Seit Anfang 2025 fährt mein Mann elektrisch und ist von seinem Skoda Enyaq bis heute komplett begeistert. Im vergangenen Sommer fuhren wir damit zum ersten Mal in Urlaub. Unser Ziel: Schweden, genauer gesagt Stockholm, die dortigen Schären und auf der Rückreise noch ein Aufenthalt in Göteborg. Es zieht uns ja regelmäßig in den Norden, schon seit einigen Jahren mögen wir aber – unabhängig von der Antriebsart unseres Autos – keine allzu langen Strecken mehr an einem Tag zurücklegen, entsprechend haben wir unsere Reise mit einigen Zwischenübernachtungen geplant und uns deshalb ohnehin recht intensiv mit der Reiseroute befasst: Ich mit lohnenden Zwischenzielen, mein Mann mit Ladestationen entlang der Route. Außerdem hat er sich über den Ladeanbieter Ionity eine Kundenkarte besorgt, die einen vergünstigten Ladetarif bot, weswegen wir auf unserer Reise bevorzugt bei Ionity-Ladesäulen luden.
4. Juli: München – Stendal
Wir begannen unsere Reise an einem Freitag kurz vor 8 Uhr morgens in unserer bayerischen Heimat nahe München. Unser heutiges Ziel hieß Stendal nahe Magdeburg, knapp 600 km entfernt. Hier hatten wir im Altstadt-Hotel eine Unterkunft für eine Nacht gebucht. Das Hotel hat auch eine Lademöglichkeit auf seinem Parkplatz, weswegen wir diese gleich vorab mit reservierten. Jens hatte allerdings auf mehreren Geschäftsreisen bereits die Erfahrung gemacht, dass das Laden bei Hotels oft nicht klappt, so dass er sich auch diesmal nicht darauf verlassen wollte.
Unsere erste Pause legten wir in Himmelkron nahe Bayreuth ein. Dort gibt es nahe der Autobahn einen Autohof mit einem großen Ionity-Ladepark. Während unser Auto lud, nutzten wir die Toilette und verzehrten die mitgebrachte Brotzeit. Eine knappe halbe Stunde später ging es auch schon weiter.
Den zweiten Ladestopp hatten wir bei Ionity nahe Magdeburg, also gar nicht mehr weit von unserem Ziel entfernt. Wie gesagt, Jens misstraute den Lademöglichkeiten am Hotel – und wie sich herausstellen sollte, zu Recht. Wir nutzten die Ladezeit für eine Kaffeepause und machten uns wenig später auf den Weg nach Stendal. Im Hotel wurden wir freundlich empfangen, aber tatsächlich war die einzige Ladesäule auf dem (gebührenpflichtigen) Hotelparkplatz besetzt, unsere diesbezügliche Reservierung war ignoriert worden. Aber zum Glück hatten wir ja vorher schon geladen und statt des teuren Hotelparkplatzes nutzten wir nun lieber einen kostenlosen Parkplatz, der nur wenige Meter entfernt lag, also alles gut. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, erkundeten wir den hübschen Ort:
5. Juli: Stendal – Schwerin – Wismar – Travemünde – Malmö
Unser heutiges Ziel hieß Travemünde, wo wir am Abend die Fähre in Richtung Malmö nehmen wollten. Die Strecke dorthin ist nicht besonders lang, so dass wir statt der Autobahn die Landstraße nahmen und unterwegs einen Stopp in Schwerin einlegten, um dort zumindest das wunderschöne Schloss, Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern, zu besuchen. Jens und ich waren vor mehr als 30 Jahren schon einmal da, für Felix war dies der erste Besuch. Leider fing es, als wir aus dem Auto stiegen, an zu regnen, das imposante Schloss hat uns aber trotzdem beeindruckt. Es liegt auf einer Insel im Schweriner See und ist von einem wunderschönen Park umgeben:
Von dort ging es weiter nach Wismar, wo wir einen Ladestopp einlegten, obwohl unser Auto noch halbvoll war, und währenddessen einen Bummel durch die Altstadt samt Kaffeepause unternahmen. Schließlich steuerten wir Travemünde an, zunächst aber nicht das Fährterminal am Westufer des Flusses Trave, sondern den Ort Priwall am Ostufer. Dort besichtigten wir das wunderschöne Segelschiff Passat, das Jens und ich schon bei früheren Urlauben aus der Ferne bewundert hatten (zuletzt im Jahr 2024 von der Fähre aus auf unserer Rückreise von Kopenhagen / Malmö). Aber bisher hatten wir es noch nie geschafft, die Viermastbark aus der Nähe zu besichtigen und auch diesmal hätte es beinahe nicht geklappt, denn es war bereits 16:30 Uhr und das Museum auf dem Schiff schloss um 17 Uhr. Der Mann an der Kasse meinte, der Besuch lohne ja gar nicht mehr, wir müssten mindestens zwei Stunden Zeit mitbringen. Außerdem sollte am Abend eine geschlossene Gesellschaft auf dem Schiff stattfinden, für die noch hergerichtet werden musste. Doch nach ein bisschen Bitten und Betteln durften wir doch noch an Bord und uns umsehen – für uns ein echtes Highlight!
Im Anschluss bummelten wir noch ein wenig am Yachthafen entlang und aßen in der Seglermesse zu Abend. Dann war es an der Zeit, zum Auto zurückzukehren. Mit der Priwall-Fähre überquerten wir die Trave und fuhren zum Fährhafen der Reederei Finnlines. Die „Finnpartner“ sollte um 22 Uhr ablegen, das Einschiffen aber schon um 19 Uhr beginnen. Von wegen! Wir waren überpünktlich da, hätten uns aber deutlich mehr Zeit lassen können, denn nun standen wir stundenlang in einer Autoschlange, in der sich nichts bewegte. Erst gegen 20:00 Uhr kam endlich Bewegung in die Fahrzeuge vor uns und um 20:15 Uhr waren wir endlich an Bord. Im vergangenen Jahr waren wir ja mit Finnlines schon in umgekehrter Richtung, also von Malmö nach Travemünde gereist, damals allerdings als Fußgänger. Nun mit dem Auto auf die Fähre zu fahren, war schon ein aufregendes Erlebnis. Und dann gab es noch eine große freudige Überraschung, als wir unsere Kabine bezogen: Denn die war deutlich größer als erwartet und auf unserer Reise im Vorjahr erlebt, obwohl wir dieselbe Kategorie gebucht hatten.
Dann gingen wir an Deck, um die Ausfahrt aus dem Hafen von dort oben aus zu erleben:
Das Beste an unserer Kabine war das Fenster in Richtung Bug. So konnten wir nämlich am nächsten Morgen von unserer Kabine aus die Unterquerung der Öresundbrücke beobachten (wir hatten extra den Wecker auf 5:30 Uhr gestellt!) sowie die Einfahrt in den Hafen Malmö. Das markante Hochhaus Turning Torso grüßte uns vom Ufer wie ein alter Bekannter.
6. Juli: Malmö – Nörrköping – Stockholm – Ingarö
Nachdem wir gegen 8 Uhr in Malmö von Bord gefahren waren, wollten wir erstmal das weitläufige Hafen- und Industriegelände hinter uns lassen und uns dann einen Ort zum Frühstücken und Laden suchen. Leider hatte es inzwischen angefangen, ziemlich heftig zu regnen, so dass wir wenig Lust hatten, unser warmes Auto zu verlassen. Wir nahmen also erstmal die Autobahn in Richtung Stockholm und hielten erst knappe 180 km später in Ljungby, wo es direkt neben dem Ionity-Ladepark ein Best Western-Hotel gab, in dem wir frühstücken konnten. Der Blick aus dem Fenster auf den tristen verregneten Parkplatz war nicht sehr erbaulich. Mit dem Fahren wechselten wir uns ab, nach diesem Ladestopp war ich an der Reihe und wählte aus der Playlist erstmal ein Album von Alvaro Soler: spanischer Gute-Laune-Pop gegen das schwedische Regenwetter! Trotzdem war das Fahren anstrengend, denn die Sicht war erbärmlich, der Starkregen prasselte laut aufs Autodach. In Schweden gibt es sowieso ein Tempolimit, aber wir hätten bei dem Wetter ohnehin nicht schneller fahren können. Ab Jönköping führte die Autobahn direkt am Seeufer entlang und bei besserem Wetter wäre die Aussicht traumhaft gewesen. So konnte ich kaum mal einen Blick nach links werfen, weil ich mich so sehr aufs Fahren konzentrieren musste.
Nächster Ladestopp war in Norrköping, etwa 270 km von Ljungby entfernt. Hier gab es eine „normale“ Tankstelle, an die ein Ionity-Ladepark mit sechs Säulen angegliedert war. Von den sechs Säulen war allerdings eine defekt und die anderen fünf belegt, so dass wir erst noch eine Weile warten mussten, bis wir an die Reihe kamen. Immerhin hatte der Regen nun aufgehört, ab und zu kam sogar die Sonne heraus. Das Gute bei E-Ladeparks ist ja, dass man sich dort prima im Freien aufhalten und wirklich frische Luft schnappen kann, abseits vom sonst an Tankstellen üblichen Abgasgestank.
Nun übernahm Felix das Steuer und wir stellten nun, da das Wetter besser wurde, fest, dass das Fahren mit Tempolimit durchaus entspannt war, Drängler und Raser wie in Deutschland gab es hier überhaupt nicht. Felix nutzte den Tempomat und so rollten wir entspannt bis ins 130 km entfernte Södertälje, wo wir rein zur Sicherheit nochmal einen letzten Ladestopp einlegten. Von hier bis zu unserem Ferienhaus, das selbst keine Lademöglichkeit hatte, waren es nun noch 66 km. Bis dahin mussten wir uns allerdings durch den Feierabendverkehr rund um Stockholm quälen. Normalerweise gilt auf den Straßen rund um die schwedische Hauptstadt übrigens eine Citymaut, nicht jedoch im Juli – praktisch für uns.
Wir umrundeten Stockholm im Süden und fuhren dann in östlicher Richtung bis Gustavsberg, wo wir die Autobahn verließen und nach Süden auf die Insel Ingarö fuhren. Auch dies ist eine Schäreninsel, allerdings eine sehr große, die sich so gar nicht nach Insel anfühlt. Hauptort der Insel ist Brunn, wo wir am Supermarkt anhielten und uns gleich mal für die nächsten Tage eindeckten. Dann endlich ging es auf die letzte Etappe bis zu unserem Ferienhaus. Auf Ingarö gibt es im Prinzip nur eine Straße, die von Nord nach Süd führt und davon abzweigend mehrere Sackgassen zu den verschiedenen kleinen Ortschaften und Häusern. Von Brunn bis zu unserem Häuschen dauerte es rund eine Viertelstunde, dann waren wir endlich da und sofort schockverliebt! Ein Schwedenhaus wie aus dem Bilderbuch:
Den Hausschlüssel fanden wir wie vereinbart in einer Schlüsselbox, brav zogen wir, wie in Schweden üblich, noch vor der Haustür unsere Schuhe aus. Von Wohnzimmer, Küche und Terrasse aus hatten wir einen absolut fantastischen Blick auf einen kleinen See, zu unserem Haus gehörte auch ein eigener kleiner Boots- und Badesteg. Logisch, dass wir den sofort erkundeten und Felix war der Erste, der sich in das (noch recht kühle) Nass traute. Und man beachte: blauer Himmel! Sonnenschein!
Am Abend bereiteten wir in unserem Häuschen die erste Mahlzeit zu, natürlich ganz stilecht Köttbullar (im Laufe des Urlaubs lernte ich, wie man die auf schwedisch korrekt ausspricht: Schöttbüllar).
7. Juli: Ingarö, Gustavsberg, Artipelag
Nach einem traumhaften Frühstück mit Seeblick auf unserer Terrasse erkundeten wir zunächst einmal die nächste Umgebung. Unser Ferienhaus lag zwar direkt an einem kleinen See, aber auch die Ostsee war nur einen kurzen Spaziergang entfernt. In Schweden gilt das Jedermannsrecht, d.h. die Wege vorbei an den wenigen anderen Häusern sind öffentlich.
Dann setzten wir uns ins Auto und fuhren ins nahe Gustavsberg. Dieser Ort ist ein Zentrum der schwedischen Porzellanherstellung, deshalb gibt es hier ein Porzellanmuseum und einige Fabrikverkäufe, in die wir auch einen Blick warfen, aber in erster Linie genossen wir es, am Hafen entlangzubummeln.
Auf dem Rückweg machten wir auf der Insel Ingarö noch einen Abstecher zum Kunstmuseum Artipelag. Der Name ist eine Wortschöpfung aus Art = Kunst und Archipelago, dem schwedischen Wort für Archipel bzw. Schärengarten, in dem wir uns ja schließlich befanden. Zu dem Museum gehört ein frei zugänglicher Park und dort gibt es dieses goldene Ei, das so groß ist und so glänzt, dass man es sogar von der Autobahn aus sieht. Ein faszinierendes Teil!
Leider begann es nun wieder zu tröpfeln, so dass wir uns im Museumscafé noch Kuchen zum Mitnehmen kauften und damit in unser Ferienhaus fuhren, wo wir eine schöne Fika (schwedisch für Kaffeepause) machten, gefolgt von einem gemütlichen Spielenachmittag.
8. Juli: Stockholm: Katharinenkirche, Gamla Stan, Östermalm, Skeppsholmen, Riddarholmen
Auf nach Stockholm! Wir hatten im Vorfeld überlegt, wie wir am besten dorthin gelangen sollten: Es gibt Linienbusse, die von Brunn und Gustavsberg aus fahren, dorthin hätten wir aber in jedem Fall erstmal mit dem Auto fahren müssen. Und leider fahren die Busse vor allem abends nicht so oft, so dass wir damit nicht sehr flexibel gewesen wären. Also entschieden wir uns, mit dem Auto in den südlich der Altstadt Gamla Stan gelegenen Stadtteil Södermalm zu fahren (dass das Wort Söder in Schweden recht häufig vorkommt, weil es Süden heißt, musste ich zähneknirschend in Kauf nehmen). Mit dem Auto also – aber wo parken? Bei unserer Recherche stießen wir auf das Parkhaus Stigbergs Garage: günstig gelegen und mit Ladesäulen ausgestattet. Aber nicht nur mit einigen wenigen, nein: Sage und schreibe jeder der 281 Stellplätze ist mit einer Wallbox ausgestattet! Und das Laden ist im Preis des Parktickets bereits inklusive. Gut, das Parken war jetzt nicht ganz billig, es kostete pauschal für einen ganzen Tag rund 30 Euro. Aber das kostet es in München mittlerweile auch, nur leider ohne Lademöglichkeiten. Und für uns war es perfekt: tagsüber dort das Auto laden und inzwischen Stockholm besichtigen. Da in Schweden so gut wie alles bargeldlos bezahlt wird, hatte ich mir für das Parken zuvor schon die App EasyPark heruntergeladen, die uns im Urlaub gute Dienste leistete.
Vom Parkhaus aus gingen wir zunächst durch die idyllische Mäster Mikaels Gata, eine Gasse mit Kopfsteinpflaster und urigen kleinen Häusern, die uns direkt zur Katharinenkirche führte. Von dort war es nicht weit zu den Mosebacketerrassen. Hierbei handelt es sich um einen Biergarten nahe dem Mosebacketorg (torg oder torget = Platz). Das Lokal war zwar noch geschlossen, von der Terrasse aus bot sich uns aber schon mal ein erster herrlicher Ausblick auf die Altstadt Gamla Stan:
Wenige Schritte weiter kamen wir zum Katharinenaufzug. Der Stadtteil Södermalm ist nämlich um einiges höher gelegen als die Altstadt, man muss also, wenn man von Gamla Stan nach Södermalm will, entweder steil bergauf gehen oder man kann bequem den Aufzug nehmen. Das funktioniert natürlich auch, wie in unserem Fall, in die andere Richtung. Auf jeden Fall hat man von der oberen Etage des Aufzugs einen fantastischen Panoramablick (und Lokale gibt es dort oben übrigens auch).
Unten angekommen, fanden wir uns am Verkehrsknotenpunkt Slussen wieder, von hier ging es für Fußgänger bequem über die Slussterrassen in die Altstadt, wo wir uns zunächst auf dem hübschen kleinen Platz Järntorget wiederfanden, der uns spontan an Paris erinnerte. Wenige Schritte weiter kamen wir zu Stockholms schmalster Gasse und dann zur deutschen St.-Gertrudskirche aus dem 16. Jahrhundert, deren Bau der schwedische König Johan III. 1571 seinen deutschen Untertanen erlaubt hatte. Die barocke Kirche ist unter anderem bekannt für ihr Glockenspiel, das viermal am Tag erklingt.
Das Glockenspiel hörten wir allerdings erst, als wir schon einige Meter weiter waren, am berühmten Stortorget, wo sich das Nobelpreismuseum befindet und die bekannteste Stadtansicht Stockholms mit den schönen bunten Giebelhäusern:
Hier war es, wie nicht anders zu erwarten, richtig voll und wuselig mit Touristen aller möglichen Nationalitäten. Wir schlenderten weiter die Gasse entlang und hörten plötzlich laute Musik – so fanden wir uns ganz unverhofft bei der Wachablösung vor dem Königlichen Schloss wieder:
Die Soldaten und Soldatinnen in ihren weißen Gardeuniformen spielten eine ganze Reihe von Stücken, die Zuschauer wurden lediglich von zwei Wachleuten zurückgehalten, die Zeremonie war damit ähnlich entspannt, wie wir das im Jahr zuvor auch in Kopenhagen erlebt hatten. Als die Wachablösung zu Ende waren, durften wir uns auf dem Schlossgelände wieder frei bewegen und sogar durch das große Tor den Innenhof betreten. Durch ein weiteres Tor verließen wir den Hof wieder und fanden uns auf der Außenseite des Schlosses an einer Terrasse wieder, die mir von Bildern her wohlbekannt war, nämlich von der Hochzeit der schwedischen Kronprinzession Viktoria und ihrem Prinz Daniel.
Von hier aus hatten wir einen tollen Blick auf das Reichtagsgebäude, die Königliche Oper und das Grand Hotel (über das ich zuvor einen sehr spannenden und interessanten historischen Roman gelesen hatte):
Wir besuchten nun den neben der Oper gelegenen Kungsträdgården, einen Park, in dem wir uns an einem Tehuset, einem Kiosk, zu einer kleinen Rast niederließen und uns über das Wetter freuten, das im Laufe des Vormittags immer schöner geworden war. Am Morgen hatten wir noch unsere Jacken gebraucht, mittlerweile herrschten T-Shirt-taugliche Temperaturen.
Eigentlich hatte ich geplant, in der Markthalle Saluhall im Stadtteil Östermalm einen Imbiss zu nehmen, doch Felix, der vor einigen Jahren schon mal in Stockholm war, hatte davon abgeraten: sehr teuer! Doch Schauen kostet bekanntlich nichts und zu sehen gab es in diesem Feinkosttempel wahrlich genug:
Anschließend zog es uns wieder ans Wasser, also ging es zurück in Richtung Altstadt. Bevor wir diese erreichten, bogen wir jedoch am Nybrokajen links ab in Richtung Skeppsholmen. Die Brücke, die zu diesem kleinen Stadtteil führt, ist ein bekannter Fotostopp, da man von hier aus das Königliche Schloss gut im Blick hat. Wenige Meter weiter liegt das Segelschiff Af Chapman vor Anker. Für Jens hatte der Besuch dort eine besondere Bedeutung, denn das Schiff wird seit Jahrzehnten als Hostel genutzt und Jens‘ schon lange verstorbener Vater hat dort früher einmal übernachtet.
Auf dem Rückweg kamen wir am Nationalmuseum und am Königsschloss vorbei, bevor es wieder in die Altstadt ging und wir uns einfach durch die hübschen kleinen Gassen treiben ließen.
In einem Café machten wir Rast und ich probierte die leckere Prinzessinnentorte mit ihrem grünen Marzipanüberzug, eine für Schweden ganz typische Torte. Außerdem besuchten wir einen Bonbon- und Lakritzladen, wo wir bei der Herstellung der süßen Köstlichkeiten zusehen konnten. Und natürlich shoppten wir auch Souvenirs, in meinem Fall ein T-Shirt und eine schöne Teedose mit Stockholm-Motiv, gefüllt mit Blaubeertee.
Nach einem Abstecher auf die Insel Riddarholmen, von der aus wir einen wunderbaren Blick auf den Stadtteil Södermalm hatten, suchten wir uns ein nettes Lokal zum Abendessen und wurden an der Uferpromenade nahe Slussen fündig. Satt und zufrieden machten wir uns schließlich auf den Heimweg.
9. Juli: Strandtag
Auch heute war schönstes Wetter, so dass wir unser Frühstück erneut auf der Terrasse genießen konnten. Dann fuhren wir nach Björkvik, ganz im Süden der Insel Ingarö. Dort gibt es einen schönen Ostseestrand, an dem wir uns einige Zeit aufhielten. Es gibt dort allerdings nur ein schmales Stück Sandstrand, der restliche Strand besteht aus großen flachen Felsen, auf denen man aber auch gut sitzen und den Blick aufs Wasser genießen kann.
Später fuhren wir einkaufen, machten daheim eine Kaffeestunde und schließlich unternahmen Jens und Felix mit dem Boot, das zum Ferienhaus gehört, eine kleine Ruderpartie. Abends grillten wir auf unserer Terrasse.
10. Juli: Stockholm: ABBA-Museum, Gamla Stan, Södermalm, Viking Terminal
Heute wollten wir erneut nach Stockholm, doch diesmal war mir etwas wehmütig zumute, denn heute Abend würden wir uns von Felix verabschieden: Er würde abends von Stockholm aus die Fähre nach Turku in Finnland nehmen, um sich dort mit Freunden zu treffen, die er im vergangenen Jahr bei seinem Auslandssemester in Aarhus kennengelernt hatte. Auch deshalb war es praktisch, dass wir mit dem Auto in die Innenstadt fuhren: Wir luden schon in der Früh Felix‘ Gepäck in den Kofferraum, die Parkgarage war glücklicherweise nicht weit vom Fährterminal der Viking Line entfernt, das war für uns die praktischste Lösung.
Aber zunächst ging es für uns drei ins ABBA-Museum! Ich bin kein glühender Fan, doch ich mag die Musik und die Geschichte der Band hat mich immer bewegt, deshalb wollte ich dort unbedingt hin und meine Männer stimmten mir zuliebe zu. Wir gingen also vom Parkhaus aus wieder nach Slussen und nahmen von dort die Fähre nach Djurgården, das ist die Insel, auf der viele von Stockholms Museen angesiedelt sind, neben dem ABBA-Museum u.a. auch das bekannte Vasa-Museum, ein Freilichtmuseum und der Vergnügungspark Gröna Lund, der mit seinen Fahrgeschäften schon von Weitem zu sehen ist. Sehr praktisch: Die Tickets für die Fußgängerfähre, die zum Stockholmer ÖPNV gehört, zahlt man ganz einfach, indem man seine Kreditkarte an ein Lesegerät hält. Kein langes Suchen nach der richtigen Fahrkarte und Probleme mit einem Automaten, der nur Schwedisch versteht!
„Come in and dance out“ lautet das Motto des ABBA-Museums und da ist definitiv was dran. Denn erstens hat man natürlich ständig wechselnde Ohrwürmer, die einen den restlichen Tag begleiten, zweitens ist das Museum mit so viel Liebe zum Detail gestaltet, dass man automatisch gute Laune bekommt. Das zeigt sich z.B. schon an den Absperrbändern beim Eingang.
Wir hatten unsere Tickets vorab online reserviert, waren jedoch für unseren Timeslot viel zu früh da. Erfreulicherweise durften wir aber gleich hinein und so früh am Vormittag war es noch nicht allzu voll. Ausgestellt waren verschiedene Originalkostüme, goldene Schallplatten, Instrumente (die Gitarrensammlung begeisterte Jens besonders) und vieles mehr. Es gab Originaldokumente von Konzerten zu sehen (sehr interessant, welche Bestellungen die Band für ihr Catering im Backstagebereich aufgab), aber auch Infos zum Mamma Mia-Musical, zu den Mamma Mia-Filmen und zu den Soloprojekten der Bandmitglieder. Besonders gefallen hat mir, dass auch die Fans gewürdigt wurden: Es gibt eine Ausstellung besonders schöner Fangeschenke und Infos zum Fanclub. Außerdem ist die Ausstellung interaktiv, es gibt mehrere Mitmach-Stationen. Ich hab mich aber nicht als fünftes Bandmitglied auf die Bühne getraut 😉
Nach etwa zwei Stunden hatten wir das Gefühl, nun so ziemlich alles im Museum gesehen zu haben. Rückblickend hat nicht nur mir, sondern auch Jens und Felix das Museum sehr gut gefallen. Und jedes Mal, wenn ABBA im Radio läuft, müssen wir nun an unseren gemeinsamen Urlaub in Schweden zurückdenken.
Es war mittlerweile Mittag und so kehrten wir gleich nebenan im Backstage-Café ein, um uns zu stärken. Weil das Wetter so herrlich war, schlug Felix vor, mit der Fähre nicht zurück nach Slussen zu fahren, sondern stattdessen zur Nybrokajen, um auch noch eine andere Perspektive zu genießen. Eine gute Idee, so konnten wir vom Wasser aus auch noch einen Blick auf das berühmte Vasa-Museum werfen.
Dann schlenderten wir durch den Stadtteil Östermalm und fuhren mit der Metro zurück zur Gamla Stan. Wir hatten nämlich im Reiseführer gelesen, dass viele der Stockholmer Metrostationen die reinsten Kunstausstellungen seien und da wollten wir auch mal einen Blick drauf werfen. An der Station Östermalmstorg gab es an Höhlenmalerei erinnernde Gemälde zu sehen, an der Station Gamla Stan, wo wir ausstiegen, hielt sich der Kunstgenuss jedoch in Grenzen. Ich muss an dieser Stelle unbedingt erwähnen, dass auch meine Heimatstadt München seit einigen Jahren viele toll gestaltete U-Bahnstationen hat, die ausgesprochen vielfältig und interessant sind 😉
Noch einmal bummelten wir durch die Altstadt, dann zog es uns in den Stadtteil Södermalm und zur Aussichtsterrasse am Monteliusvägen. Von hier hat man wirklich einen fantastischen Blick auf die Stadt:
Dann spazierten wir quer durch den derzeit recht hippen und angesagten Stadtteil Södermalm, machten zwischendurch immer mal wieder Rast an hübsch angelegten Plätzen, wanderten vorbei an vielen einladenden Geschäften und Lokalen. Offenbar hat man auch in Stockholm mittlerweile viele Straßen zu Fußgängerzonen umgewandelt und nutzt die Asphaltflächen nun als Freischankflächen für Cafés und Restaurants. Zufällig war ich noch vor unserem Urlaub im Internet auf „Spongecookies“ gestoßen, ein Geschäft, das eine Vielzahl unterschiedlicher selbstgemachter Cookies verkauft. Hier kauften wir groß ein und verzehrten das leckere Gebäck gleich an Ort und Stelle im improvisierten Schanigarten vor dem Laden.
Wir hatten allmählich das Gefühl, nun alles gesehen zu haben, was wir sehen wollten. Also wanderten wir weiter zur nahe gelegenen Katharinenkirche, die wir nun auch von innen besichtigten, danach setzten wir uns draußen in den Schatten und genossen eine kleine Auszeit vom Trubel der Stadt.
Schließlich wurde es Zeit für ein frühes Abendessen, wofür wir uns schon vorab ein Lokal nahe der Parkgarage ausgesucht hatten, dann holten wir Felix‘ Gepäck aus dem Kofferraum und machten uns auf den Weg zum Fährterminal der Viking Line. Nun hieß es endgültig Abschied nehmen. Für Felix ging die Reise weiter nach Finnland, wo er zusammen mit seinen Freunden eine Woche in einem Ferienhaus an einem der vielen finnischen Seen verbrachte. Von dort fuhr er via Interrail über das Baltikum nach Hause, besichtigte unterwegs Turku, Helsinki, Tallinn, Riga, Vilnius und Danzig. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier deshalb nur ein paar Fotos, die Felix bei der Abfahrt von Stockholm gemacht hat. Die Fahrt führte ihn nämlich zunächst bei bestem Licht durch den Stockholmer Schärengarten:
Jens und ich hingegen kehrten zum Auto zurück und fuhren in unser Ferienhaus, wo wir noch einen traumhaften Sonnenuntergang am See erlebten:
11. und 12. Juli: Nacka Strand, Ingarö
Am nächsten Tag hatten auch Jens und ich einen Ausflug in den Schärengarten geplant. Ich wollte gerne auf die Insel Vaxholm, nördlich von Ingarö, die oft als das Zentrum der Schären bezeichnet wird und auf Fotos ausgesprochen einladend aussieht. Direkte Verbindungen dorthin gibt es von Ingarö aus allerdings nicht. Am einfachsten wäre es gewesen, erneut nach Stockholm zu fahren und von Slussen aus die Schifffahrt zu starten. Damit wären wir aber erstmal in die entgegengesetzte Richtung unterwegs gewesen. Dann entdeckte ich, dass die Schiffe auf dem Weg von Stockholm nach Vaxholm auch in Nacka Strand anlegen, was von Ingarö aus nicht ganz so weit ist wie Stockholm (die Fahrt von unserem Ferienhaus bis zum Parkhaus in Stockholm dauerte etwa eine Dreiviertelstunde).
Allerdings war das Wetter an diesem Tag längst nicht mehr so schön wie noch am Vortag. Vielmehr war es ausgesprochen stürmisch. Wir fuhren zwar noch nach Nacka, aber die sonst so ruhige Ostsee hatte heute recht lebhafte Wellen und so entschieden wir schließlich, auf den Ausflug zu verzichten. Denn wer weiß, wie sich das Wetter weiter entwickeln würde und ob wir dann von Vaxholm überhaupt wieder zurück kämen … dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.
Stattdessen machten wir noch einen Stopp im Einkaufszentrum in Gustavsberg und fuhren dann zurück zum Ferienhaus, wo wir uns noch einen gemütlichen Tag machten mit viel Zeit zum Lesen. Unterwegs hielten wir aber noch mal an, um ein Foto von den vielen Briefkästen zu machen: Ein ganz typisches Bild an den Straßenkreuzungen, denn so wird es den Postboten erspart, die langen Sackgassen bis zu den oft recht einsam gelegenen Häusern zu fahren.
Auch den nächsten Tag verbrachten wir bei leider eher mäßigem Wetter in unserem Häuschen. Es war unser letzter Tag hier, also hieß es Koffer packen und schon mal wegräumen, was wir am nächsten Morgen nicht noch brauchten. Zum Abendessen fuhren wir noch einmal nach Björkvik an die Südspitze „unserer“ Insel, wo wir drei Tage zuvor am Strand gewesen waren. Dort hatten wir ein sehr nettes Bistro entdeckt, wo wir nun ausgesprochen lecker zu Abend aßen. Dabei kamen wir mit einer Frau am Nachbartisch ins Gespräch, die uns fragte, woher wir kommen und offenbar ganz erstaunt war, dass wir einen so weiten Weg auf uns genommen hatten, um ihre Heimat zu besuchen. Überhaupt muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass uns die Schweden überall sehr freundlich begegnet sind und wir stets sehr nett empfangen wurden.
13. Juli: Drottningholm – Göteborg
Heute war es erstmals richtig neblig, es lag regelrecht Herbststimmung in der Luft. Oder war es einfach nur Abschiedsstimmung? Wir verließen unser Ferienhaus mit Ziel Göteborg. Auf dem Weg dorthin machten wir aber zunächst Halt beim Schloss Drottningholm im Westen von Stockholm. Hier ist das Zuhause von König Carl Gustaf und Königin Silvia. Glücklicherweise klarte das Wetter auf dem Weg dorthin etwas auf, so dass wir auch einen Spaziergang durch den schönen Schlosspark machen konnten.
Unseren ersten Ladestopp machten wir in Örebro, knapp 250 km von unserem Ferienhaus entfernt. Hier gab es einen Ladepark mit zehn Ladesäulen, wir erwischten gerade noch die letzte, die frei war, dieser Ladepark war offensichtlich stark frequentiert. Wir machten Brotzeit am Rand des Parkplatzes, leider gab es hier keinerlei Sitzgelegenheiten. Beim nahe gelegenen Burger King nutzten wir noch rasch die Toiletten, bevor die Fahrt weiterging.
Auf der Autobahn ging es nun weiter in Richtung Westen. Leider gibt es rund um Göteborg kaum Ladesäulen von Ionity, deshalb hielten wir etwa 190 km nach Örebro nochmal an einer Ladestation, die uns unser Navi angezeigt hatte. Hier handelte es sich lediglich um zwei öffentlich zugängliche Ladesäulen vor einer Firma, leider kein Klo weit und breit 😉
Bis Göteborg waren es von hier noch knappe 95 km, gegen 17 Uhr kamen wir beim Comfort Hotel Göteborg an, wo wir nicht nur ein Zimmer gebucht hatten, sondern auch einen Stellplatz samt Ladesäule in der hoteleigenen Tiefgarage. Dafür hatten wir vorab eine Nachricht erhalten mit dem Zugangscode zur Garage und der Nummer unseres Stellplatzes. Die Einfahrt in die Garage klappte problemlos, doch unser reservierter Stellplatz war von einem anderen Auto (einem Verbrenner!) besetzt. Wir machten ein Foto vom Nummernschild, suchten uns selbst einen anderen Stellplatz (ohne Ladesäule) und fuhren mit dem Lift zur Rezeption. Dort war man sehr freundlich und versprach, anhand des Kfz-Schildes den Fahrer des anderen Autos ausfindig zu machen, damit der unseren Stellplatz räumte. Inzwischen bezogen wir erstmal unser Zimmer und freuten uns über die fantastische Aussicht auf den Hafen und den Fluss Göta:
Dann brachen wir zu einem ersten Rundgang durch die Stadt auf. Es war Sonntag Abend und nur wenig los. Unser Weg führte uns zunächst zum Gustaf-Adolfs-Torg mit einem Denkmal des Stadtgründers, Rathaus und Börse, dann weiter zum Kronhuset, dem zweitältesten erhaltenen Gebäude der Stadt, wo wir ein sehr hübsches Café fanden, das aber leider schon geschlossen hatte.
Beim Bummel durch die Altstadt kamen wir auch zum Fischmarkt, den die Schweden Feskekôrka, also Fischkirche nennen. Beim Blick auf das Gebäude weiß man warum:
Leider war dort aber auch kein Betrieb mehr, also gingen wir weiter und kehrten schließlich gegenüber vom Dom in einem netten Lokal ein, wo wir sogar noch draußen auf der Terrasse sitzen konnten.
Zwischendurch bekam ich eine Nachricht vom Hotel, dass unser reservierter Stellplatz nun frei sei. Also gingen wir bei der Rückkehr ins Hotel zunächst hinunter in die Tiefgarage, um unser Auto umzuparken. Aus dem Laden wurde jedoch nichts, das lief nämlich nicht übers Hotel, sondern über einen externen Betreiber und dafür hätten wir uns erst eine schwedische App herunterladen müssen. Das wollten wir nicht und da unser Auto noch halb voll war, verzichteten wir auf das Laden. Jens‘ weise Voraussicht, sich nicht auf das Laden im Hotel zu verlassen, hatte sich erneut bewährt (Spoiler: es sollte nicht das letzte Mal bleiben).
Von unserem Zimmer aus genossen wir noch diesen herrlichen Sonnenuntergang:
14. Juli: Göteborg: Altstadt, Palmhuset, Haga
Heute hatten wir den ganzen Tag Zeit, um Göteborg zu besichtigen. Wir starteten mit den nahe unserem Hotel gelegenen Antikhallen, einer Art Einkaufszentrum mit netten winzigen Geschäften rund um ein zentrales Atrium, das als Café genutzt wurde. „Leider“ hatten wir aber gerade erst gut gefrühstückt 😉 Von dort ging es weiter zum Dom, der aber noch geschlossen war, also bummelten wir weiter durch die Altstadt und entdeckten zu unserer Freude einige schöne Ladenpassagen, wie wir sie ganz ähnlich im Frühjahr auch in Paris gesehen hatten.
Und auch in Göteborg gab es eine Saluhall, eine schöne Markthalle:
Die Altstadt ist von einem Wallgraben und einem Kanal umgeben. Auf der anderen Seite des Kanals liegt das Stora Theater und gleich gegenüber ein herrlicher Park namens Trädgårdsföreningen, wo wir das Palmhuset besichtigten. Heute hatten wir wieder herrlichstes Wetter mit hochsommerlichen Temperaturen, so dass wir dankbar waren für jedes schattige Plätzchen unterwegs. Glücklicherweise wird der Wallgraben auf der Südseite von einem schönen Grüngürtel flankiert, durch den wir nun zum Stadtteil Haga spazierten.
In Haga besichtigten wir zunächst die schöne Kirche, bevor es weiterging ins Zentrum, das im Prinzip aus einer einzigen Geschäftsstraße besteht. Hier gibt es einige wirklich originelle Läden und vor allem mehrere schöne Cafés, die u.a. berühmt sind für ihr Gebäck namens Hagabollen (eine Art Riesenzimtschnecken):
Nur wenige Schritte südlich von Haga befindet sich der Skansparken, ein Hügel, auf dessen Spitze der Skansen Kronan steht, ein alter Festungsturm, von dem aus man eine wunderbare Aussicht über die Stadt genießt. Gut zu sehen ist von dort oben auch der Karlatornet, ein modernes Hochhaus mit Wohnungen, Büros und einem Hotel, das neueste Wahrzeichen Göteborgs.
Auf dem Rückweg zum Hotel versuchten wir noch einmal unser Glück am Dom und jetzt hatte er tatsächlich geöffnet:
Im Hotel blieb Zeit für eine kurze Rast und um uns umzuziehen, denn für den Abend hatte Jens mich zu einem festlichen Dinner in die Sky Bar im 12. Stock des Hotels Riverton eingeladen. Anlass: unser 30. Hochzeitstag am nächsten Tag. Wir genossen ein leckeres Essen mit grandioser Aussicht:
15. Juli: Göteborg – Kiel
Unser Hochzeitstag begann mit einem leckeren Frühstück, dann hieß es Koffer packen und auschecken, denn heute Nachmittag würden wir unsere Heimreise mit der Fähre nach Kiel antreten. Unser Gepäck packten wir in den Kofferraum unseres Autos, das praktischerweise bis zum Nachmittag in der Hotelgarage stehen bleiben konnte. Wir selbst machten uns noch einmal auf zum Sightseing. Zunächst wanderten wir an der Göta entlang nach Norden, vorbei am Museumshafen und der modernen Oper bis zum Segelschiff Viking. Bei dieser Viermastbark handelt es sich um das größte je in Schweden gebaute Windjammer-Schiff. In der Tat war es schwierig, das Schiff in seiner kompletten Länge aufs Foto zu bekommen 😉 Heute dient es als Hotel und direkt daneben ankert ein weiteres Schiff, das als Hotelgarage genutzt wird.
Eben war der Himmel noch blau, nun ballten sich schon wieder dicke Wolken zusammen. Also suchten wir Schutz im Einkaufszentrum Nordstan. Das war nicht besonders erwähnenswert, es gab dort die gleichen Filialisten wie in jeder anderen Mall auch. Positiv aufgefallen ist mir aber die Büchersäule in einem Herrenmodengeschäft:
Wir verließen die Mall an ihrem südlichen Ende und kamen an einem der Stadtkanäle heraus. Gerade schien mal wieder die Sonne und das nutzten wir für ein schönes Foto anlässlich unseres Hochzeitstages:
Dann kamen wir wieder zum Gustaf-Adolfs-Torg, wo heute ein großer Foodmarket stattfand und der war wirklich sehenswert, denn es gab dort Foodtrucks mit Spezialitäten aus vielen verschiedenen Ländern: Ob Burger, Langos, Pizza, Flammkuchen, dänische Hotdogs, indische und afrikanische Küche, Süßes aller Art … es gab dort quasi nichts, was es nicht gab:
Wir hätten uns hier gerne länger aufgehalten, doch leider fing es schon wieder an zu regnen und diesmal richtig heftig. Also spannten wir die Schirme auf und gingen weiter, während die bedauernswerten Marktkaufleute versuchten, ihre Waren in Sicherheit zu bringen. Wir kamen an der deutschen Kirche vorbei und ich schlug vor, dort Unterschlupf zu suchen. Keine Minute zu früh, denn kaum waren wir drin, begann draußen ein richtig heftiger Hagelschauer! Wir blieben nicht die einzigen Schutzsuchenden in dem Gotteshaus und ich dachte voller Mitgefühl an die Marktkaufleute draußen.
Als etwa 20 Minuten später der Hagel aufhörte und auch der Regen schließlich nachließ, wagten wir uns wieder nach draußen. Wir gingen nochmal zum Kronhuset und dort angekommen, schien wieder die Sonne, so dass wir bei dem netten Café, das uns schon am Sonntag aufgefallen war, sogar draußen auf der überdachten Terrasse sitzen konnten. Wir genossen dort eine schöne Kaffeepause, doch kaum waren wir fertig, fing es erneut heftig zu regnen an. Diesmal suchten wir Schutz in einem wunderschönen Schokoladengeschäft am Kronhuset. Das Sortiment war sehr verlockend, leider aber auch extrem teuer. So ganz ohne etwas zu kaufen wollten wir aber auch nicht wieder gehen, also erstanden wir zwei kleine Schokotaler, die zwar gut schmeckten, ihrem hohen Preis jedoch nicht ganz gerecht wurden.
Glücklicherweise ließ der Regen bald wieder nach und so setzten wir unseren Bummel durch Göteborg fort. Eigentlich hatten wir nun aber gefühlt alles Sehenswerte gesehen. Fazit: Zwei Tage reichen für diese Stadt vollkommen, es sei denn, man will sich noch stundenlang in Museen aufhalten oder einen Tag in Liseberg, dem größten Vergnügungspark Skandinaviens, verbringen. Wir hatten dazu keine Lust, also schlugen wir noch ein wenig die Zeit tot, kehrten nahe des Doms nochmal in einem Café ein, bis es schließlich Zeit war, zum Hotel zurückzukehren und mit dem Auto zum Fährterminal der Stena Line zu fahren.
Unser Schiff sollte um 18:45 Uhr abfahren, die Einschiffung startete um 16 Uhr. Nach den Erfahrungen in Travemünde mit der langen Wartezeit hatten wir uns überlegt, dass es vollkommen ausreicht, wenn wir gegen 16 Uhr am Hotel losfahren, zumal die Fahrt bis zum Terminal nur gute zehn Minuten dauert, der Fährhafen liegt 4 km südwestlich der Altstadt. Gesagt, getan. Und so waren wir sehr positiv überrascht, als wir am Terminal ankamen und völlig ohne Wartezeit direkt aufs Schiff fahren konnten!
Kaum in unserer Kabine angekommen, prasselte draußen schon wieder der nächste Starkregen hernieder – aber so richtig! Es gab gar kein Denken daran, nach draußen zu gehen, das Regenwasser stand mehrere Zentimeter hoch auf den Decks. Also erkundeten wir erstmal das Innere des Schiffs. Anders als bei Finnlines fühlten wir uns hier weniger wie auf einer Fähre, die in erster Linie Lkws und ihre Fahrer von A nach B bringt, sondern fast wie auf einem Kreuzfahrtschiff: Es gab mehrere Restaurants, Bars, natürlich einen Shop, aber auch eine Bühne, wo schon jetzt, zwei Stunden vor der Abfahrt, eine Sängerin auftrat. Und sämtliche Plätze in diesem Salon waren besetzt, wofür wohl vor allem die günstigen Preise an der Bar verantwortlich waren 😉
Aber wir hatten mal wieder großes Glück, denn pünktlich zur Abfahrt des Schiffes hörte der Regen auf und so konnten wir doch noch aufs Oberdeck gehen und das Auslaufen von dort beobachten. Die „Stena Germanica“ fuhr auf der Göta in Richtung Kattegat und mitten durch den Göteborg vorgelagerten Schärengarten. So kamen wir nun doch noch zu unserem Schiffsausflug durch die Schären, wenn auch nicht bei Stockholm, sondern bei Göteborg. Es war beeindruckend schön:
Erst spät am Abend kehrten wir ins Schiffsinnere zurück und gönnten uns im Restaurant ein letztes Mal Köttbullar. Zum Abschluss des Tages gab es noch ein Gläschen Wein und Pralinen auf unserer Kabine.
16. Juli: Kiel – Bad Salzschlirf
Land in Sicht! Wir waren extra früh aufgestanden, um auf dem Außendeck die Einfahrt in die Kieler Förde mitzuerleben. Dafür verzichteten wir auch gerne auf das Schlangestehen am Frühstücksbuffet im Schiffsrestaurant, wir hatten noch ein paar Snacks und Obst dabei, außerdem wollten wir später in Kiel frühstücken gehen. Die Einfahrt in die Kieler Förde fühlte sich für mich fast schon wie Heimkommen an: Wir passierten Laboe, Schilksee und all die anderen Orte, die wir bei unserem wunderbaren Ostseeurlaub 2023 besucht hatten. Besonders schön war natürlich der Blick auf die Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals und das Kanalpackhaus, in dem damals „unsere“ Ferienwohnung war (von der wir mittlerweile wissen, dass sie leider nicht mehr angeboten wird, wie schade!). Damals hatten wir die „Stena Germanica“ regelmäßig jeden zweiten Tag an unserem Fenster vorbeifahren sehen, nun waren wir selber an Bord.
Erfreulich schnell ging bei Stena Line auch das Ausschiffen. Wir umrundeten das Kieler Hörn, die Südspitze der Förde, und parkten am Germaniahafen. Hier frühstückten wir lecker mit Blick auf die Hörnbrücke, eine Klappbrücke für Fußgänger, und warfen nochmal einen allerletzten Blick auf unser Schiff am gegenüberliegenden Schwedenkai, bevor wir in Richtung Süden starteten.
Für die letzte Übernachtung auf unserem Weg nach Hause hatte ich mir das Boutique Hotel Badehof in Bad Salzschlirf ausgesucht – einfach deswegen, weil Bad Salzschlirf so ungefähr auf der Hälfte der Strecke liegt und weil das Hotel auf den Bildern im Internet sehr schön aussah, unschlagbar günstig war und zudem über eine Ladesäule verfügte. Die Fahrt dorthin war allerdings mühsam: Zäher Verkehr, viele Staus (obwohl wir den Hamburger Elbtunnel großräumig umfuhren), Baustellen und lange Schlangen an den Ladesäulen unterwegs. Teilweise waren diese Ladeparks auch baulich schlecht organisiert: Stand man in der Warteschlange für die nächste freie Ladesäule, blockierte man unweigerlich die Durchfahrt für alle anderen Fahrzeuge, die die Raststätte einfach nur verlassen wollten. Warum kann man die Ladeparks nicht so anlegen, dass die wartenden E-Autos nicht die Durchfahrt für Verbrenner blockieren? Dazu kommt, dass die meisten Deutschen, wenn sie irgendwo warten müssen, leider nicht so entspannt sind wie die Skandinavier. Da spielten sich Szenen ab, über die wir nur den Kopf schütteln konnten. Aber immerhin konnten wir überall laden und kamen so auch mit voller Batterie am Hotel an – gut so, denn natürlich war auch dort die (vorab reservierte) Ladesäule anderweitig belegt.
Das Hotel selbst entschädigte aber für die Strapazen der Anreise: ein wunderschönes Gebäude mit einem Treppenhaus, bei dem ich mich unweigerlich nach Hogwarts versetzt fühlte! Dazu ein schönes Zimmer und ein tolles Schwimmbad, das wir an diesem Abend natürlich gleich noch aufsuchten. Anschließend aßen wir im Hotelrestaurant zu Abend und machten noch einen Spaziergang durch den Kurpark.
17. Juli: Bad Salzschlirf – München
Auch heute nutzte ich nochmal das schöne Schwimmbad, bevor wir ausgiebig frühstückten und ich zum ersten Mal in meinem Leben einen elektrischen Nutella-Spender bewundern konnte – leider habe ich vergessen, ein Foto davon zu machen. Das Frühstück war ausgesprochen reichhaltig und kam völlig ohne Verpackungsmüll aus, sehr lobenswert!
Auf der Heimfahrt machten wir noch kurz Halt in Bad Brückenau, wo meine Oma früher gelebt hat, einen Ladestopp legten wir kurz vor Bamberg ein, wo wir die Zeit für einen Imbiss bei KFC nutzten. Am frühen Nachmittag erreichten wir heimische Gefilde. Wohlwissend, dass wir zwei Tage später schon wieder nach Frankfurt zur Beerdigung meiner Tante fahren mussten, wollten wir bei Ionity in Parsdorf in unserer Heimatgemeinde nochmal laden – hier scheiterten wir jedoch kläglich, da keine der dortigen Ladesäulen die Ionity-Kundenkarte akzeptieren wollte. So luden wir schließlich zuhause vor unserer Haustür, was wir nur im Ausnahmefall machen, weil wir damit die Durchfahrt für unsere Nachbarn blockieren.
Im Großen und Ganzen hat diese erste Urlaubsreise mit unserem E-Auto aber prima geklappt. Die große Angst der Verbrennerfahrer ist ja immer die vermeintlich kurze Reichweite der E-Autos. Diese Angst kann ich nicht teilen: Wie gesagt, wir machen auf langen Fahrten eh gerne mal Pausen, um aufs Klo zu gehen oder einen Kaffee zu trinken. Viel länger dauert auch das Laden an den Schnellladesäulen nicht. Ich wage sogar die These, dass E-Autofahrer eventuell weniger Unfälle bauen, eben weil sie häufiger Pausen einlegen und es so vielleicht seltener zum gefürchteten Sekundenschlaf auf langen Strecken kommt – gibt es dazu eigentlich schon Untersuchungen? Wir hatten jedenfalls unterwegs nie Schwierigkeiten, Lademöglichkeiten zu finden. Probleme diesbezüglich gab es lediglich bei den Hotels.
Ein paar allgemeine Gedanken zum Thema E-Mobilität
- Warum sind Ladesäulen eigentlich nicht überdacht? Bei Benzin-Tankstellen ist das selbstverständlich, die Fahrer von E-Fahrzeugen müssen im Regen stehen, zumindest, während sie den Ladevorgang starten und beenden.
- Wünschenswert wären auch WCs an Ladeparks. Wir mussten dafür häufiger das nächste Schnellrestauraunt aufsuchen.
- Auch Picknickbereiche neben den Ladesäulen wären toll, so wie es sie an Raststätten und Parkplätzen entlang der Autobahn gibt.
- Praktisch wäre auch, wenn es an Ladeparks ebenso wie an Tankstellen Eimer mit Wischwasser zum Reinigen der Windschutzscheibe gäbe.
- Ein Traum wäre, wenn es nicht zig verschiedene Ladeanbieter gäbe, die jeweils eine eigene App oder Ladekarte haben. Warum nicht einfach mit Kreditkarte zahlen? Das kommt zum Glück inzwischen immer mehr, ist aber noch nicht überall möglich.
- Und apropos Bezahlung: Was an Ladesäulen meist komplett fehlt, ist die Preisanzeige für den Preis pro KWh. An Benzin-Tankstellen undenkbar, da kann man die aktuellen Preise schon von Weitem lesen.
- Das Navi in unserem Skoda zeigte uns glücklicherweise in Echtzeit die Auslastung der nächstgelegenen Ladeparks an, aber auch das kann noch optimiert werden.
Lesetipps zu Schweden
Bekannt sind ja vor allem die eher düsteren Krimis aus Schweden. Die sind leider so gar nicht mein Fall. Aber es gibt zum Glück auch andere Lektüre aus dem Land der Elche 😉 Ein paar Bücher, die ich im Laufe der Jahre gelesen habe, sind hier aufgelistet:
- Heike Abidi: Noch immer Zeit zu lieben
- Sabine Bode: Ich will aber Agneta sein!
- Polyglott: Die schönsten Küstenstädte in Europa
- Jana Fuchs: Dancing Queens
- Gunnar Herrmann: Ein Jahr in Bullerbü
- Ruth Kvarnström-Jones: Stockholm – Die fabelhaften Frauen des Grand Hôtel
- Anna Lönnqvist: Wiedersehen in Stockholm
- Stina Milner: Das Knirschen von Schnee
- Nicole Walter: Nur einen Atemzug entfernt
Viel Spaß beim Lesen und von Schweden träumen!




































































































































































































