Die Inselgärtnerin

Erstellt am 9.6.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Die Inselgärtnerin“
von Sylvia Lott
Bewertung
★★★★☆
Verlag Blanvalet
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen April 2018
Seiten 445 Seiten als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Sonjas Leben ist an einem Tiefpunkt angelangt: Ihr Mann hat eine andere und nach vielen Jahre Ehe steht Sonja nun vor der Frage: trennen oder nicht? Ihr Job als Landschaftsgärtnerin macht ihr keine Freude mehr, seit der Juniorchef das Regiment übernommen hat, und selbst ihre Erbschaft in Florida scheint eher eine Belastung als ein Glücksfall zu sein, denn damit verbunden sind in erster Linie ein Haufen Bürokratie und hohe Steuerzahlungen. Als Sonja dann aber ihren Job verliert, macht sie sich auf nach Florida, um ihr Erbe endlich mal selbst in Augenschein zu nehmen. Ihre Tante Sandy, die sie kaum kannte, hat ihr ein etwas heruntergekommenes Häuschen auf Dolphin Island vermacht. Dort angekommen, macht Sonja die Bekanntschaft vieler netter Nachbarn und erfährt auf diese Weise mehr über ihre Tante. Und sie verliebt sich auf Anhieb in die zauberhafte Insel mit all ihrem Licht und ihrer Leichtigkeit.

Dann lernt sie den charmanten Nick kennen und erhält den Auftrag, seinen Garten umzugestalten. In Sonja reift die Idee, naturnahe Dünengärten zu gestalten, mit einheimischen Pflanzen, die deutlich pflegeleichter sind als Gärten mit exotischen Pflanzen, die intensiv bewässert werden müssen. Zudem könnten diese Dünengärten den jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen in der Hurrikan-Saison viel besser standhalten. Immer mehr Menschen in Sonjas neuem Bekanntenkreis begeistern sich für diese Idee und bitten sie um Tipps. So kann Sonja sich langsam von ihren Problemen daheim in Deutschland lösen. Sie plant, hier sesshaft zu werden und ihre eigene Gartenbaufirma zu gründen. Doch als Ausländerin darf Sonja in den USA offiziell gar nicht arbeiten, die Bürokratie legt ihr jede Menge Steine in den Weg. Und nicht jedem scheint Sonja hier willkommen zu sein, Intrigen werden gesponnen und plötzlich droht Sonja die Abschiebung. Wie gut, dass sie Freunde hat, allen voran den Philosophen Sam.

Der Roman beginnt ziemlich traurig und deprimierend, ich habe von Anfang an sehr mit Sonja mitgefühlt und mich von ihrer depressiven Stimmung regelrecht anstecken lassen. Dann aber nimmt die Geschichte an Fahrt auf, wird immer spannender, um vor allem im letzten Teil noch richtig dramatisch zu werden.

Von Sylvia Lott habe ich schon einige Romane gelesen, die mir allesamt gut gefallen haben, u.a. „Die Glücksbäckerin von Long Island“ und zuletzt „Die Fliederinsel“, einen hochdramatischen Roman, der in der Nazizeit in Dänemark spielt. „Die Inselgärtnerin“ behandelt kein so schweres, ernstes Thema, aber auch hier herrscht beileibe nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Bei der Lektüre habe ich viel über Florida gelernt, über Fauna und Flora, aber auch über die sogenannten „Snowbirds“, die meist älteren Menschen, die ihren Lebensabend im „Sunshine State“ verbringen. Viel Neues erfuhr ich auch über den Schriftsteller Ernest Hemingway, der eine Weile hier gelebt hat und dem zu Ehren in Florida ein großes Festival stattfindet, bei dessen „Lookalike Contest“ Sam teilnimmt. Sehr realistisch sind meines Erachtens die Schwierigkeiten bei der Einwanderung in die USA dargestellt (so weit ich das als Laie beurteilen kann), darüber hinaus spricht die Geschichte auch viele andere kontroverse Themen wie Delfinshows, Klimawandel und Küstenschutz an, über die ich mir nach der Romanlektüre noch viele Gedanken gemacht habe.

Dolphin Island ist eine fiktive Insel, der Fantasie der Autorin entsprungen, aber doch mit einigen realen Vorbildern. Auf Pinterest hat Sylvia Lott eine ganze Reihe von Fotos zusammengestellt, die sehr gut darstellen, wie Dolphin Island aussehen könnte. Am besten unterlegt man diese Bilder mit dem Soundtrack bekannter Motown-Songs (Playlist im Buch-Anhang), die zu der Zeit angesagt waren, als Sonjas Tante Sandy noch jung und erfolgreich war.

Dieses Buch ist Bestandteil der Kampagne „Hello Sunshine“, mit der der Verlag Blanvalet eine Auswahl sommerlicher Romane bewirbt. Damit verbunden ist auch ein Gewinnspiel mit der Chance auf tolle Tages- und Monatsgewinne. Schaut doch mal rein!