Tod im Schatten der Tower Bridge

Erstellt am 23.2.21. Kategorie: Buchrezensionen
„Tod im Schatten der Tower Bridge“
von Emma Goodwyn
Bewertung
★★★★★
Verlag tolino media
Buchform eBook
Erschienen Juni 2016
Seiten 232
Erhältlich beiBuchladen Vaterstetten

Seit ich die Cosy Crime-Reihe rund um Beefeater John Mackenzie für mich entdeckt habe, bin ich regelrecht süchtig nach diesen Büchern. Ich habe aber auch noch einiges aufzuholen, denn seit im Februar 2016 der erste Band erschienen ist, war die Autorin Emma Goodwyn fleißig: Kürzlich kam nun Band 9 auf den Markt. Ich lese aber brav der Reihe nach und habe jetzt Band 4 beendet. Das Schöne: Völlig unerwartet war diese Geschichte auch noch die perfekte Ergänzung zu einem anderen Buch einer anderen Autorin, das ich erst kürzlich gelesen habe, nämlich „Das Geheimnis der Themse“ von Susanne Goga.

Diesmal schnuppert John Bühnenluft, denn seine Nichte Renie hat es sich in den Kopf gesetzt, Schauspielerin zu werden. Deshalb besucht sie einen Kurs bei Schauspieler Chris Fuller, der sie und die anderen Kursteilnehmer auf die Aufnahmeprüfung am Drama Centre vorbereiten soll. John selbst wird auch gleich mit verpflichtet: Da er wegen eines Kreuzbandrisses gerade nicht in seinem Beruf als Yeoman Warder im Tower of London arbeiten kann, hat er viel Zeit und willigt ein, den jungen Schauspielschülern mit Entspannungsübungen und Coachings hilfreich zur Seite zu stehen, schließlich war er früher einmal Militärpsychologe.

Die Begeisterung der jungen Leute ist groß, als sie engagiert werden, an Bord eines Themse-Ausflugsschiffes einige Szenen aus Shakespeares Drama „Henry VIII“ zu spielen. Doch nach der gelungenen Premiere liegt eine der Darstellerinnen, Veronica, plötzlich tot in der Garderobe. Für die Polizei ist schnell klar: Veronica hat zu viele Medikamente eingenommen, die zu einem Atemstillstand geführt haben. Auch Veronicas Familie, mit der sie schon vor vielen Jahren gebrochen hat, scheint nicht an einer weiteren Untersuchung interessiert, für sie ist die Hauptsache, dass es keinen öffentlichen Skandal gibt.

Aber Renie wäre nicht Renie, wenn sie sich damit zufrieden geben würde. Und so beginnt sie mit Johns Hilfe, auf eigene Faust zu ermitteln. Und es gibt eine ganze Menge Leute, die ein Motiv für einen Mord hätten, denn Veronica war alles andere als beliebt unter den Schauspielschülern. Leider müssen John und Renie diesmal auf Infos von Johns ungeliebtem Cousin Simon, der bei Scotland Yard arbeitet, verzichten, denn der ist gerade auf einer Fortbildung. Doch als er selbst Johns Hilfe braucht, nutzt John die Gelegenheit, Simon zumindest aus der Ferne einzuspannen. Beinahe zu spät kommt der entscheidende Hinweis, denn bei der nächsten Aufführung auf dem Themse-Schiff wird es nicht nur auf der Bühne dramatisch…

Ich habe den Krimi wieder einmal in einem Rutsch durchgelesen, weil ich ihn so spannend fand. Geschickt hat die Autorin einige falsche Fährten gelegt, so hatte ich anfangs erst ein paar ganz andere Verdächtige ausgemacht und die Auflösung war für mich richtig überraschend. Daneben war es einfach schön, John Mackenzie und seine Familie quasi „wiederzusehen“, sie sind mir allesamt schon richtig ans Herz gewachsen.

Ein netter Fun Fact am Rande ist eine Szene, in der John sich mit einer Archäologin unterhält, die  die Funde am Themseufer untersucht. Das erinnerte mich sehr an den Roman „Das Geheimnis der Themse“, der 1894 in London spielt. Dort kommen auch mehrere Strandsucher („mudlarks“) vor, die bei Ebbe am Themseufer nach Münzen und ähnlichen Schätzen suchen, die sie zu Geld machen können. Auch heute noch wird am Flussufer neben Müll viel Wertvolles angespült: „Da der Fluss (…) dem Gezeitenwechsel der Nordsee unterworfen war, schwankte der Wasserstand in der Hauptstadt zweimal täglich um bis zu zwanzig Fuß. Die ungeheuren Kräfte der Strömung, die sich durch das Flussbett wälzten, sorgten an seinen Rändern beständig für neue Ablagerungen und machten aus der Themse eine wahre Fundgrube für Relikte aus allen Epochen“ (Zitat). Manchmal kann sich aber selbst im Müll ein entscheidender Hinweis verbergen, der bei der Aufklärung eines Mordfalls hilft.

So war dieser Krimi nicht nur unterhaltsam, sondern auch noch eine schöne Ergänzung zu meiner vorherigen Lektüre. Was will man mehr? Na klar: weiterlesen natürlich! Deshalb geht es hier gleich morgen auch schon weiter mit der Rezension zu Band 5, „Tod in Westminster“, außerdem stelle ich Euch hier die Krimireihe ganz allgemein näher vor.