Tomatidin

Erstellt am 20.1.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Tomatidin“
von Michael J. Scheidle
Bewertung
★★★★☆
Verlag Einhorn
Buchform kartoniert
Erschienen März 2022
Seiten 180
Erhältlich beiAP Buch Baldham

Auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Oktober habe ich nicht nur Autorin Theresia Graw getroffen (siehe vorherige Rezension), sondern mit Elizabeth Horn auch eine weitere von mir sehr geschätzte Autorin. Wir hatten uns am Stand der Krimivereinigung Syndikat auf einen Kaffee verabredet. Dort stießen wir auch auf den Krimiautor Michael J. Scheidle, der sich uns spontan anschloss. Wir verbrachten zu dritt eine äußerst angenehme und unterhaltsame Stunde im Messetrubel. Später kontaktierte mich Scheidle und fragte an, ob ich nicht Lust hätte, seinen Debütkrimi „Tomatidin“ zu lesen und zu rezensieren. Der Klappentext klang vielversprechend, also sagte ich gerne zu.

In der Geschichte geht es um den früheren Anwalt Otto Meisner, der sich im Ruhestand langweilt. Als Silke Sternheimer ihn bittet, herauszufinden, ob sie von ihrem Mann betrogen wird, nimmt er diesen Auftrag gerne an. Doch als er sich mit Torsten Sternheimer in dessen Büro trifft, bricht dieser plötzlich tot zusammen. Der herbeigerufene Notarzt hat Zweifel an einer natürlichen Todesursache, also werden Kommissarin Rita Schmölz und ihr tollpatschiger Assistent Jan Trupp hinzugerufen.

Leider ist Trupp nicht nur tollpatschig, sondern dabei auch übereifrig und vorschnell, so dass er die Arbeit seiner Vorgesetzten eher behindert als unterstützt. Also beginnt Meisner, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei drängen sich immer mehr Parallelen zu einem seiner früheren Fälle als Anwalt auf, bei dem Tomatidin, eine chemische Verbindung, eine wichtige Rolle spielte.

Es handelt sich hier um einen soliden Krimi, der jedoch deutlich mehr Slapstick als Spannung zu bieten hat. Dafür sorgt in erster Linie Jan Trupp, der von einer unmöglichen Situation in die nächste schlittert und im wahren Leben als Kriminalpolizist längst suspendiert worden wäre. Leider etwas ausufernd fand ich die sehr ausführlichen Beschreibungen von Räumen und Landschaften. Es ist z.B. völlig unerheblich für die Geschichte, aus welchem Holz die Bürotür der Kommissarin ist und ob sie im oberen Drittel ein Sichtfenster hat oder nicht. Hier hätte man meines Erachtens deutlich straffen können. Schön fand ich hingegen die Ausflüge ins Privatleben der Kommissarin und des Ex-Anwalts.

Was mich anfangs massiv gestört, später aber zunehmend amüsiert hat, waren die fantasievollen Farbnamen, die in der Geschichte vorkommen. Der Autor beschränkt sich nicht darauf, einer Person eine rote Hose und ein graues Oberteil zu verpassen, nein, die Farben müssen schon genauer definiert werden – leider aber mit Begriffen, unter denen ich mir oft nur wenig vorstellen konnte. Auswahl gefällig? Ambragrau, sultanrot, bengalblau, akaziengelb, basaltblau, efeugrün, patentgrün, lakritzschwarz, naphtolschwarz, verkehrsrot, glockenblumenblau, mayablau, titanweiß, albinoweiß … allein auf den ersten 36 Seiten kommen alle diese Begriffe vor und es geht das ganze Buch über im gleichen Stil weiter, was ich wie erwähnt zuerst nervig, dann aber eher lustig fand.

Fazit: Schnell und leicht zu lesende amüsante Lektüre für zwischendurch.

Leider ist der Krimi im Buchhandel nicht mehr überall erhältlich, bei unser Buchhandlung vor Ort (siehe link oben) kann man ihn aber noch bestellen. Wer sich mit dem durchaus amüsanten Schreibstil des Autors erst noch ein wenig vertraut machen möchte, dem empfehle ich einen Blick auf seinen Blog, wo er viele Alltagsbetrachtungen und Kurzgeschichten zum Besten gibt.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]