Kamasutra in Unterfilzbach

Erstellt am 18.7.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Kamasutra in Unterfilzbach“
von Eva Adam
Bewertung
★★★★☆
Verlag Luzifer-Verlag
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Juli 2018
Seiten 287 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht Hansi Scharnagl, Mitarbeiter im Bauhof der Gemeinde Unterfilzbach, irgendwo tief im Bayerischen Wald. Eigentlich ist Unterfilzbach ein beschaulicher Ort, doch das ändert sich, als Hansi beim Schneeräumen mit dem „Snow Magic Hero 1000“ zufällig einen Toten entdeckt. Die Polizei geht schnell von einem Unfall aus: Vermutlich ist der Apotheker im Schnee ausgerutscht und unglücklich gefallen. Hansi hat da so seine Zweifel und die verstärken sich noch, als es einige Zeit darauf einen zweiten Todesfall gibt. Diesmal erwischt es die Metzgereifachverkäuferin Sandra, die im Kühlraum der Metzgerei erfriert. Wieder nur ein Unfall, weil die Türentriegelung defekt war? Oder doch ein Mord?

Hansi und sein bester Kumpel Sepp beginnen zu ermitteln. Da trifft es sich gut, dass Hansis Frau Bettina an der Kasse des örtlichen Supermarktes sitzt und seine Tochter Isabelle im Friseursalon arbeitet – gemeinsam mit dem Bauhof sind somit die drei wichtigsten Umschlagplätze für den lokalen Klatsch und Tratsch vereint. So erfahren die Bauhof-Ermittler auch recht schnell, dass Sandra gleich mehrere Liebhaber hatte und dass die Apothekerwitwe sich sehr zügig mit dem Amberger Loisl getröstet hat – der nennt sich allerdings lieber Ashanti und seine Kurse für Yoga, Reiki, Meditation und neuerdings auch Kamasutra erfreuen sich bei der Unterfilzbacher Damenwelt zunehmender Beliebtheit.

Verdächtige gibt es also so einige, von Ashanti bis hin zur Metzgersgattin, doch die entscheidende heiße Spur findet Hansi erst, als er mit seinem Chef zur Begutachtung des neuen „Snow Magic Hero 2000“ zur tschechischen Grenze aufbricht und dabei unfreiwillig in der „Villa Ludmilla“ landet. Auf dem Bauhof von Unterfilzbach kommt es schließlich zum Show-down.

Die Geschichte liest sich sehr flüssig und ist so unterhaltsam und witzig geschrieben, dass ich sie innerhalb von zwei Tagen ausgelesen habe. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um ein episches Meisterwerk mit Tiefgang, aber auf jeden Fall um sehr solide Unterhaltung mit bayerischem Einschlag, die sicher auch von Lesern jenseits des Weißwurstäquators hervorragend verstanden wird. Und die Lösung des Kriminalfalls kam für mich tatsächlich überraschend. Bestens amüsiert habe ich mich über so manche Szene, die mit dem eigentlichen Fall nur am Rande zu tun hatte. So kommen Magic Mushrooms ebenso zum Einsatz wie Helene Fischer, reflektierendes Zitronengelb und verschiedene Fahrzeuge des Bauhofs mit so wunderbaren Namen wie „Turbo-Laub-Master-Blaster 5000“, „Graskiller 4.0“ oder „Rasen-Nanny 2.“

Überhaupt fand ich die Idee, den Protagonisten im Bauhof arbeiten zu lassen, sehr charmant, das ist mal etwas ganz anderes als die üblichen Ermittler, die ja doch zumeist Polizisten, Privatdetektive oder Reporter sind. Ich hatte beim Lesen immer ein sehr deutliches Bild vor Augen, schließlich hat auch meine Heimatgemeinde, wie jede andere Kommune auch, ihren Bauhof mitsamt seinen orangegelben Fahrzeugen, die sommers wie winters auf unseren Straßen unterwegs sind.

Fazit: Fans von Regionalkrimis, insbesondere denen von Rita Falk, dürften hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen und sich bei der Lektüre bestens unterhalten.