Zwischen Gut und Böse

Erstellt am 28.3.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Zwischen Gut und Böse“
von Dora Heldt
Bewertung
★★★★★
Verlag dtv
Buchform Softcover, E-Book, Hörbuch
Erschienen März 2026
Seiten 368
Erhältlich beigenialokal.de

Endlich gibt es Neues von Dora Heldt! Nach einigen ganz wunderbaren Romanen, zuletzt „Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen“ 2024, hat sie nun wieder einen Krimi geschrieben. Dabei handelt es sich um den dritten (und laut Ankündigung letzten) Band einer Reihe rund um eine Gruppe von Hobby-Ermittlern im Rentenalter auf Sylt. Die ersten beiden Bände waren „Böse Leute“ 2016 und „Wir sind die Guten“ 2017. Nach fast zehn Jahren kommt nun also noch ein Nachfolgeband, aber keine Sorge: Auch ohne Kenntnis der Vorgänger kommt man hier problemlos mit.

Hauptfigur ist Karl Sönnigsen, pensionierter Polizeichef von Sylt. Der Ruhestand bekommt ihm nicht gut, seine Frau und seine Freunde widmen sich ihren Hobbys, er aber langweilt sich – und kämpft weiter für Recht und Ordnung auf der Insel. So fällt ihm eines Tages ein quietschgelber SUV auf, der rücksichtslos gleich mehrere Parkplätze blockiert, sowas geht doch nicht! Als die beiden Fahrer, offenbar zwei verwöhnte Schnösel, die ihren Urlaub in Papas Luxus-Villa verbringen, auch noch eine dunkelhäutige Verkäuferin in Karls Beisein rassistisch beleidigen, hat Karl die beiden endgültig auf dem Kieker. Und dann ist da auch noch ein totes Schaf, von einem rabiaten Autofahrer über den Haufen gefahren – für Karl ist klar, wer die Schuldigen sind!

Doch leider sieht die Sylter Polizei das anders. Karls Nachfolger als Polizeichef ist genervt von seinem Vorgänger, der ständig im Revier auftaucht und vermeintliche Bagatellen anzeigt. Die Anzeige wegen Mord an einem Schaf sorgt daher auch nur für Stöhnen und Augenrollen. Also muss Karl die Sache selbst in die Hand nehmen! Unterstützung erhält er dabei von seinen Freunden Onno, Inge und Charlotte, die sich mit Begeisterung wieder in die – vermeintlich harmlose – Detektivarbeit stürzen.

Doch dann nimmt die Sache eine dramatische Wendung. Dabei geht es um eine Hausverwaltung, die die Sylter Ferienhäuser reicher Auswärtiger betreut, um eine junge Frau, die Opfer der oben erwähnten verzogenen Rich Kids wird, und außerdem fließen in die Handlung aktuelle Sylter Probleme ein, wie etwa die akute Wohnungsnot von Einheimischen, die sich ihre eigene Insel nicht mehr leisten können. Als die Sylter Polizei dann einen Hausmeister verdächtigt, von dessen Unschuld Karl und seine Freunde überzeugt sind, spitzt sich die Lage zu. Und letztlich muss auch Karl erkennen, dass es gar nicht immer so einfach ist, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Gerade nach meiner letzten Lektüre, einem eher enttäuschenden historischen Krimi, war diese Geschichte eine wohltuende Abwechslung! Ich habe das Buch kaum noch weglegen können und es folglich in zwei Tagen ausgelesen. Die Handlung ist sowohl spannend als auch amüsant, hält einige dramatische Wendungen parat und ich liebe die Protagonisten mit all ihren Eigenheiten und Macken. Vor allem Karl habe ich ins Herz geschlossen und ich konnte ihn so gut verstehen, wenn er sich über Leute aufgeregt hat, die meinen, mit Geld könne man alles kaufen und müsse dafür nicht einmal bitte oder danke sagen, da geht mir nämlich auch die Hutschnut hoch: Gutes Benehmen ist keine Frage des Geldbeutels, sondern des Anstands und des Respekts! Insofern konnte ich Karls Zorn gut nachfühlen, auch wenn er dabei oft übers Ziel hinaus geschossen ist, aber gerade diese kleinen Fehler und Macken machen ihn und die anderen Figuren ja so liebenswert.

Fazit: Absolut lesenswert! Und ich bin ein wenig traurig, dass dies nun wirklich der letzte Fall für Karl Sönnigsen und seine Freunde gewesen sein soll. Aber vielleicht überlegt Dora Heldt es sich ja noch einmal und lässt einen vierten Band folgen. Ich würde mich freuen.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]