Zentralfriedhof wie ausgestorben

Erstellt am 13.2.19. Kategorie: Buchrezensionen
„Zentralfriedhof wie ausgestorben“
von Ralf Heimann, Jörg Homering-Elsner
Bewertung
★★★★★
Verlag Heyne
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Dezember 2018
Seiten 192 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Seit März 2014 gibt es die Facebook-Seite „Perlen des Lokaljournalismus“ und ich bin ein Fan der (beinahe) ersten Stunde. Insgesamt hat die Seite inzwischen beinahe 300.000 Fans – vollkommen zu Recht, denn hier werden die lustigsten Fehltritte aus deutschen Lokalzeitungen veröffentlicht. Die Seite ist so erfolgreich, dass die dort gesammelten Stilblüten inzwischen auch als Bücher veröffentlicht wurden. Nach „Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst“ folgte „Bauchchirurg schneidet hervorragend ab“ und nun wurde mit „Zentralfriedhof wie ausgestorben“ bereits der dritte Band vorgelegt.

Schon beim ersten kurzen Blättern musste ich mehrmals laut lachen und dann konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen und habe meiner Familie ganz vieles daraus laut vorgelesen. Manchmal ist es allein schon der Titel eines Zeitungsberichtes, der einen zum Lachen bringt, wie etwa „Kinder verkaufen statt wegzuwerfen“, „Exhibitionist zeigte sich vor Blindem“, „Bald startet unsere Einbruchserie“, „Fußballspiel endet 43:0 – Torwart verhinderte Schlimmeres“, „Vortrag zu Schwerhörigkeit war nicht leicht zu verstehen“ oder „Gewalt-Hotspot Westbahnhof: Klopapierdieb auf frischer Tat ertappt.“

Bei anderen Meldungen genügt schon ein Buchstabe zu viel oder zu wenig, um aus einer eigentlich ernsten Meldung eine unfreiwillig komische zu machen. So wie hier, wo ein „s“ zu viel ist: „Ein Spaziergänger fand seine Leiche im Park“ – dafür fehlt ein „s“ bei „Die Gästefans waren überwiegend mit Busen und Pkws angereist.“ Eher harmloser wird die folgende Meldung durch das „i“ zuviel: „Der 68-Jährige hatte (…) einen Notarzt alarmiert, weil er (…) seine Lebensgefährtin lieblos im Bett vorgefunden habe“ – lieber lieblos als leblos 😉

Unfreiwillig komisch wird es auch, wenn Bild und Bildunterschrift nicht zusammenpassen. Wenn etwa auf dem Foto die Feuerwehr gerade einen Brand löscht und dabei steht „So trocknet Wäsche am schnellsten – und am sichersten“, wenn es anderswo heißt „Immer mehr Frauen begeistern sich für den Modellbau“ und auf dem Bild dazu sind nur Männer abgebildet, wenn zu der Meldung „Zahl der Wildunfälle drastisch gestiegen“ Peter Maffay abgebildet wird, mit Tabaluga, der auf dem Heck von Maffays Auto sitzt, dann bleibt wahrlich kein Auge trocken. Besondere Würze erhalten die vielen abgebildeten Zeitungsausschnitte auch diesmal wieder durch die herrlich bissigen Kommentare der beiden Autoren.

Wie schon bei den beiden Vorgängerbänden fand ich es auch diesmal wieder ungemein tröstlich, dass überall Fehler passieren – und dass mir selbst noch kein solcher Lapsus unterlaufen ist, der die Qualität hätte, es in dieses Buch zu schaffen. Wenn ich mich also doch mal wieder über irgendeinen dummen Fehler ärgere (vorzugsweise über einen, für den ich selbst gar nicht verantwortlich bin, sondern den einer meiner Redakteure z.B. beim Kürzen des Texts verursacht hat), dann greife ich zu diesem Buch und schon kann ich wieder darüber lachen.

Wie schon bei der Rezension zu „Bauchchirurg schneidet hervorragend ab“ geschrieben, auch diesmal der Hinweis: Auch als eBook-Liebhaber sollte man sich hier unbedingt die auf Papier gedruckte Buchversion gönnen (sie kosten eh beide gleich viel), denn die Zeitungsausschnitte kommen da einfach viel besser zur Geltung. Ganz klare Leseempfehlung, nicht nur für Lokaljournalisten!

Übrigens: Die „Perlen des Lokaljournalismus“ haben inzwischen Geschwister bekommen, nämlich die „Perlen aus dem Schilderwald“ und „Kurioses aus der Presseschau“ – nähere Infos, auch zu den Autoren, gibt es auf deren Homepage.