Ein süßes Stück vom Glück

Erstellt am 15.6.16. Kategorie: Buchrezensionen

„Ein süßes Stück vom Glück“
von Laura Florand
Bewertung
★★★☆☆
Verlag Bastei Lübbe
Buchform eBook
Erschienen 2013
Seiten 349
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten
Warnung: Dieses Buch hat akute Nebenwirkungen in Form von Heißhunger und erhöhter Kalorienzufuhr!!!

 

Wer gerne Schokolade isst, der ist hier richtig, denn in diesem Buch gibt es praktisch keine Seite, auf der nicht wenigstens eines der Wörter Schokolade, Praline, Schokoriegel, Kakao, Zimt, Aroma, Geschmack oder Genuss erwähnt wird. Kein Wunder, dass man diesen Roman im wahrsten Sinne des Wortes regelrecht verschlingt.

Cade Corey ist die milliardenschwere Erbin des Großkonzerns Corey Chocolates aus dem Örtchen Corey in Maryland/USA. Die Firma stellt preisgünstige Schokolade für den amerikanischen Massenmarkt her, Verkaufsschlager ist der Corey-Riegel, den es für 33 Cent an jeder Supermarktkasse der USA zu kaufen gibt. Cade ist als Chefin des Konzerns verantwortlich für Tausende von Mitarbeitern und deren Familien in der Kleinstadt Corey (die mich übrigens sehr an die reale Stadt Hershey, Sitz von Hershey Chocolates, erinnert, die wir auf unserer USA-Reise besucht haben) und in all den Orten weltweit, wo der Konzern seine Zulieferbetriebe hat.

Doch Cade hat einen Traum: Sie reist nach Paris und besucht dort den besten Chocolatier der Stadt, Sylvain Marquis, um ihn für eine Kooperation zu gewinnen, denn sie möchte Corey Chocolates gerne um eine Luxus-Schiene erweitern. Sylvain jedoch weist sie empört zurück: Sein guter Name auf einer Billigschokolade, die ihren Namen kaum verdient? Für kein Geld der Welt würde er sich darauf einlassen! Und genau wie er denken auch die anderen Chocolatiers der Stadt, die ihre Schokolade allesamt für die beste auf dem ganzen Erdball halten und über Corey Chocolates nur indigniert die Nase rümpfen.

Aber inzwischen hat sich Cade längst verliebt in das „Laboratoire“, in dem Sylvain Marquis seine Schokoladen kreiert. Der Duft, die verschiedenen Aromen, die edlen Zutaten und natürlich der zart-schmelzende Geschmack lassen sie einfach nicht mehr los. Um jeden Preis der Welt will sie Sylvains Rezepte haben, also bricht sie nachts in sein Laboratoire ein, doch statt nach den geheimen Rezepten zu suchen, ertappt sie sich selbst beim Naschen der Pralinen und dabei, die Kakaobohnen durch ihre Hände rieseln zu lassen. Sie ist so gefangen von diesem sinnlichen Gefühl, dass sie alles um sich herum vergisst. In der nächsten Nacht kommt sie wieder – und beginnt, ihre eigene Schokoladenkreation mit den vorhandenen Zutaten herzustellen.

Natürlich bleibt ihr Einbruch nicht unbemerkt. Sylvain hat Cade sofort in Verdacht und irgendwie imponiert ihm ihre Leidenschaft für seine Schokolade. Doch auch Christophe, ein Foodblogger, der sich an Sylvains Fersen geheftet hat, bekommt Wind von der Schokoladendiebin, schreibt darüber und setzt damit eine Lawine in Gang, denn die Story um die diebische Milliardenerbin erreicht schließlich sogar die New York Times, woraufhin Cades Vater empört von ihr verlangt, sofort in die USA zurückzukehren, um weiteren Schaden von der Firma abzuwenden.

Doch Cade will noch nicht zurück nach Amerika. Vielmehr zieht es sie unwiderstehlich zu Sylvains Laden hin und auch zu ihm selbst. Als er sie bei ihrem dritten Einbruch in flagranti ertappt, kommt es zu einer leidenschaftlichen Affäre – doch kann jemals mehr daraus werden als eine heimliche amour fou? Schließlich kann Cade nicht einfach ihre Firma in Stich lassen und fortan nur noch gemeinsam mit Sylvain feinste Pralinen in Handarbeit herstellen, dazu ist ihre Verantwortung zu groß. Doch schließlich kommt der Moment, an dem sie sich entscheiden muss: Für ihre Familie und ihre Firma in den USA oder für Paris und die Liebe.

Der Roman macht von der ersten Seite an Lust auf mehr – mehr Buch und mehr Schokolade. Es empfiehlt sich daher dringend, den Roman nur mit frisch gefülltem Magen zu lesen, sonst greift man nebenbei unweigerlich immer wieder zur Pralinenschachtel, die man sich dank dieser Lektüre gerade erst bei der nächstbesten teuren Confiserie geleistet hat. Für diesen Umstand muss ich bei der Bewertung des Romans leider einen Punkt abziehen 😉

Einen weiteren kleinen Punktabzug gibt es, weil Cade und Sylvain für meinen Geschmack viel zu lange und zu kompliziert herumeiern. Dieses ständige „Was denkt er, was ich denken könnte“ ging mir beim Lesen irgendwann gewaltig auf die Nerven und ich dachte mir so manches Mal: „Mensch, könnt ihr nicht einfach mal miteinander reden statt dauernd nur übereinander zu spekulieren?“ Dennoch war dies alles in allem eine äußerst unterhaltsame Geschichte von einer Autorin, die selbst abwechselnd in Paris und in den USA lebt und noch weitere Romane rund um süße Genüsse geschrieben hat.