#litloveromane: Beziehungswaise

Erstellt am 5.2.19. Kategorie: Buchrezensionen
„Beziehungswaise“
von Michel Birbaek
Bewertung
★★★★☆
Verlag Blanvalet
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen April 2018
Seiten 555 als Taschenbuch
Erhältlich bei AP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Bei der dritten Lit.Love gab es eine Premiere: Zum ersten Mal war mit Michel Birbaek ein männlicher Autor eingeladen. Ich habe zwar nur einen Teil seiner Lesung aus „Das schönste Mädchen der Welt“ miterleben können und am nächsten Tag die Talkrunde, an der er teilgenommen hat, aber schon da hat sich der Autor durch große Schlagfertigkeit und Wortwitz hervorgetan. Leider bin ich bis heute noch nicht dazu gekommen, das oben genannte Buch zu lesen, aber auf meinem Stapel ungelesener Bücher lag noch sein Roman „Beziehungswaise“ und der, so dachte ich, eignet sich doch perfekt für die derzeitige Aktion der #litlovebloggerinnen: #litloveromane läuft noch bis zum 17. Februar und beschäftigt sich mit zeitgenössischen Romanen der Lit.Love-AutorInnen.

Dabei hat mich der Klappentext zunächst gar nicht so angesprochen. Demnach geht es im Buch um ein langjähriges Paar, das keinen Sex mehr hat. Na gut, dachte ich mir, aber interessiert mich das wirklich? Nun habe ich mich im Rahmen unserer Aktion auf das Buch eingelassen und erlebte eine Achterbahn der Gefühle.

Zunächst begeisterte mich der Schreibstil, bei dem der Autor wieder einmal seinen Wortwitz unter Beweis stellt. Sehr humorvoll schildert er eine USA-Reise von Lasse, der als Comedian „der lustige Däne“ mit mäßigem Erfolg unterwegs ist, und dessen Freundin Tess. Die beiden sind auf die Hochzeit von Freunden eingeladen und verknüpfen dies mit einem Urlaub, einem scheinbar perfekten Urlaub, denn Lasse und Tess lieben sich aufrichtig, mit all ihren Fehlern und Macken, sie scheinen wie füreinander geschaffen – wenn da nur nicht im Laufe der letzten sieben Jahre die Leidenschaft auf der Strecke geblieben wäre. In den letzten Jahren haben die beiden überhaupt nicht mehr miteinander geschlafen, sie kuscheln nur noch, worunter beide leiden. Doch sie schaffen es nicht, miteinander über ihre Probleme zu reden.

Dann erhält Tess, die Karrierefrau, ein Angebot, beruflich nach China zu gehen. Schon jetzt führen die beiden eine Wochenendbeziehung und da Lasse auf keinen Fall mit nach China will, ist dies der Anlass, ihre Beziehung in aller Freundschaft zu beenden. Lasse versinkt in Weltschmerz und bemitleidet sich selbst: Seine zerbrochene Beziehung, seine Erfolglosigkeit als Comedian, die ihn dazu zwingt, auf einem Schiff voll schläfriger Rentner aufzutreten, seine finanziellen Probleme, das gespannte Verhältnis zu seinen beiden WG-Mitbewohnern.

Dieser Teil der Geschichte zieht sich meiner Meinung nach wie Kaugummi und ich war ehrlich gesagt kurz davor, die Lektüre abzubrechen. Doch dann erhält Lasse einen Anruf aus seiner dänischen Heimat: Sein Vater ist schwer erkrankt. Und von da an gewinnt die Geschichte an Tiefgang und Emotionalität, denn Lasse, der sehr an seinem Vater und überhaupt an seiner Familie hängt, erlebt das Leiden und Sterben seines Vaters hautnah mit – und mit ihm auch der Leser. Das ging mir wirklich unter die Haut.

Durch diese Erfahrungen gereift, schafft es Lasse, die Weichen in seinem Leben neu zu stellen, so dass das Buch trotz Trennung und Tod durchaus positiv und optimistisch endet.

Fazit: Durchhalten! Wer sich durch den recht zähen ersten Teil des Buches gehangelt hat, wird mit einer sehr emotionalen, zu Herzen gehenden und nachdenklich machenden Geschichte belohnt.