Die Nacht von Granada

Erstellt am 14.3.19. Kategorie: Buchrezensionen
„Die Nacht von Granada“
von Brigitte Riebe
Bewertung
★★★★★
Verlag cbj / dotbooks
Buchform gebunden, Taschenbuch, eBook
Erschienen 2010 / 2019
Seiten 364 als eBook
Erhältlich beiAP Buch Baldham (eBook), Buchladen Vaterstetten (eBook)

Im Jahr 2010 hat die Autorin Brigitte Riebe, von der ich schon einige wunderbare historische Romane gelesen habe, das Buch „Die Nacht von Granada“ veröffentlicht. Das Buch ist mittlerweile vergriffen, wurde 2019 aber unter dem Titel „Die Töchter von Granada“ als eBook neu aufgelegt (Cover siehe unten). Ob in Papierform oder elektronisch – für mich war das die perfekte Lektüre, um mich auf den bevorstehenden Andalusien-Urlaub einzustimmen.

Die Geschichte spielt in Granada im Jahr 1499 und somit sieben Jahre, nachdem Königin Isabella „La Cattolica“ und ihr Mann König Ferdinand von Kastilien die Provinz Granada im Zuge der „Reconquista“ zurückerobert hatten. Zuvor hatten hier Christen, Juden und Moslems unter der Herrschaft der Mauren viele Jahrhunderte lang friedlich miteinander gelebt, doch damit war es nun vorbei: Nach der Eroberung 1492 wurden zunächst die Juden vertrieben, dann wurden nach und nach die Rechte der Mauren immer mehr beschnitten. So durften sie z.B. nicht mehr in ihren angestammten Berufen arbeiten.

Dieses Schicksal ereilt auch die Familie von Steinschleifer Kamal. Die Familie lebt im Albaycin, einem überwiegend maurischen Stadtteil von Granada, ihre direkten Nachbarn, der Goldschmied Antonio und dessen Tochter Lucia, sind jedoch katholisch. Die Familien sind seit vielen Jahren eng befreundet, Lucia und Kamals Tochter Nuri sind wie Schwestern aufgewachsen. Als 16-Jährige verliebt Lucia sich in Nuris Bruder Rachid. Doch eine Verbindung zwischen den beiden ist undenkbar, denn nicht zuletzt dank des Erzbischofs von Toledo werden die Mauren immer mehr drangsaliert, es kommt sogar zu entwürdigenden Zwangstaufen. Kamal und Rachid müssen als Hilfsarbeiter im Generalife, den Gärten der prachtvollen Alhambra, schuften. Durch eine Intrige gerät Kamal in die Fänge der Inquisition, auch seine Frau und Tochter sowie Antonio werden gefangengenommen, nur Rachid kann fliehen und schließt sich den Aufständischen an. Lucia setzt alles daran, ihre Lieben zu befreien, dabei gerät sie selbst in große Gefahr. Die Situation in Granada eskaliert, in einer Bücherverbrennung werden Tausende kostbarer arabischer Schriften zerstört und das Feuer greift auf den Albaycin über…

Auch wenn die Figuren von Lucia, Nuri und ihren Familien frei erfunden sind, so ist die Geschichte an sich doch leider alles andere als fiktiv, sondern hat sich ab dem Ende des 15. Jahrhunderts genau so zugetragen. Nach beinahe 800 Jahren friedlichen Zusammenlebens haben die katholischen Könige alles daran gesetzt, die Mauren aus Andalusien zu vertreiben. Es kam zu einem beispiellosen Völkermord unter dem Deckmantel der Religion. Auch Begriffe wie „reines Blut“ sind keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern wurden schon 400 Jahre früher als Vorwand für Mord und Unterdrückung verwendet. Doch was wäre Andalusien heute ohne den Touristenmagneten Alhambra und die vielen weiteren Zeugnisse maurischer Kultur?

2009 war ich mit meiner Familie in Andalusien und habe damals schon einige spannende Bücher zu diesem Thema gelesen. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir z.B. „Alhambra“ von Kirsten Boie und „Mondlaub“ von Tanja Kinkel. Im Unterschied zu diesen Büchern erzählt Brigitte Riebe aber noch über das Jahr 1492 hinaus und das auf so spannende Weise, dass ich das Buch kaum noch weglegen konnte. Wieder einmal stellte ich mir die Frage: Warum war mein Geschichtsunterricht eigentlich nie so packend?

Hier noch ein paar Impressionen aus unserem damaligen Urlaub, der uns natürlich auch nach Granada führte. Zunächst ein Blick auf das Stadtviertel Albaycin:

Ein Besuch der Alhambra darf natürlich auf keinen Fall fehlen. Trotz der Touristenmassen kommt man sich dort vor wie in 1001 Nacht:

Ebenso sehenswert sind die prachtvollen Gärten des Generalife:

Und auch sie darf nicht fehlen: Königin Isabella von Kastilien, genannt „Die Katholische“, hier zusammen mit Christoph Kolumbus verewigt, der in ihrem Auftrag nach Amerika aufbrach:

Und so sieht das Cover des neu aufgelegten eBooks aus: