In uns der Ozean

Erstellt am 13.1.26. Kategorie: Buchrezensionen
„In uns der Ozean“
von Theresia Graw
Bewertung
★★★★★
Verlag Ullstein
Buchform gebunden, E-Book, Hörbuch
Erschienen Juli 2025
Seiten 384
Erhältlich beigenialokal.de

Dieses Buch stand bereits seit seinem Erscheinen im vergangenen Sommer auf meiner Wunschliste, doch irgendwie fehlte mir dafür leider immer die Zeit. Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober traf ich die Autorin endlich persönlich und bei dieser Gelegenheit bekam ich von ihr und dem Ullstein-Verlag das Buch als Rezensionsexemplar, wofür ich mich hiermit noch einmal ganz herzlich bedanken möchte.

Leider fehlte mir auch in der stressigen Vorweihnachtszeit die Zeit und Muße, um das Buch zu lesen, doch jetzt, nach den Feiertagen, bin ich endlich ganz in Ruhe dazu gekommen und konnte so richtig eintauchen in diese sehr intensive Geschichte.

Die Autorin erzählt darin die bewegende Lebensgeschichte der US-amerikanischen Biologin, Autorin und Umweltaktivistin Rachel Carson (1907-1964). Schon als Kind hatte Rachel sich für Natur und Umwelt interessiert und als erste in ihrer Familie ein Hochschulstudium begonnen, das sie aufgrund der schwierigen finanziellen Lage ihrer Familie jedoch nicht abschließen konnte. Stattdessen fand sie eine Anstellung im Fischereiministerium und begann, journalistische Texte über Fische, Fischfang und die Ozeane zu schreiben.

Diese Texte kamen so gut an, dass sie das Angebot erhielt, ein Buch zu schreiben, dem später weitere folgten. Dabei wurde vor allem Rachels Fähigkeit gerühmt, komplexe naturwissenschaftliche Fakten und Zusammenhänge so zu beschreiben, dass sie leicht verständlich waren, zudem erhielt sie viel Lob für ihre poetische Sprache, die ihre Sachbücher so unterhaltsam wie Romane machten. Dabei wurde ihre berufliche Karriere immer wieder von privaten Schicksalsschlägen überschattet.

Schon in den 1940er-Jahren wurde Rachel auf das Pestizid DDT aufmerksam, das von den US-Behörden großflächig zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurde. Dass neben Käfern auch andere Insekten, aber auch Vögel starben, dass Obstbäume nicht mehr von Bienen bestäubt wurden und sogar das amerikanische Wappentier, der Weißkopfseeadler, bedenklich in seiner Population bedroht war, wurde von den großen Chemiekonzernen ignoriert bzw. unter den Teppich gekehrt.

Rachel stellte Nachforschungen an und fand u.a. heraus, dass sich die US-Behörden komplett auf die Versprechungen der Chemiekonzerne verlassen und keinerlei eigene Toxizitätsprüfungen angestellt hatten. Rachels Recherchen mündeten schließlich in ihr wegweisendes Buch „Der stumme Frühling“, das schon vor Erscheinen für zahlreiche Kontroversen sorgte, letztlich aber maßgeblich dazu beitrug, dass DDT in weiten Teilen der Welt verboten wurde. Bis es soweit war, musste Rachel jedoch viele harte Kämpfe ausfechten – gegen die mächtige Chemielobby, gegen Vorurteile gegenüber Frauen (noch dazu alleinstehende!) und nicht zuletzt gegen ihren eigenen Körper.

Autorin Theresia Graw ist genau das gelungen, wofür auch Rachel Carson stets gerühmt wurde: Sie schaffte es, schwierige naturwissenschaftliche Themen so zu erzählen, dass sie leicht verständlich und nachvollziehbar sind. Ich muss gestehen, dass ich den Namen Rachel Carson vorher noch nie gehört hatte, wohl aber war mir natürlich DDT ein Begriff. Erschüttert hat mich bei der Lektüre nicht nur Rachels eigenes Schicksal, sondern auch die vielen Parallelen zur heutigen Zeit. Als Stichworte seien hier genannt: Glyphosat, Monsanto, genmanipuliertes Saatgut, Fake News, gezielte Desinformationskampagnen, Einfluss von Lobbyisten auf die Regierung … die Liste ließe sich noch lange so weiterführen. Dabei wuchs meine Hochachtung vor Rachel Carson immer mehr, die es in den 1950er-/60er-Jahren noch bedeutend schwerer hatte, als Frau gehört und ernst genommen zu werden, die sich davon aber nicht von ihrem Ziel abbringen ließ, die Menschheit vor den negativen Folgen der Umweltzerstörung zu warnen.

Ein zutiefst beeindruckendes Buch, von dem ich mir wünsche, dass es wirklich jede und jeder lesen sollte, um zu begreifen, dass Umwelt- und Klimaschutz letztlich Menschenschutz ist, denn ohne eine intakte Umwelt kann die Menschheit nicht überleben. Ganz, ganz große Leseempfehlung!

Ich bin sehr dankbar, dass ich mein Lesejahr 2026 mit so einem wichtigen Buch beginnen durfte. Besonders erwähnen möchte ich auch noch das wunderschöne Cover und die tolle Gestaltung des edlen strukturierten Schutzumschlages. Passend zur Geschichte wurde das Buch nachhaltig hergestellt, also mit Farben auf pflanzlicher Basis auf Papier aus nachhaltiger Waldwirtschaft gedruckt.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]

Mit Theresia Graw auf der Frankfurter Buchmesse 2025