| „Sonne im Gepäck“ | |
| von Tina Herz | |
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Bewertung
★★★★☆
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| Verlag | Heyne |
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| Buchform | Softcover, E-Book |
| Erschienen | März 2026 |
| Seiten | 384 |
| Erhältlich bei | genialokal.de |
Vor gut einem Jahr habe ich „Das Glück in allen Farben“, den Debütroman von Tina Herz, gelesen, der mir sehr gut gefallen hat. Es geht darin um Valerie und Tom, die unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch leiden. Trotz des ernsten Themas war diese Geschichte sehr unterhaltsam und so freute ich mich sehr, als ich erfuhr, dass nun mit „Sonne im Gepäck“ eine Fortsetzung erschienen ist.
Mittlerweile sind Valerie und Tom stolze Eltern von eineinhalbjährigen Zwillingen. Aus der ersten Euphorie über die lang ersehnte und nun endlich geglückte Schwangerschaft ist längst Ernüchterung geworden: Der Alltag mit zwei lebhaften Kleinkindern ist extrem herausfordernd. Vor allem Valerie hat das Gefühl, dass die meiste Arbeit an ihr hängenbleibt, dabei ist sie ebenso wie Tom berufstätig und eigentlich wollten sie sich die Kinderbetreuung und den Haushalt gerecht teilen.
Mit dem Kulturprojekt, für das beide sich engagieren, soll es nun auf eine mehrmonatige Europareise gehen, um den „Culture Castle Club“ in Versailles, Bordeaux, Bilbao, Madrid und Lissabon bekannt zu machen. Doch wie soll das klappen, mit zwei kleinen Kindern? Valerie hat wenig Lust, mit den Zwillingen daheim zu bleiben und Tom alleine losziehen zu lassen. Sie will mit, schließlich hat gerade sie maßgeblich zu dem Projekt beigetragen.
Also beschließen sie, die Reise gemeinsam anzutreten und zwar in einem Camper, weil ihnen das mit den Kleinkindern praktischer erscheint als ständig wechselnde Hotels und dazwischen lange Flüge oder Zugfahrten. Doch die Realität sieht anders aus: In dem Wohnmobil ist es so eng, dass das Zusammenleben der Familie auf eine harte Probe gestellt wird. Erst recht bei Dauerregen oder als nacheinander erst Tom, dann Valerie erkranken. Und so ist Valerie wieder einmal frustriert, weil sie das Gefühl hat, nur noch mit den Kindern im Camper zu hocken, während Tom sich voller Eifer ins Projekt stürzt und dabei verdächtig oft mit Kollegin Ida zusammen ist …
Ganz ehrlich? Vor allem am Anfang der Lektüre fühlte ich mich selbst ziemlich gestresst. Das lag nicht an den Zwillingen, deren Betreuung natürlich anstrengend ist, sondern vor allem an Valerie, die permanent unter Strom steht, weil sie alles perfekt machen will, an sich selbst und auch an ihre Mitmenschen zu hohe Anforderungen stellt. Die Art und Weise, wie sie ihren Mann anblafft, fand ich teilweise ziemlich heftig. Wobei ich schon nachvollziehen konnte, dass gerade Toms Gelassenheit sie oft gehörig auf die Palme gebracht hat. Was mir vor allem im ersten Teil des Buches sehr gefehlt hat, war eine Schilderung der – zum Glück ja noch vorhandenen – liebevollen Gefühle füreinander und für ihre Kinder, die immer nur als Störenfriede dargestellt wurden. Zum Glück ändert sich das aber im Lauf der Geschichte.
Es geht in dem Roman viel um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, um Work-Life-Balance, um Perfektionismus, aber eben auch ums Loslassen, um Vertrauen, um das Abgeben von Verantwortung, um Verständnis füreinander – und das alles vor traumhafter Kulisse, die mir persönlich große Lust gemacht hat, die genannten Orte auch mal (wieder) zu besuchen – vielleicht sogar im Camper, aber dann nur zu zweit, nicht zu viert 😉
[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]


