Eine von uns

Erstellt am 17.3.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Eine von uns“
von Amelie Fried
Bewertung
★★★★★
Verlag Heyne
Buchform Softcover, E-Book
Erschienen März 2026
Seiten 448
Erhältlich beigenialokal.de

Ich bin ja schon seit langem ein großer Fan der Bücher von Amelie Fried und so war mein Interesse auch diesmal gleich geweckt, als ich den Klappentext zu ihrem neuen Roman las:

„Was wirklich zählt, wenn nichts mehr bleibt.
Nelly hat es geschafft. Sie ist mit dem erfolgreichen Wirtschaftscoach Tom verheiratet, Tochter Cleo steht kurz vor dem Abitur mit Bestnote, die jüngere Schwester Emma überrascht mit ungewöhnlichen Talenten. Ein sorgloses Leben im Überfluss, von Nelly stolz in Szene gesetzt auf ihrem Videoblog ‚Happy wife, happy life!‘ – bis Tom eines Tages schwer verunglückt und sich der ganze Wohlstand als große Illusion entpuppt. Nelly verliert alles. Mit ihren Töchtern muss sie in eine Sozialwohnung ziehen, und schon bald putzt sie die Häuser der Reichen, in denen sie kurz zuvor noch Gast war. Aber sie gibt nicht auf. Mit Mut und Witz kämpft sie sich in ein neues Leben und lernt: Wenn Karma eine Bitch ist, dann schlag zurück.“ (Zitat)

Nelly ist am Anfang des Buches eine nicht unsympathische, aber doch sehr naive, verwöhnte und sorglose Frau, doch der im Klappentext erwähnte Unfall ändert ihr Leben jäh von einem Moment auf den anderen. Seit sie Tom geheiratet hat, musste sie sich nie mehr Gedanken über Geld machen, doch nun steht sie buchstäblich vor dem Nichts, denn Tom hat keinerlei Vorsorge für sie und ihre Töchter getroffen, ganz im Gegenteil: Vor Nelly türmt sich ein riesiger Schuldenberg auf.

Während Nelly noch unter Schock steht und versucht, ihre plötzliche Armut vor ihren Bekannten, die allesamt sehr wohlhabend sind, zu verbergen, gehen ihre Töchter ganz unterschiedlich mit der neuen Situation um: Emma zieht sich immer mehr von der Außenwelt zurück und findet nur noch beim Malen Trost und Freude. Cleo, die Ältere, hingegen will nichts mehr, als zu der coolen Clique der Rich Kids in ihrer exklusiven Privatschule zu gehören. Der Gedanke an ihren Vater, der sie so schmählich im Stich gelassen hat, erfüllt sie mit Wut – Wut, die sie bald kaum noch zügeln kann.

Als ob das alles nicht schon genug wäre, ereilt Nelly plötzlich auch noch ein Hilferuf von ihren Eltern, die in einem Dorf wohnen, das Nelly als junge Braut so schnell wie möglich verlassen hat. Nun muss sie wider Willen zu ihren Eltern fahren und entdeckt, dass diese ganz eigene Probleme haben. Doch Nelly wächst an ihren Aufgaben und entwickelt sich zu einer toughen, selbstständigen Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt – bis sie ein Anruf aus Toms Rehaklinik erreicht …

Das war wieder einmal eine Lektüre, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat. Das Schicksal von Nelly und ihrer Familie hat mich sehr betroffen und nachdenklich gemacht, anders als sie hegte ich aber sofort eine große Abneigung gegen ihre sogenannten Freundinnen, die Mütter der anderen Kinder aus der exklusiven Privatschule. Denn diese Frauen lassen Nelly von Anfang an spüren, dass sie eben keine der titelgebenden „eine von uns“ ist, weil sie nicht so gebildet ist und scheinbar nur das dekorative Anhängsel ihres erfolgreichen Mannes.

Vor allem die ersten Kapitel des Buches haben bei mir ein sehr mulmiges Gefühl hinterlassen und ich machte mir Gedanken über meine eigene finanzielle Absicherung, über Dinge wie Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht, Altersvorsorge usw. Dinge, die gerade für uns Frauen so wichtig sind! Über Nellys verzweifelte Versuche, irgendwie an Geld zu kommen, und vor allem über ihre Träume, dieses dann wieder für Luxusgüter auszugeben, konnte ich nur den Kopf schütteln, dafür bin ich deutlich zu bodenständig. Aber auch Nelly erkennt im Laufe der Geschichte, was wirklich wichtig ist im Leben.

Fazit: Ein aufrüttelndes Thema, ein erschütterndes Schicksal, hochspannend, einfühlsam und unterhaltsam aus den Perspektiven von Nelly, Cleo und Emma geschildert. Lektüre mit Suchtfaktor!

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]