Sommertage am Meer

Erstellt am 17.4.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Sommertage am Meer“
von Roberta Gregorio
Bewertung
★★★★★
Verlag Ullstein
Buchform Softcover, E-Book
Erschienen März 2026
Seiten 400
Erhältlich beigenialokal.de

Von Roberta Gregorio habe ich schon mehrere Romane gelesen, die mir allesamt gut gefallen haben, aber dieser hat sie alle übertroffen: Ich habe gelacht, geweint, mitgelitten, mich mitgefreut – und einen Vormittag alles andere stehen und liegen lassen, weil es viel wichtiger war, dieses Buch zu Ende zu lesen, während ich gleichzeitig nicht wollte, dass es endet.

Doch der Reihe nach: Dafne und Amelia sind zwei mittlerweile erwachsene Schwestern, die seit Jahren keinen Kontakt mehr haben. Dafne lebt mit Mann und Kind bei Mailand, Amelia in Bologna. Schon früh im Roman wird klar, dass in der Vergangenheit etwas vorgefallen sein muss, das die beiden entzweit hat. Doch dann erfahren sie, dass ihre Großtante Carmen gestorben ist und sie werden beide zur Testamentseröffnung nach Positano geladen.

Früher haben Dafne und Amelia jeden Sommer in Positano an der Amalfiküste verbracht, wo Carmen ein Strandbad betrieb. Genau dieses Strandbad vermacht sie nun den beiden Schwestern – unter der Bedingung, dass sie zunächst einen Sommer lang gemeinsam dort arbeiten. Wohl oder übel müssen die Schwestern sich also zusammenraufen. Die Arbeit im Strandbad ist ihnen von Kindesbeinen an vertraut und je länger sie in Positano sind, umso deutlicher kommen die Erinnerungen hoch an unbeschwerte Kindertage, Jugendträume und ein dramatisches Ereignis, das alles verändert hat.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Dafnes und Amelias Sicht erzählt, so dass man sich in beide Frauen gut hineinversetzen kann. Obwohl da etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen steht, ahnt man doch von Anfang an die tiefe Verbundenheit, die zwischen den Schwestern früher einmal bestanden hat und noch immer da ist, obwohl sie sich dagegen wehren. Wie heißt es so schön im Buch?

„Die gemeinsame Vergangenheit konnte ihnen niemand nehmen, nicht einmal sie selbst.“ (Zitat).

Eingestreut in die Gegenwartsgeschichte sind, wieder abwechselnd aus Dafnes und Amelias Perspektive geschildert, die Erinnerungen an die Sommer von früher, angefangen vom ersten gemeinsamen Urlaub in Positano über Kindheitserlebnisse und Jugendabenteuer bis hin zu den Geschehnissen, als die beiden Schwestern gerade an der Schwelle zum Erwachsenenleben stehen.

Dabei lernt man Positano früher und heute so intensiv kennen, atmet förmlich die Atmosphäre dieses schönen Urlaubsortes, als wäre man selbst vor Ort, ginge neben den Schwestern die steilen Gassen zum Strand hinunter, blicke neben ihnen aufs Meer hinaus. Ich konnte den Sommer in der Geschichte förmlich riechen, den Duft von Meer, Sonnenmilch, Eiscreme, Pizza und Meeresfrüchten.

Nach einer Weile ahnte ich zwar schon, welcher Art das schlimme Ereignis sein könnte, das die beiden Schwestern entzweit, doch als es dann tatsächlich so eintraf, habe ich trotzdem Rotz und Wasser geheult und war tief bewegt.

Über allen Geschehnissen im Buch steht die große Liebe zum Meer in all seinen Facetten und Nuancen, mit seiner Unendlichkeit und Unergründlichkeit, mit seiner beruhigenden, ja heilenden Wirkung – deshalb an dieser Stelle auch noch ein großes Lob an den Verlag für die ganz wunderbare Covergestaltung.

Ich habe dieses Buch geliebt und bin nun, wo ich es beendet habe, erstmal unfähig, ein neues Buch anzufangen, sondern muss dieses hier erst noch eine Weile nachwirken lassen. Glücklich, wer diesen Roman in einem Liegestuhl irgendwo am Mittelmeer lesen kann, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Auch daheim, während der Regen an die Fensterscheiben prasselt, entfaltet diese Geschichte ihre ganze zauberhafte Wirkung. Ganz große Leseempfehlung!

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]