Tod im Tower

Erstellt am 27.4.20. Kategorie: Buchrezensionen
„Tod im Tower“
von Emma Goodwyn
Bewertung
★★★★☆
Verlag tolino media
Buchform eBook
Erschienen Februar 2016
Seiten 234 Seiten
Erhältlich beiBuchladen Vaterstetten

Vor einiger Zeit habe ich auf ZDFinfo eine mehrteilige Doku über die Geheimnisse des Tower of London angeschaut. Das hat mich nicht nur an unseren wunderbaren London-Urlaub im vergangenen Jahr erinnert, sondern auch daran, dass auf meinem eReader schon viel zu lange ein Krimi namens „Tod im Tower“ darauf wartet, gelesen zu werden. Nun war endlich die Zeit dafür gekommen und ich muss sagen: Buch und TV-Doku haben sich für mich perfekt ergänzt.

Hauptfigur des Krimis ist John Mackenzie, frischgebackener Yeoman Warder im Tower of London, auch Beefeater genannt. Wie alle Beefeater war auch John zuvor Mitglied der Royal Army, allerdings nicht als Soldat an vorderster Front, sondern als Militärpsychologe. Deshalb wird er von den übrigen Wachleuten im Tower etwas belächelt, er muss sich seinen Stand erst noch erkämpfen. Einzig mit George Campbell, dem Ravenmaster, also dem Chefpfleger der berühmten Raben, die im Tower wohnen, hat er sich bereits angefreundet.

Und dann geschieht plötzlich ein Mord: Eine deutsche Austauschstudentin wird erwürgt nahe des Verrätertores aufgefunden, direkt im Anschluss an die abendliche Schlüsselzeremonie. Natürlich stürzt sich die Presse sofort gierig auf dieses spektakuläre Verbrechen. Mit den Ermittlungen wird ausgerechnet Superintendent Simon Whittington betraut, Johns Cousin und schon seit Kindertagen sein erklärter Lieblingsfeind. Natürlich steht auch Simon unter hohem Druck, schnell einen Täter zu präsentieren. Doch als solchen macht er ausgerechnet George Campbell, den Ravenmaster, ausfindig. George schweigt beharrlich zu allen Vorwürfen und so keimt in John und seinem Vorgesetzten, Chief Warder Patrick Mullins, der Verdacht, dass George jemanden schützen will. John erhält vom Chief Warder den Auftrag, auf eigene Faust diskret zu ermitteln. Hilfe bekommt John dabei von seiner Familie, allen voran seiner sehr aufgeweckten Nichte Maureen.

Ich fand den Kriminalfall sehr spannend und tappte lange Zeit im Dunkeln, was den Täter anbetrifft. Ganz am Ende fand ich das vorgebrachte Motiv dann zwar nicht ganz so schlüssig, dennoch war der Krimi für mich sehr unterhaltsam und hielt auch einige verblüffende Wendungen parat. Sehr schön geschildert waren zudem die Abläufe und das Leben im Tower. Immer wieder wurden Geschichten und Anekdoten aus der jahrhundertelangen Historie des Tower eingestreut, das geschah auf ganz zwanglose Weise, denn zu den Aufgaben der Beefeater gehört es auch, Touristengruppen durch den Tower zu führen. Für mich machte dieser Bezug zu einem der bedeutendesten britischen Wahrzeichen den besonderen Reiz dieses Krimis aus dem Genre „cosy crime“ aus.

„Tod im Tower“ ist der Auftakt zu einer mittlerweile achtteiligen Reihe um den Ermittler John Mackenzie. Auch die weiteren Bände spielen an bekannten Sehenswürdigkeiten Londons oder Großbritanniens, wie schon die Titel erahnen lassen: „Tod im Kilt“, „Tod im Museum“, „Tod im Schatten der Tower Bridge“, „Tod in Westminster“, „Tod im Tropenhaus“, „Tod in Tintagel“ und „Tod im House of Lords“. Die Kriminalfälle sind in sich abgeschlossen, aber da sich das Privatleben der vorkommenden Figuren stetig weiter entwickelt, empfiehlt es sich, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Auf der Webseite der Autorin gibt es zudem viele Hintergrundinfos wie Fotos, Reise-Tipps für London oder Rezepte, die in den einzelnen Bänden vorkommen. Ich habe da schon mit Begeisterung gestöbert. Und wenn es irgendwann nach Corona wieder möglich ist, nach London zu reisen, dann werde ich ganz bestimmt zur Vorbereitung auch die nächsten Fälle von John Mackenzie noch lesen.

PS: Leider ist die oben erwähnte TV-Doku in der ZDFinfo-Mediathek nicht mehr verfügbar. Aber da solche Sendungen ja immer mal wiederholt werden, lohnt es sich, die Augen offen zu halten und regelmäßig die Webseite von ZDFinfo zu besuchen.