Tod im House of Lords

Erstellt am 24.1.22. Kategorie: Buchrezensionen
„Tod im House of Lords“
von Emma Goodwyn
Bewertung
★★★★★
Verlag tolino media
Buchform eBook
Erschienen Februar 2020
Seiten 300
Erhältlich beiAP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Nachdem ich jetzt im Januar endlich mal Zeit habe, mich meinem Stapel ungelesener Bücher zu widmen und gerade eben mit Begeisterung „Tod in Tintagel“ verschlungen habe, konnte ich gleich im Anschluss mit dem nächsten Band der von mir so geliebten Krimireihe rund um Beefeater John Mackenzie weitermachen. Diesmal hat er es sowohl mit einer ganz aktuellen Leiche zu tun als auch mit einer, die schon 500 Jahre alt ist.

Auf dem Gelände des Tower of London soll eine neue Voliere für die berühmten Raben entstehen. Doch bei den Grabungsarbeiten werden Knochen gefunden, die offenbar schon sehr alt sind und von einem oder gar zwei Kindern stammen. Die Aufregung ist groß: Handelt es sich dabei um die Gebeine der beiden Prinzen Edward und Richard, die Söhne von Edward IV., die hier um 1483 nicht ganz freiwillig lebten und vermutlich auch im Tower ums Leben kamen? Das Schicksal der „Prinzen im Tower“, die damals erst etwa neun und zwölf Jahre alt waren, ist bis heute ungeklärt, viele Mythen ranken sich um ihre Geschichte. Kein Wunder also, dass fortan Medienvertreter aus aller Welt den Tower belagern und die Beefeater alle Hände voll zu tun haben.

Johns Nichte Renie hat derweil mal wieder einen neuen Job: Nach den Ereignissen im siebten Band ist sie ihre Stelle als Trainee beim „Guardian“ los, dennoch will sie in London Journalistik studieren. Bis das Semester beginnt, arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Bibliothek der Houses of Parliament. Und Renie wäre nicht Renie, wenn sie nicht auch dort schon bald auf Ungereimtheiten stoßen würde: Eines Tages erleidet Steve, einer der Hauselektriker, einen tödlichen Stromschlag. Renie kann nicht glauben, dass es sich um einen Unfall handelt, dazu war Steve immer viel zu gewissenhaft. Ihre Theorie: Steve muss etwas erfahren haben, was ihn in tödliche Gefahr gebracht hat. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und stößt auf einen Sumpf aus Korruption und Vetternwirtschaft.

Währenddessen muss John eine lästige Verehrerin abwimmeln, seine Beziehung zu Pauline retten und für ein anderes Familienmitglied Amor spielen, den wegen der Knochenfunde erbosten Ravenmaster George beruhigen und zwischen seinem Cousin Simon und dem Chefhistoriker des Towers, Dr. Whyte, vermitteln, die sich um den vordersten Platz im Rampenlicht streiten. Doch alles andere wird unwichtig, als Renie plötzlich spurlos verschwindet…

Wie immer bei dieser Krimireihe hab ich mich beim Lesen gleich wie zuhause gefühlt, so anschaulich ist alles geschildert und so vertraut ist mir der Mackenzie-Clan inzwischen geworden. Die Lektüre enthält diesmal eine spannende Führung hinter die Kulissen der Houses of Parliament, die während der Entstehung dieses Krimis noch munter vor sich hin bröckelten. Mittlerweile wurde die dringend nötige Renovierung des Westminster-Palastes nicht nur endlich beschlossen, sondern auch angegangen, weswegen der berühmte Glockenturm mit dem Big Ben bei unserem Besuch 2019 auch komplett eingerüstet war.

Daneben gibt es auch wieder Spannendes aus der Geschichte Londons und des Towers zu erfahren. Die im Krimi beschriebenen Knochenfunde beleuchten ja das Schicksal der beiden Prinzen Edward und Richard, aber natürlich gibt es dabei auch immer wieder Verweise auf König Richard III.: Das ist nicht nur der König, der die beiden Prinzen im Tower festgesetzt hatte, sondern auch derjenige, dessen Gebeine 2012 unter einem Supermarktparkplatz in Leicester entdeckt wurden, was natürlich ein gewaltiges Medienecho hervorrief. Das hatte ich zwar seinerzeit mitbekommen, jetzt aber, angeregt durch den Krimi, nochmal genauer nachgelesen.

So habe ich bei der Lektüre des Krimis wieder einmal viel gelernt, mich vor allem aber wieder bestens unterhalten – und nach dem Ende dieses Bandes gleich nahtlos mit dem Folgeband „Tod auf dem Campus“ weitergemacht.