This Is (Not) a Love Song

Erstellt am 27.8.20. Kategorie: Buchrezensionen
„This Is (Not) a Love Song“
von Christina Pishiris
Bewertung
★★★★★
Verlag Aufbau Verlag
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen August 2020
Seiten 472
ISBN 978-3-8412-2593-1
Erhältlich beiAP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Gerade eben erst habe ich mit „Das war die schönste Zeit“ einen Roman gelesen, in dem es ganz viel um Musik geht und einer der Protagonisten ein Musikjournalist ist. Kaum hatte ich das Buch beendet, wurde ich durch zwei Bloggerkolleginnen auf diesen Debütroman aufmerksam, der in einem ganz ähnlichen Setting spielt – und auch wieder nicht. Zwar geht es in beiden Büchern um Musik, um Journalismus und um die erste Liebe, die man nie vergisst, doch hat die Autorin Christina Pishiris aus diesen Zutaten eine komplett andere Story gemacht.

Hauptperson diesmal ist die Mittdreißigerin Zoë, die in London als Chefredakteurin des angesagten Musikmagazins Re:Sound arbeitet. Doch das Magazin steckt in der Krise, die Auflagenzahlen gehen zurück, der Verlag wurde verkauft und die neuen Eigentümer stellen wahnwitzige Forderungen an die Auflagenzahlen. Zoë will nicht nur ihren eigenen Job retten, sie sorgt sich auch um ihre Mitarbeiter. Wie es scheint, hat sie nur eine Chance und die heißt Marcie Tyler. Die alternde Rockröhre, Zoës Idol aus Jugendtagen, hat sich komplett von der Öffentlichkeit zurückgezogen und gibt quasi keine Interviews. Eine Story mit ihr würde dem Magazin garantiert eine Traumauflage bescheren. Doch wie an sie herankommen?

Der einzige Weg führt über den PR-Manager Nick Jones, mit dem Zoë allerdings ordentlich aneinander gerät, weil er auch zuständig ist für die angesagte Boyband Hands Down, die in Re:Sound ziemlich verrissen wurde. Doch eine positive Berichterstattung über Hands Down ist längst nicht die einzige Bedingung, die Nick stellt, um Zoë ein Interview mit Marcie zu verschaffen. Da spielt auch noch eine gescheiterte Sängerin namens Jess eine Rolle. Und die wiederum ist eine sehr gute Bekannte von Simon, Zoës bestem Freund aus Kindertagen. Schon als Jugendliche war Zoë in Simon verliebt, doch sie hat sich nie getraut, ihm ihre Gefühle zu offenbaren. Dann ist Simon weggezogen und hat eine andere geheiratet.

Nun ist Simon plötzlich zurück in London, frisch geschieden und Zoës Herz schlägt Purzelbäume. Mühelos knüpfen die beiden an die alte Vertrautheit aus Kindertagen an, doch kann da mehr zwischen ihnen entstehen als nur Freundschaft? Und was genau verbindet Simon eigentlich mit Jess? Kann Zoë ihre Eifersucht unterdrücken, um über Jess an Marcie heranzukommen? Und welches Spiel spielt eigentlich Nick Jones? So ganz nebenbei soll Zoë auch noch die Big Fat Greek Wedding ihres Bruders mit organisieren, was für weitere Turbulenzen in ihrem Leben sorgt.

Ich habe diesen Roman förmlich verschlungen! Immer wieder gibt es neue unerwartete Wendungen, komische und tragische Momente wechseln sich ab und jedes Kapitel ist mit einem passenden Musiktitel überschrieben. Aus Zoë bin ich nicht so ganz schlau geworden, denn einerseits ist sie die taffe Journalistin, die im Job energisch auftreten kann, bei Kollegen und Chef beliebt ist und einen guten Ruf in der Branche hat. Doch in Liebesdingen ist sie so unsicher wie ein Teenager, sie kann weder ihre eigenen Gefühle richtig deuten noch das Verhalten ihrer (männlichen) Mitmenschen richtig interpretieren. Da musste ich manches Mal schon etwas den Kopf schütteln über ihre Begriffsstutzigkeit. Dennoch war sie mir auf Anhieb sympathisch, ebenso wie die meisten anderen Figuren der Geschichte auch.

Ein wenig gerätselt habe ich über das Cover, denn weder ein Vogelkäfig noch Vogelgezwitscher spielen im Roman eine Rolle. Allerdings haut mich das Cover der englischen Originalausgabe, die unter dem Titel „Love Songs for Sceptics“ erschienen ist, auch nicht gerade vom Hocker, also sei’s drum. Alles in allem ist dieser Roman eine tolle Geschichte, die mit dem Musikbusiness und der Medienwelt in einer Umgebung spielt, die mich sehr interessiert hat. Ganz klare Leseempfehlung!