Ohne ein einziges Wort

Erstellt am 2.6.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Ohne ein einziges Wort“
von Rosie Walsh
Bewertung
★★★★★
Verlag Goldmann
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Mai 2018
Seiten 525 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Dieses Buch hat mich schon allein aufgrund seines Klappentextes neugierig gemacht, weshalb ich diesen ausnahmsweise mal hier zitiere:

„Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du.“

Sarah, Mitte 30, ist zu Besuch bei ihren Eltern in England, als sie Eddie begegnet. Die beiden verbringen eine wunderbare Woche miteinander, doch danach herrscht absolute Funkstille und Sarah kann sich einfach nicht erklären, warum. Eddie antwortet auf keine ihrer Nachrichten und bald fürchtet sie, ihm könne etwas zugestoßen sein. Doch dann sieht sie, dass er in den sozialen Medien online ist. Sie beginnt ihn regelrecht zu stalken, kontaktiert seine Freunde, doch niemand antwortet ihr, vor allem Eddie nicht.

Nicht nur Sarahs Freunde raten ihr, Eddie zu vergessen, auch sie selbst weiß, dass sie ihn sich aus dem Kopf schlagen muss, doch das gelingt ihr nicht. Sie leidet – und nach und nach kommt heraus, dass ihre Seelenqualen nicht nur auf Eddies Verhalten zurückzuführen sind, sondern vor allem auf einen schrecklichen Unfall vor 19 Jahren, der Sarah ihre geliebte kleine Schwester genommen hat. Sarah ist damals in die USA geflüchtet, doch ihr Schmerz ist im Laufe der Jahre nicht weniger geworden, schreckliche Verlustängste plagen sie. Darum wollte sie auch nie ein eigenes Kind haben, woran letztlich auch ihre Ehe scheiterte.

Schließlich keimt in Sarah (und im Leser) der Verdacht, dass Eddie in irgendeiner Weise mit dem Unfall von damals zu tun haben könnte. Doch die Wahrheit ist noch viel, viel schlimmer…

Die Autorin Rosie Walsh versteht es, den Leser immer wieder geschickt auf falsche Fährten zu führen. Den Verdacht mit dem Unfall hatte ich schon relativ früh in der Lektüre, doch dann stellte sich heraus: Es ist alles ganz anders. Immer wieder gibt es in der Geschichte neue dramatische Wendungen, immer wieder passiert etwas gänzlich Unerwartetes. Der Roman wird zunächst aus Sarahs, später aus Eddies Sicht geschrieben, immer wieder werden Rückblenden eingestreut, allerdings immer nur andeutungsweise, so dass der Leser lange Zeit im Unklaren über die tatsächlichen Ereignisse bleibt. Die Spannung steigt auf diese Weise schier ins Unermessliche.

Das Buch fängt so harmlos an mit einer vermeintlichen „Warum-ruft-er-nicht-an“-Geschichte, wird dann aber von Seite zu Seite immer packender und beklemmender. Es handelt sich hier beileibe nicht nur um einen Liebesroman, sondern vielmehr um das tragische Schicksal zweier Familien über Jahrzehnte hinweg. Fazit: Unbedingt lesen!

Wer neugierig geworden ist, findet auf der Verlagsseite eine XXL-Leseprobe.