Kein Sommer ohne August

Erstellt am 2.6.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Kein Sommer ohne August“
von Lucy Astner
Bewertung
★★★★☆
Verlag Lübbe
Buchform Softcover, E-Book
Erschienen Juni 2026
Seiten 416
Erhältlich beigenialokal.de

Auf diesen Roman wurde ich durch das wunderschöne Cover aufmerksam und durch das Wortspiel im Titel, denn in diesem Fall handelt es sich bei August nicht um den Monat, sondern um einen der beiden Protagonisten dieser Geschichte.

Hauptperson ist aber Charlotte, genannt Charlie, 32, die ein zurückgezogenes Leben in London führt, bis sie eines Tages die Nachricht erhält, dass in ihrem Heimatort Liberty Beach / USA ihre alte „Ziehoma“ Molly Green verstorben ist und ihr, Charlie, ihre Buchhandlung „One Last Chapter“ vermacht hat. Vor zehn Jahren hat Charlie Liberty Beach Hals über Kopf verlassen und alle Kontakte zu ihrer alten Heimat abgebrochen. Aber nun muss sie zurückkehren und trifft dort auf Mollys Enkel August – jenen August, den sie vor 21 Jahren in Liberty Beach kennengelernt und seitdem nie vergessen hat.

In Rückblicken werden die zwölf Sommer aus Charlies und Augusts Kindheit und Jugend erzählt: ihre erste Begegnung als Elfjährige in Mollys Buchladen, ihre vorsichtige Annäherung, die ganz besondere Freundschaft zweiter Kinder, die sich jedes Jahr nur drei Wochen im Sommer sehen, weil August mit seinen Eltern in New York wohnt. Wenn sie sich nicht sehen können, schreiben sie sich und erzählen sich gegenseitig Geschichten, für die August jeweils den Anfang, Charlie das Ende schreibt.

Charlie wächst in schwierigen Verhältnissen mit ihrer alleinerziehenden labilen Mutter auf und muss viel zu früh schon selbst Verantwortung übernehmen. In Mollys Buchhandlung findet sie zum ersten Mal so etwas wie ein richtiges Zuhause. Doch einen Satz ihrer Mutter hat sie verinnerlicht:

»Die Liebe ist wie eine Rolltreppe: Sobald du einen Fuß auf die erste Stufe gesetzt hast, hast du keine Möglichkeit mehr, umzukehren und deinen Arsch zu retten.« So in etwa hatte Mom mir die Sache mit der Liebe in den vergangenen Jahren schon häufig zu erklären versucht. Cassie verliebte sich so regelmäßig, wie andere Leute ihre Bettwäsche wechselten, und jedes Mal, wenn ihr das Herz gebrochen wurde, nahm sie mir das Versprechen ab, die verfluchte Rolltreppe überhaupt niemals zu betreten. (Zitat)

Und so will Charlie lange nicht wahrhaben, dass ihre Gefühle für August sich langsam wandeln, von der Kinderfreundschaft hin zur ersten großen Liebe. Über viele Jahre hin stehen sich die beiden selbst im Weg oder das Schicksal schlägt erbarmungslos zu und sorgt dafür, dass aus den beiden kein Paar wird. Bis es schließlich zu einem Ereignis kommt, das im Buch lange Zeit nur als Verrat bezeichnet wird und Charlie dazu bringt, Liberty Beach den Rücken zu kehren. Doch nun muss sie sich ihren Erinnerungen und ihren Gefühlen stellen, sich überlegen, was sie mit Mollys Erbe anfängt und vor allem, wie sie künftig mit August umgeht.

Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich so richtig in die Geschichte hinein gekommen bin, was aber eher an mir lag und daran, dass ich durch eigene familiäre Sorgen abgelenkt war. Die Schilderungen der vergangenen Sommer waren zwar einerseits sehr atmosphärisch beschrieben, mir persönlich aber ein wenig zu lang und ausschweifend.

In der zweiten Hälfte des Romans änderte sich das und ich habe die Geschichte sehr gespannt weiter verfolgt. Je weiter die Schilderung der vergangenen Sommer voranschritt, umso mehr konnte man erahnen, dass es eine gravierende Ursache für Charlies Flucht aus ihrer Heimat geben musste. Dabei war die Anziehung zwischen Charlie und August immer spürbar und ich habe mitgefiebert und mitgebangt, ob die beiden nun endlich, endlich zusammenkommen.

Kurz vor dem Ende hat mich Charlies Verhalten dann nochmal mächtig enttäuscht, weil sie in alte Muster verfällt, als ob sie in den vergangenen Jahren nichts dazu gelernt hätte. Doch zum Glück kommt die Geschichte dann doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss und hat letztendlich in mir noch lange nachgehallt.

Vom Grundthema her – zwei Personen, die früher ganz eng miteinander waren, bis es zum großen Zerwürfnis kam, dann ein Erbe, das die beiden zwingt, wieder miteinander zu sprechen, und in Rückblenden erzählte vergangene Sommertage – hat mich dieser Roman an „Sommertage am Meer“ von Roberta Gregorio erinnert, das ich erst kürzlich mit großer Begeisterung gelesen habe. Doch die Grundstimmung in beiden Büchern ist komplett unterschiedlich, es herrscht eine ganz andere Atmosphäre: hier USA, dort Italien. Insofern sind die beiden Bücher trotz des ähnlichen Themas nicht wirklich vergleichbar.

Letztlich hat mir dieser Roman sehr gut gefallen und lange nachgewirkt, für den fünften Stern fehlte mir zwischendurch aber ein wenig das Tempo. Dennoch eine Lektüre, die ich gerne weiterempfehle.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]