| „Morgensonnenglück“ | |
| von Petra Schier | |
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Bewertung
★★★★★
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| Verlag | Harper Collins |
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| Buchform | Softcover, E-Book |
| Erschienen | Januar 2026 |
| Seiten | 368 |
| Erhältlich bei | genialokal.de |
Dieser Roman spielt in einem fiktiven Ort in der Eifel und handelt von vier Generationen und ihren Konflikten miteinander: In einem historischen Gutshof leben Milton und Maria. Die rufen nun ihre weit verstreut lebenden Nachfahren zu sich, um mit ihnen über die Zukunft des Guts zu sprechen: ihre Tochter Violet, deren Zwillingstöchter Holly und Ivy, Ivys Tochter Rose sowie Lilly, Violets dritte Tochter, die Halbschwester von Holly und Ivy.
In dieser Familie ist nicht alles so ganz geradlinig verlaufen. Jedenfalls hat Violet schon als junge Frau ihre Heimat verlassen und sich in den USA ein neues Leben aufgebaut, ihre Töchter Holly und Ivy sind bei den Großeltern aufgewachsen und hatten kaum noch Kontakt zu Violet. Ihre jüngere Halbschwester Lilly kennen sie gar nicht. Und auch Ivy hat schon früh gegen ihre Großeltern rebelliert und ihnen schließlich den Rücken gekehrt.
Nun eröffnen Milton und Maria ihrer Nachkommenschaft, dass sie selbst sich aus der Arbeit auf dem Gut zurückziehen wollen, für die nachfolgenden Generationen aber bereits sehr genaue Vorstellungen davon haben, wie diese sich in Zukunft in einem gemeinsamen Projekt einbringen können, um das Gut in der Familie zu halten. Bei den Frauen sorgt diese Eröffnung für sehr gemischte Gefühle. Einerseits haben die Großeltern gewissermaßen den Nagel auf den Kopf getroffen, weil sie für jede der Frauen Pläne geschmiedet haben, die es ihnen ermöglichen würden, endlich ihre eigenen Träume zu verwirklichen. Jede der Frauen ist nämlich in ihrem derzeitigen Leben aus diversen Gründen gerade unzufrieden und sehnt sich nach Veränderung.
Andererseits geht allen Frauen diese Vereinnahmung durch ihre (Groß-) Eltern gehörig gegen den Strich. Denn genau diese manipulative Art war es schließlich, die sie alle früh aus ihrer Heimat vertrieben hat. Nach und nach kommen einige Geheimnisse ans Licht und offenbaren, wie sehr Milton und Maria sich in das Leben ihrer Nachkommen eingemischt haben und wie übergriffig sie dabei waren. Zwar wollten sie dabei stets nur das Beste für ihre Kinder, doch sind sie dabei deutlich übers Ziel hinaus geschossen. Können Violet, Holly und Ivy ihnen verzeihen? Können Violet und ihre beiden älteren Töchter sich wieder annähern? Kann unter diesen Umständen das gemeinsame Projekt überhaupt gelingen oder ist es von vorneherein zum Scheitern verurteilt?
Der Roman ist vorrangig aus der Sicht von Holly geschrieben, wenngleich auch andere Figuren zu Wort kommen. Holly war stets die Brave, Angepasste, diejenige, die versucht hat, zwischen ihrer rebellischen Zwillingsschwester Ivy und ihren Großeltern zu vermitteln. Umso härter trifft gerade sie die Erkenntnis, dass auch sie über viele Jahre manipuliert wurde und ihr Leben bestimmt war von Täuschungen.
Ich selbst wäre vermutlich nicht so leicht bereit gewesen, den Großeltern zu verzeihen, hätte es wohl so gehalten wie Ivy und Violet und hätte den Kontakt weitestgehend abgebrochen, egal wie gut gemeint die Motive der Großeltern letztendlich waren. Es geht dabei viel um missbrauchtes Vertrauen, um Lügen und Missverständisse, doch auch die Liebe kommt dabei nicht zu kurz.
Das alles spielt in einem wunderbaren Setting rund um den fiktiven Ort Lissenborn. Der ist so anschaulich beschrieben, dass ich sofort Lust bekam, durch die mittelalterlichen Gassen zu wandern, im Café einzukehren, in den Geschäften zu stöbern und mit den Einheimischen zu ratschen.
Das Ende der Geschichte bleibt ein Stück weit offen, so dass ich mir eine Fortsetzung des Romans sehr gut vorstellen kann. Insgesamt eine sehr schöne, warmherzige Lektüre, die auch von der Jahreszeit her, in der die Handlung angesiedelt ist, sehr gut in diesen Vorfrühling passt.
[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]


