Frühling in Paris

Erstellt am 9.2.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Frühling in Paris“
von Fiona Blum
Bewertung
★★★★★
Verlag Goldmann
Buchform gebunden, eBook
Erschienen April 2017
Seiten 288
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Frühling… Zeit des Aufbruchs, des Neuanfangs. Die ideale Jahreszeit also auch für die junge Louise, um von London nach Paris zu reisen, nachdem sie erfahren hat, dass sie von ihrer Tante eine Wohnung und eine Bäckerei in der Rue d’Estelle geerbt hat. Bisher hat Louise mehr oder weniger von einem Tag zum anderen gelebt, ohne Plan oder großen Lebenstraum. Sie hat Gelegenheitsjobs angenommen, viele Projekte angefangen und ebenso viele wieder aufgegeben. Soll nun ausgerechnet eine Bäckerei in Paris ihr neuer Lebensinhalt werden? Ihre Mutter und ihre beste Freundin sind da mehr als skeptisch, Louise aber stürzt sich mit der ihr eigenen Unbekümmertheit in das Abenteuer. Bald kommt ihr die Idee, die Bäckerei in ein Café zu verwandeln. Allerdings müsste man dafür erst einmal backen können…

Louises Auftauchen und ihre offene, erfrischende Art haben Auswirkungen auf die übrigen Bewohner des Hauses: Da ist Nicolas, der traurige Clown. Nach einer lieblosen Kindheit kam er mit 16 Jahren zum Circus, nun verdient er seinen Lebensunterhalt als Straßenkünstler. Doch nachdem er Augenzeuge der schrecklichen Terroranschläge von Paris wurde, hat er den Glauben an sich selbst und daran, andere Leute zum Lachen bringen zu können, verloren. Am liebsten würde er sich für immer in seinem Schrankkoffer verkriechen.

Dann ist da Camille, Primaballerina an der Pariser Oper, die nach einer Verletzung ihren Lebenstraum aufgeben muss. Anders als Louise hat sie seit ihrer Kindheit nur für ihren großen Traum, das Tanzen, gelebt und sieht sich nun ihres kompletten Lebensinhaltes beraubt. Und außerdem sind da noch Isaac, ein alter russischer Jude, der dank Louise neuen Lebensmut fasst und es endlich wagt, einen langgehegten Traum wahr werden zu lassen, und Paulette, die beste Freundin von Louises verstorbener Tante, die im Hintergrund die Fäden zieht.

Anders als der Buchtitel vielleicht vermuten lässt, handelt es sich hier nicht um einen kitschigen Liebesroman, sondern vielmehr um eine leise, sehr einfühlsam erzählte Geschichte um verlorene und nie geträumte Träume, um Neuanfänge, Ängste und deren Überwindung. Der Roman ist ganz zart und leicht erzählt und hat so viel typisch französischen Charme und Pariser Flair, dass man kaum glauben mag, dass es sich bei der Autorin um eine g’standene Bayerin handelt. Ich jedenfalls sah mich selbst durch die Pariser Straßen flanieren, im Straßencafé sitzen und Erinnerungen an meinen einzigen Paris-Urlaub, der immerhin fast 30 Jahre her ist, wurden wach. Am Ende ließ mich die Lektüre mit einem sehr zufriedenen und optimistischen Grundgefühl zurück und dieses schöne Gefühl wirkte noch lange Zeit nach. Deshalb gibt es von mir eine ganz klare Leseempfehlung für diesen schönen Roman – und zwar zu jeder Jahreszeit!

Übrigens: Aufmerksam wurde ich auf diesen Roman und seine Autorin beim Lesefestival Lit.Love im vergangenen Herbst.

 

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