Eine Liebe ohne Sommer

Erstellt am 23.5.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Eine Liebe ohne Sommer“
von Timothy Paul
Bewertung
★★★★★
Verlag Rowohlt
Buchform Hardcover, E-Book
Erschienen Mai 2026
Seiten 464
Erhältlich beigenialokal.de

Timothy Paul Sonderhüsken habe ich vor über einem Jahrzehnt kennengelernt, als er noch Programmleiter beim E-Book-Verlag dotbooks war. Damals postete er auf Facebook regelmäßig amüsante Anekdoten aus dem Verlagsalltag und ich erinnere mich, dass ich schon damals kommentiert habe, er soll doch mal ein Buch schreiben, weil ich seine Facebook-Beiträge immer so gerne gelesen habe.

Viele Jahre und berufliche Stationen später hat er es tatsächlich getan: „Eine Liebe ohne Sommer“ ist sein erster eigener Roman – und was für einer! Selten habe ich einen Liebesroman mit einer so ungewöhnlichen, berührenden Geschichte gelesen wie diesen. Es geht darin um Rosa, 35, die sich in Nikolas verliebt, den Sohn ihrer Nachbarin. Zwischen den beiden funkt es sofort, Nikolas ist charmant, witzig, oftmals eine Spur zu wagemutig … und manchmal sehr verschlossen. Bei aller Verliebtheit spürt Rosa, dass Nikolas sich ihr nicht ganz öffnet. Er erzählt quasi nichts aus seiner Vergangenheit und seine Freunde, von denen sie weiß, dass es sie gibt, hat sie bislang nicht kennengelernt.

Drei Monate sind Rosa und Nikolas zusammen, als er tödlich verunglückt. Und während Rosas Freunde und Familie meinen, sie müsse untröstlich sein vor lauter Trauer, toben in Rosa ganz andere, sehr widersprüchliche Gefühle: Es war eine Liebe, ja, aber hätte sie auf Dauer das Zeug zur ganz großen Liebe gehabt? Was hat Nikolas ihr verheimlicht? Warum konnte er ihr nicht ganz vertrauen? War er überhaupt der Mensch, den sie kennengelernt hat, oder vielleicht doch ein ganz anderer?

Nach einer sehr seltsamen Trauerfeier, die Nikolas‘ Mutter organisiert hat und bei der seine Freunde fehlten, beginnt Rosa, Nachforschungen anzustellen. Da Nikolas‘ Mutter mauert, gleichzeitig aber auf sehr übergriffige Weise so tut, als sei Rosa mindestens schon mit Nikolas verlobt gewesen, versucht Rosa auf anderen Wegen, Nikolas‘ Leben zu ergründen. So trifft sie eine seiner Verflossenen und seinen besten Freund, der Rosa gegenüber erstaunlich feindselig eingestellt ist. Viele Fragezeichen wirft die Begegnung mit einem sehr ungestümen Kind auf und wer ist eigentlich der Mann, der abends an Nikolas‘ Grab Oboe spielt?

In die Geschichte von Rosas Nachforschungen sind immer wieder Kapitel mit Rückblenden eingestreut, Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit mit Nikolas. So formt sich ganz allmählich ein neues, überraschendes und sehr berührendes Bild des Mannes, der ihre große Liebe hätte werden können. Trauer, Schmerz, aber auch Hoffnung und Zuneigung (zu ganz unterschiedlichen Menschen) liegen in dieser Geschichte ganz nah beieinander.

Wow! Wie eingangs schon geschrieben, habe ich schon lange keine Liebesgeschichte mehr gelesen, die ich so bewegend, so anrührend fand. Einfühlsam erzählt, mit viel Humor und ganz wunderbaren Figuren, konnte ich das Buch kaum mehr weglegen – und selbst wenn, dann hat mich die Geschichte in Gedanken weiter beschäftigt. Ich habe gelacht, geweint, gebangt, gehofft und mich mitgefreut. Ein ganz großartiges Buch, das ich jede*r Leser*in ganz dringend ans Herz legen möchte. Ein extra Lob auch noch für das Cover, das eine Szene aus dem Buch ganz wunderbar umgesetzt hat.

Timothy Paul Sonderhüsken hat sich nach vielen Stationen als Lektor, Programm- und Verlagsleiter bei namhaften Buchverlagen im Sommer 2025 selbstständig gemacht. Er berät Autor*innen und Verlage, schreibt und „wirft Konfetti für Bücher und die Branche“, so seine Formulierung, unter anderem auf seinem Buchblog Rababumm und auf Instagram.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]