Herz und Tal

Erstellt am 18.8.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Herz und Tal“
von Jana Lukas
Bewertung
★★★★★
Verlag Heyne
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Juli 2018
Seiten 396 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Emilia verlässt fluchtartig ihre Heimatstadt Bremen, um im Chiemgau ein neues Leben zu beginnen, möglichst weit weg von der schmerzlichen Enttäuschung, die sie erleben musste. Doch der Neuanfang gestaltet sich schwierig, denn Emilias Wohnung ist wegen eines Wasserschadens erstmal unbewohnbar. Unterschlupf findet sie auf dem Kastanienhof im beschaulichen Lindenmoos. Dort freundet sie sich schnell mit der jungen Wirtin Therese an und auch deren Zwillingsbruder Max übt eine starke Faszination auf sie aus. Doch Emilia ist ein gebranntes Kind, es fällt ihr sehr schwer, wieder zu vertrauen, deshalb hält sie lieber Abstand. Dumm nur, dass Emilia und Max sich auch beruflich oft begegnen, denn Emilia arbeitet in der Notaufnahme des Rosenheimer Krankenhauses und Max ist Polizist. So bleibt es nicht aus, dass die beiden sich näher kommen.

Doch Max hat seine Geheimnisse und jede Menge Probleme mit komplizierten Frauen, von seiner intriganten Ex-Freundin bis hin zur esoterischen Hippie-Mutter. Leider macht Max seine Probleme am liebsten mit sich alleine aus, anstatt sich seinen Liebsten anzuvertrauen. Doch nach einer romantischen Mittsommernachtsfeier überschlagen sich plötzlich die Ereignisse…

Dieses Buch ist so mitreißend geschrieben, dass ich es quasi in einem Rutsch gelesen habe. Sicher handelt es sich hier nicht um besonders anspruchsvolle, tiefschürfende Lektüre, aber ich habe mich dennoch hervorragend unterhalten gefühlt und das ist schließlich genau das, was ich von einer guten Sommerleküre erwarte. Die Personen waren für mich glaubwürdig dargestellt und ich konnte mich in die Protagonisten jederzeit gut hineinversetzen.

Sehr amüsant fand ich, dass jedes Kapitel mit einem Anruf bei der Notrufzentrale beginnt – darunter so skurrile „Notfälle“ wie ein Unfall beim Liebesspiel, eine Pfefferspray-Attacke im Kindergarten, ein freilaufender Elefant in Rosenheim oder ein Anschlag in einer Galerie. All diese Fälle haben mehr oder weniger direkt etwas mit den im Kapitel folgenden Ereignissen zu tun. Hier hat die Autorin – im Brotberuf selbst Polizistin – sicher das eine oder andere Erlebnis aus ihrem Berufsalltag mit einfließen lassen.

Der Roman spielt vor allem im fiktiven Dorf Lindenmoos, aber auch in den realen Orten Aschau, Rosenheim, Seeon und am Chiemsee – allesamt Orte, die ich gut kenne, gerade erst diese Woche habe ich mal wieder einen Ausflug zum Chiemsee gemacht. Dabei hat mir besonders gut gefallen, dass die Autorin auf die sonst so gängigen Klischees verzichtet hat: Nein, die Bayern laufen nicht den ganzen Tag jodelnd in der Lederhose herum! Leider liest man so etwas recht häufig in Büchern, die in Bayern spielen. Dass es hier anders ist, fand ich ausgesprochen erfreulich.

Alles in allem eine wunderbare, herzerwärmende Lektüre für den Sommer – ganz egal, ob man sie auf dem heimischen Balkon genießt oder im Liegestuhl am Chiemseeufer.