Garten der Wünsche

Erstellt am 25.6.19. Kategorie: Buchrezensionen
„Garten der Wünsche“
von Kristina Valentin
Bewertung
★★★☆☆
Verlag Diana
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Mai 2019
Seiten 326
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Zwei Frauen, eine Leidenschaft: In diesem Roman dreht sich alles um einen ganz besonderen Garten. Der gehört zu einer Pension im fiktiven Örtchen Lindenbühl, mitten im Nirgendwo in Schleswig-Holstein. Die Pension wird von der 60-jährigen Klara geführt und ist ein ganz besonderer Ort für Menschen, die dringend zur Ruhe kommen müssen, die trauern, deren Seele leidet. Dank Klaras Gespür für Menschen, vor allem aber dank des Gartens erfahren die Gäste hier bald eine Linderung ihrer Leiden, viele kommen immer wieder an diesen verwunschenen Ort zurück. Auch für Klara selbst hat der Garten große Bedeutung. Sie hat eine ganz besondere Beziehung zu ihm, vor allem zu dem alten Apfelbaum: Sie kann das Wasser in seinem Stamm rauschen hören und wertet es als Zeichen der Zustimmung oder Ablehnung, wenn der Baum Blüten oder gar Früchte abwirft. Trotzdem zieht es Klara seit einiger Zeit in die Ferne: Sie will noch etwas von der Welt sehen – doch wer soll sich dann um ihre Pension und um den Garten kümmern?

Romy ist um die Dreißig, Bibliothekarin in Hamburg und ihr sehnlichster Wunsch ist es, Mutter zu werden. Doch das klappt nicht und so unterziehen sie und ihr Mann Lukas sich seit mehreren Jahren einer Behandlung nach der anderen. Romy setzt sich selbst unter Druck, fühlt sich minderwertig, weil ihr Körper nicht das leistet, was sie von ihm verlangt. Unter diesem Stress zerbricht die Ehe, Romy und Lukas haben es verlernt, miteinander zu sprechen, jeder leidet still vor sich hin. Durch Zufall erfährt Romy von Klaras Pension und flüchtet für einige Wochen dorthin, um über ihr Leben nachzudenken. Auch bei ihr entfaltet der Garten seinen Zauber und Romy entdeckt zu ihrer eigenen Verwunderung, wie viel Spaß es ihr macht, mit bloßen Händen in der Erde zu wühlen, den Pflanzen beim Wachsen und Gedeihen zuzusehen.

Doch der Garten ist in Gefahr: Auf der direkt angrenzenden Wiese will ein Hamburger Bauunternehmer ein Luxushotel errichten. So schnell können die Lindenbühler gar nicht schauen, wie plötzlich die blühende Wiese gemäht ist und ein Bagger beginnt, die Baugrube auszuheben. Tun können sie rechtlich nichts dagegen: Der Gemeinderat hat dem Bauprojekt zugestimmt, will den Tourismus in der Region fördern. Mit der Ruhe in dem beschaulichen Ort ist es nun vorbei, gemeinsam versuchen die Bewohner, das Bauprojekt doch noch zu verhindern. Doch dann kommt auf einmal ein gewaltiger Sturm auf, der Lindenbühl von der Außenwelt abschneidet. Und danach ist nichts mehr wie vorher.

Die Story dieses Romans fand ich eigentlich sehr gut und durchaus spannend. Allerdings war die Lektüre für mich dennoch etwas anstrengend. Ich bin ja nun wirklich ein großer Gartenliebhaber und habe viel Freude daran, den Pflanzen in unserem eigenen Garten beim Wachsen zuzusehen. Dabei bin ich ebenso wie Klara und die Autorin Kristina Valentin der Meinung, dass man dabei Wert auf solche Pflanzen legen sollte, die für die Artenvielfalt förderlich sind. Auch muss im Garten nicht alles ganz akkurat zugehen, ein paar wilde Ecken sind wunderbare Lebensräume für viele Tiere.

Die Art und Weise, wie Klara ihren Garten sieht, war für mich allerdings nur bedingt nachvollziehbar. Mir war da ehrlich gesagt zu viel Magie im Spiel, zu viel Hokuspokus, aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu rational, um mich darauf einzulassen? Jedenfalls waren mir viele der sehr ausschweifenden Beschreibungen von Garten und Pflanzen einfach zu langatmig, die Spannung hat für mich sehr darunter gelitten. So war dies leider keine Lektüre, die ich in einem Rutsch durchlesen musste oder wollte. Im Gegenteil: Wenn ich mal zwischendurch einen Tag keine Zeit hatte, den Roman weiter zu lesen, war es eigentlich auch nicht so schlimm.

Sehr interessant fand ich dann jedoch den Anhang, in dem die Autorin noch einige Anmerkungen zum Thema Natur, zu verschiedenen Blumen und Pflanzen, zu Totholz im Garten und zum Trend des Waldbadens macht. Diese Anmerkungen haben mir einige Anregungen geliefert und ich fand es auch sehr schön, dass sie mit wundervollen Zitaten rund um das Thema Natur und Garten „garniert“ wurden. Eines meiner Lieblingszitate hier stammt von Khalil Gibran: „Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ Da musste ich gleich an meinen Lieblingsbaum denken, den ich einige Jahre hinweg immer wieder fotografiert habe.

Mein Fazit: Eine an sich spannende Geschichte, jedoch sehr ruhig und bedächtig erzählt. Ein schöner Roman, auf den man sich aber ganz bewusst einlassen muss.