lit.Love 2018 – Tag 1

Erstellt am 14.11.18. Kategorie: Dies & Das

Diesmal dauerte die Phase der Vorfreude besonders lang: Als ich im März (!) die Mitteilung bekam, dass im November wieder das Lesefestival lit.Love der Verlagsgruppe Random House stattfinden würde, gab es für mich kein Halten mehr. Schließlich war ich schon in den Vorjahren begeisterte Besucherin dieser wunderbaren Veranstaltung, die noch dazu praktischerweise direkt vor meiner Haustür stattfindet. Ich kaufte also schon im Frühjahr mein Wochenendticket und nervte in den kommenden Monaten meine Familie, indem ich immer wieder fragte: „Hab ich heute eigentlich schon mal erwähnt, wie sehr ich mich auf die lit.Love freue?“

Die Vorfreude stieg, je mehr Namen von Autorinnen durchsickerten, die dieses Jahr auf der lit.Love zu Gast sein würden. Und auch viele liebe Bloggerinnen, die ich im vergangenen Jahr kennengelernt hatte, hatten auch für 2018 wieder ihr Kommen angekündigt. Und dann war es endlich soweit: An einem nebligen Morgen stieg ich ins Auto, um kurz nach 9 Uhr in der Neumarkter Straße in München einzutreffen. Offizieller Beginn der Veranstaltungen war um 10 Uhr, aber ich war beileibe nicht die Erste, die dem Verlagsgebäude entgegen strebte. Gleich am Eingang bekamen die Besucher eine knallpinke, bis zum Rand gefüllte Goodie Bag überreicht – vielen Dank dafür!

Bloggerlounge mit Sylvia Lott und Anna Paulsen

Im Foyer stieß ich gleich als Erstes auf eine meiner Lieblingsautorinnen: Sylvia Lott. Ich hatte mich riesig darauf gefreut, die Autorin nun endlich mal persönlich kennenzulernen. Da traf es sich natürlich hervorragend, dass für mich gleich der erste Programmpunkt die Bloggerlounge mit Sylvia Lott und Anna Paulsen war. Auf dem Weg zum Wintergarten, wo die Bloggerlounges an diesem Wochenende stattfanden, traf ich auch Betti Dworatzek von luckyside, die ich im vergangenen Jahr kennengelernt hatte. Wir freuten uns sehr über unser Wiedersehen. Auch unter den übrigen Bloggerinnen entdeckte ich einige bekannte Gesichter. Insgesamt waren wir sieben Bloggerinnen, die sich mit den zwei Autorinnen in eine Art Stuhlkreis setzten und reihum ihre Fragen stellten. Dabei erfuhr ich zum Beispiel, dass Anna Paulsen in Wirklichkeit Heike Abidi heißt. Die Romane, die sie als Anna Paulsen geschrieben hat, nämlich „Liebe M.“ und „Wirf Dein Herz voraus und spring hinterher“, kenne ich zwar noch nicht, aber sie klingen beide sehr interessant. In letzterem geht es um eine Frau, die extrem übervorsichtig lebt und jedes Risiko vermeidet, bis einige unerwartete Ereignisse ihr Leben komplett auf den Kopf stellen. Anna Paulsen, die ihre Protagonistin liebevoll „Angsthasenfrau“ nennt, verriet ihr persönliches Lebensmotto: „Gerate nie zu früh in Panik“ – guter Spruch! Der Vorgängerroman „Liebe M.“ spielt im Marburger Amt für unzustellbare Briefe, das es tatsächlich gibt. Schreibt Anna Paulsen denn selber noch Briefe? Früher habe sie viele Brieffreunde gehabt, erzählte sie. Und es gibt da einen Running Gag in ihrer Familie: Eine indische Brieffreundin habe ihr vor vielen Jahren einmal einen Kaftan schicken wollen, der aber leider nie angekommen ist. Wenn heute der Postbote klingelt, heißt es daher stets: „Der Kaftan kommt!“

Sylvia Lott, von der ich u.a. die Romane „Die Glücksbäckerin von Long Island“, „Die Fliederinsel“ und „Die Inselgärtnerin“ verschlungen habe, erläuterte, dass ihre Geschichten meist über drei Generationen erzählt werden und sie somit fast zwangsläufig auch auf das Thema Zweiter Weltkrieg kommt. Außerdem sei es ihr ein großes Anliegen, die moralisch-psychologischen Konflikte darzustellen, die so viele Menschen in dieser Zeit ausfechten mussten. Nicht ganz so dramatisch sind die Geschehnisse in ihrem Roman „Die Inselgärtnerin“, in dem die frühere Reisejournalistin auf Erlebnisse aus ihren Florida-Reisen zurückgreift. Sie hat zwar viele Bücher über die Flora und Fauna Floridas gelesen, die im Buch beschriebenen naturnahen Dünengärten sind jedoch ihrer Fantasie entsprungen – schade eigentlich.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Leben der beiden Autorinnen aus, haben sie Schreibrituale? Anna Paulsen arbeitet weiterhin als Werbetexterin und zwar am selben Schreibtisch wie als Schriftstellerin. Sie teilt sich ihre Zeit deshalb genau ein und plant exakt, wieviel sie wann schaffen muss. Allerdings nutzt sie den Schreibtisch eher zum Plotten, fürs Lektorat oder um Exposés zu schreiben. Das eigentliche Schreiben erledigt sie oft abends vor dem Fernseher: „Fußballübertragungen eignen sich da besonders gut.“ Sylvia Lott dreht nach dem Aufstehen am liebsten eine Runde auf dem Rad an der Alster, bevor sie frühstückt, die Zeitung liest und sich ihren Social Media-Aktivitäten widmet. Gegen Mittag startet sie mit dem Schreiben, was dann bis zum frühen Abend dauert. Am späten Abend legt sie oft noch eine weitere Schicht ein und auch sie teilt sich ihre Arbeit genau ein, um möglichst zwei Wochen vor dem Abgabetermin fertig zu sein.

Haben die beiden Autorinnen denn eigentlich noch Zeit, um selber zu lesen? „Viel zu wenig“, bedauerte Sylvia Lott und verriet, dass es ihr Traum sei, zwei Monate auf einer einsamen Insel zu verbringen und nur zu lesen. Anna Paulsen „erledigt“ das Lesen vor allem in der Phase zwischen zwei Buchaufträgen oder im Urlaub. So hat sie heuer innerhalb von zwei Urlaubswochen zehn Bücher gelesen – Respekt!

Die Stunde verging wie im Flug und am Ende blieb kaum noch Zeit, um ein paar Fotos zu machen. Vielen Dank an dieser Stelle an die nette Mitarbeiterin von Random House für das Gruppenfoto:

Talk mit Sophie Kinsella, Gespräche im Foyer und Lesung mit Michel Birbaek

Als wir aus der Bloggerlounge kamen, begrüßten auf der großen Bühne bereits die lit.Love-Organisatorinnen das Publikum. Direkt danach begann dort der Talk mit Bestsellerautorin Sophie Kinsella, moderiert von Anouk Schollähn, die ich schon von den vergangenen lit.Loves kannte. Eine Weile hörte ich interessiert zu, doch dann zog es mich ins Foyer, wo ich völlig unverhofft auf die liebe Nicole Walter und ihren Mann traf. Wir hatten uns erst eine Woche zuvor zum Kaffee getroffen, dabei hatte sie kein Wort davon erwähnt, dass auch sie die lit.Love besuchen würde. Allerdings blieb sie leider auch nicht lange, doch die Zeit reichte für einen kurzen Ratsch, zu dem sich dann auch die Autorin Lilly Beck gesellte, die im vergangenen Jahr auf der lit.Love gelesen hatte und nun wie die übrigen Autorinnen der früheren lit.Loves wieder eingeladen worden war. So verging die Zeit im Nu und es wurde Zeit für mich, in den Saal „Golden Wings“ zu gehen, wo der einzige männliche Autor dieser Veranstaltung, Michel Birbaek, lesen sollte. Von seinem Roman „Das schönste Mädchen der Welt“ habe ich bisher nur die Leseprobe gelesen, aber die hat mich schon sehr neugierig gemacht: Es geht darin viel um Musik, insbesondere die von Prince. Birbaek war sehr witzig und unterhaltsam und ich wäre gerne länger geblieben. Doch leider musste ich schon nach zwanzig Minuten die Lesung verlassen, denn auf mich wartete ein weiterer interessanter Programmpunkt.

Meet & Greet mit Rosie Walsh

Exklusiv für Blogger, die sich für eine der Bloggerlounges angemeldet hatten, bestand die Möglichkeit, noch ein Meet & Greet mit einer der Starautorinnen Sophie Kinsella, Rosie Walsh, Kate Morton und Estelle Maskame zu besuchen. Ich hatte mich für das Treffen mit Rosie Walsh entschieden, weil ich ihren Bestseller „Ohne ein einziges Wort“ wirklich geliebt habe und die Autorin auf Facebook schon einen sehr netten Eindruck machte. Und was soll ich sagen? Ich kam in den Raum, begrüßte die Autorin und sie war mir wirklich auf Anhieb supersympathisch.

Außer mir waren nur zwei weitere Bloggerinnen dabei, Caroline aus Tirol und Alexandra Richter von Lesebuch, dazu zwei Verlagsmitarbeiterinnen und eben Rosie Walsh. Wir waren also eine wirklich kleine Runde, in der es sich sehr angenehm plaudern ließ. Rosie Walsh, die in Bristol lebt, verriet, dass sie in der Schule einige Jahre Deutsch gelernt hat. Ein Satz, der ihr aus dieser Zeit im Gedächtnis geblieben ist: „Er hat eine Hakennase“ – ah ja 😉 Wir redeten u.a. über die vielen verschiedenen Cover ihres Romans, der mittlerweile in 32 Ländern erschienen ist und beinahe in jedem Land ein anderes Titelbild bekommen hat. Außerdem verriet Rosie Walsh, dass sie zum ersten Mal in München ist und am Vortag etwas Zeit für Sightseing hatte, wobei sie sich aber prompt verlaufen hat. Immerhin hat sie es zum Eisbach geschafft, um dort den Surfern zuzuschauen. Am Ende ließen wir alle unsere Bücher signieren und Zeit für Erinnerungsfotos blieb auch noch. Das Foto von uns beiden habe ich ihr übrigens hinterher via Facebook geschickt und bekam zur Antwort: „I loved meeting you! 🙏🏼 Thanks for coming!“ Ist das nicht nett? Fazit: Dieses Meet & Greet wurde ganz unverhofft zu meinem Tages-Highlight!

Kate Morton

Beim Meet & Greet hatten wir uns so verplaudert, dass ich es nicht mehr rechtzeitig zum nächsten Programmpunkt schaffte, dem Buch-Yoga in der Mittagspause. Das wurde heuer zum ersten Mal angeboten und ich fand die Idee sehr spannend. Zum Glück gab es dieses Angebot auch am Sonntag nochmal. Stattdessen nutzte ich die Mittagspause nun dazu, mit vielen Bekannten zu ratschen, außerdem machte ich einen kleinen Spaziergang zu meinem Auto, um dort die Goodie Bag und die bereits signierten Bücher im Kofferraum zu lagern. Dann war es auch schon Zeit, zur kleinen Bühne zu gehen, denn hier las Kate Morton aus ihrem aktuellen Buch „Die Tochter des Uhrmachers.“ Moderiert wurde dieser Programmpunkt wieder von Anouk Schollähn, außerdem war die Schauspielerin Esther Schweins zu Gast, die den Romanen von Kate Morton ihre Stimme leiht, denn sie liest die deutschen Hörbücher ein. Die Veranstaltung entwickelte sich mehr zum Interview, aber natürlich las Kate Morton auch einen kurzen Auszug aus ihrem Roman im englischen Original und sie tat das wunderschön mit herrlicher Betonung und gut gewählten Pausen. Noch viel besser fand ich allerdings Esther Schweins, die anschließend einige Passagen auf deutsch las. Wahnsinn, was hat diese Frau für eine Stimme! Ihr könnte ich auch noch gut zuhören, wenn sie das Telefonbuch vorlesen würde!

Nach dieser Lesung reihte ich mich gleich in die Schlange zum offiziellen Meet & Greet mit Kate Morton ein. Anders als bei dem exklusiven Meet & Greet für Blogger, stand ich hier eine halbe Stunde Schlange, um dann nur wenige Worte mit der Autorin wechseln zu können. Gelohnt hat es sich aber trotzdem. Ich hatte nicht ihren aktuellen Roman dabei, sondern das ältere Buch „Der verborgene Garten“ und ich erzählte Kate Morton, dass mir meine beiden Söhne dieses Buch einst zum Geburtstag geschenkt hatten. Sie waren dafür in unseren heimischen Buchladen gegangen, hatten dem Inhaber beschrieben, was ich gerne lese und hatten sich von ihm beraten lassen. „Good boys“, urteilte Kate Morton und ich kann ihr da nur zustimmen 🙂 Auch mein Buchhändler bekam ein Lob für die gute Beratung, schließlich hat er meinen Geschmack ja gut getroffen. Wir plauderten noch kurz, aber die Schlange hinter mir war noch lang. Vielen Dank an dieser Stelle an das nette Mädel, das hinter mir in der Schlange gewartet hatte und diese beiden Fotos gemacht hat:

Rosie Walsh, Meditation und Happy Hour

Danach zog es mich ins Foyer, wo die Bloggerin Elisa von RoRezepte gerade mit der Autorin Petra Durst-Benning kleine Häppchen zubereitet hatte. Doch leider kam ich zu spät, es war schon alles verputzt. Stattdessen schlüpfte ich noch rasch in den großen Saal, wo Rosie Walsh bereits seit einer halben Stunde zusammen mit ihrer deutschen Stimme Britta Steffenhagen las und von Anouk Schollähn interviewt wurde.

Anschließend hatte ich Pause, denn auf der großen Bühne fand nun als einziger Programmpunkt ein Talk mit dem „Wattpad-Phänomen“ Estelle Maskame statt und der interessierte mich ehrlich gesagt nicht die Bohne. Stattdessen verbrachte ich die Zeit mit einigen anderen Besucherinnen, auch Betti traf ich nun wieder. Wir tauschten uns über unsere bisherigen Erlebnisse an diesem Tag aus, denn abgesehen von den zwei Talks mit Sophie Kinsella und Estelle Maskame auf der großen Bühne hatten ja zu jeder Stunde zeitgleich vier oder fünf verschiedene Veranstaltungen stattgefunden, so dass wir manches Mal die Qual der Wahl hatten. Nun allerdings merkte ich, dass ich an einem toten Punkt angekommen war. So viele Eindrücke, so viele Gespräche, so viel Stimmengewirr – ich war auf einmal hundemüde. Eigentlich hatte ich um 17 Uhr noch an einem Workshop mit Sylvia Lott teilnehmen wollen: „It’s in his kiss“ – die Kussszene im Roman. Ganz sicher ein spannendes Thema und ein lehrreicher Workshop, auf den ich mich im Vorfeld eigentlich schon sehr gefreut hatte. Doch nun war ich so k.o., dass ich einfach nicht mehr aufnahmefähig war. Deshalb entschied ich mich spontan um und besuchte zusammen mit Betti stattdessen den Talk auf der kleinen Bühne: „Be Mindful – einfach mal abschalten“ – Esther Schweins im Gespräch über Meditation. Es ging dabei um das gleichnamige Buch von Suze Yalof Schwartz, das Esther Schweins als Hörbuch eingesprochen hat. Im Gespräch mit Anke Hoffmann von Random House Audio erzählte die Schauspielerin nun, wie sie selbst mithilfe von Meditation Entspannung findet. Und es gab auch eine kurze Übung für die Zuhörerinnen, bei der vor allem bewusstes Atmen eine wichtige Rolle spielte – etwas, von dem ich mir immer wieder vornehme, es im Alltag öfter zu berücksichtigen.

Der erste Tag endete im Foyer bei der Happy Hour mit Sponsor Freixenet. Für mich gab es den Sekt gemischt mit Orangensaft, schließlich musste ich noch Auto fahren, aber das tat der Stimmung wahrlich keinen Abbruch. Hier plauderten AutorInnen, LeserInnen und VerlagsmitarbeiterInnen zwanglos miteinander, Betti und ich fanden endlich die Zeit für ein gemeinsames Foto und ich traf auch die Autorin Gabriele Ketterl wieder, die mir zuvor schon kurz über den Weg gelaufen war. Allerdings kenne ich Gabriele eher privat, denn unsere beiden Söhne sind zusammen zur Schule gegangen. So ergab es sich, dass ich Gabriele auf dem Heimweg im Auto mitnahm – aber erst, nachdem wir zuvor mit ihrer Freundin, der Autorin Stefanie Lasthaus, und Michel Birbaek noch ein wenig herumgeflachst hatten. Wieder zuhause, konnte ich endlich den Inhalt meiner Goodie Bag genauer unter die Lupe nehmen (die Gitarren im Foto-Hintergrund gehören allerdings nicht dazu!). Davon werde ich sicherlich noch eine ganze Weile zehren können 🙂 Beim Abendessen mit der Familie (mein Schatz hat gekocht) konnte ich dann von meinen Erlebnissen erzählen und den Tag so nochmal Revue passieren lassen.

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