünen gleich angetan – ebenso wie von Ben, dem vermeintlichen Autor des Glücks-Ratgebers „Das Kapitänsprinzip.“ Doch bald findet Josefine heraus, dass nicht der gutaussehende charmante Ben das Buch geschrieben hat, sondern dessen spröder, zurückhaltender Bruder Markus. Wütend über die Täuschung, reist Josefine empört ab und schreibt einen geharnischten Artikel über den Betrug der Brüder. Doch ihr Artikel verhilft dem Ratgeber zu neuer Publicity, das Buch wird zum Bestseller. Und Josefines Chef schickt sie erneut nach Usedom, um weiter über das Brüderpaar zu berichten.

Das Ende der Story ist vorhersehbar, dennoch hielt die Geschichte einige unerwartete Wendungen parat, die das Lesen durchaus kurzweilig machten. Es gab allerdings ein paar Dinge, die mich gestört haben. Einiges an der Geschichte ist meiner Meinung nach schlicht unrealistisch und gerade gegen Ende hin vollziehen einige Figuren Wandlungen, die für mich nicht nachvollziehbar sind, weil sie sich zuvor auch nicht wirklich angekündigt haben, so dass man sich als Leser fragt: „Hä, warum jetzt auf einmal das?“. Außerdem bedient sich die Autorin meiner Meinung nach zu vieler Klischees: Eine Münchnerin muss Schicki-Micki sein, klar. Und sich von Weißwurst und Leberkässemmel ernähren, während die „Fischköpp“ ausschließlich Fischbrötchen essen. Liebe Frau Jacobsen, lassen Sie sich gesagt sein: Auch in Bayern kann man ganz hervorragende Fischsemmeln essen und ich bin sicher, auch die Nordlichter essen gerne mal was anderes als immer nur Fisch (so lecker der auch sein mag). Und wenn wir schon dabei sind: Liebe Autorin, bitte versuchen Sie nie wieder, Ihre Protagonistin bayrisch reden zu lassen. Erstens passt es nicht zu Josefine, die das ganze Buch über hochdeutsch redet, zweitens ist das geschriebene Bayrisch im Buch oftmals einfach nur grundfalsch und tut mir beim Lesen weh.

Zum Thema Usedom: Natürlich werden im Roman die bekannten Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sowie die berühmten Seebrücken erwähnt. Doch es gab für mich beim Lesen auch etwas Neues zu entdecken, nämlich den Leuchtturm im polnischen Swinemünde. Über den hatte ich tatsächlich in meinen Reiseführern noch nichts gelesen, aber nun steht er definitiv auf meiner Besichtigungsliste. Das war es dann allerdings auch schon mit Lokalkolorit.

Von Nele Jacobsen hatte ich im vergangenen Jahr bereits „Ein Sommer im Rosenhaus“ gelesen, das ebenfalls auf Usedom spielt und mir insgesamt doch etwas besser gefallen hat. Alles in allem war aber auch „Unser Haus am Meer“ durchaus unterhaltsam und eine nette Lektüre für ein sonniges Wochenende auf der Terrasse.