| „Achtsam jammern“ | |
| von Heike Abidi & Daniela Nagel | |
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Bewertung
★★★★★
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| Verlag | Goldegg |
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| Buchform | Softcover |
| Erschienen | März 2026 |
| Seiten | 220 |
| Erhältlich bei | genialokal.de |
Ich halte mich selbst eigentlich nicht für jemanden, der allzu oft ausufernd jammert, wenngleich es natürlich auch mir gut tut, wenn ich mich ab und zu mal über etwas, das mich geärgert hat, gründlich ausk… kann. Was mich aber oft nervt und seelisch runterzieht, ist, wenn andere Leute mich ständig volljammern. Ich habe im Bekanntenkreis leider so einige dieser Menschen, die zwar gerne jammern, aber im Grunde gar nichts an ihrer Situation ändern wollen, und solche, die von Natur aus eher negativ veranlagt sind und allein deshalb schon ständig etwas zu jammern haben. Aus purer Höflichkeit fällt es mir da oft schwer, rechtzeitig Grenzen zu setzen.
Deshalb war ich gleich interessiert, als mir die beiden Autorinnen Daniela Nagel und Heike Abidi auf der letzten Frankfurter Buchmesse von ihrem gemeinsamen Buchprojekt erzählten. Anfang März ist das Buch nun erschienen und ich habe es mit großem Interesse gelesen. Was auf den ersten Blick auffällt, sind die vielen lustigen Illustrationen, die sich durch das ganze Buch ziehen und schon signalisieren, dass sich die Lektüre recht leicht und unterhaltsam liest – ohne aber dabei den gebotenen Ernst und Tiefgang zu verlieren.
In fünf Kapiteln plus Vor- und Nachwort gehen die beiden Autorinnen dem Phänomen Jammern auf den Grund. Sie machen dabei sehr deutlich, dass sie das Jammern nicht generell verurteilen, schließlich erfüllt es doch oft auch den wichtigen Zweck eines Ventils, um Frust loszuwerden, oder um sich mit Personen in gleicher Situation auszutauschen. Und oft ist es auch einfach nur ein Aufhänger für Smalltalk, z.B. das Jammern übers Wetter.
Was allerdings nicht passieren sollte, ist, dass man in einer Jammerspirale gefangen bleibt, negative Gedanken einen immer noch mehr runterziehen und man damit nach und nach selbst die geduldigsten Zuhörer*innen vergrault. Anhand vieler praktischer Beispiele zeigen die Autorinnen auf, wie man den ganz persönlichen Ursachen fürs Jammern auf den Grund geht und was man stattdessen tun kann, um seine Bedürfnisse zu stillen.
Ebenso geben sie praktikable Tipps, wie man als Zuhörer*in damit umgeht, wenn andere einem etwas vorjammern. Dazu wird zwischen verschiedenen Jammer-Typen unterschieden und ihren Gründen fürs Jammern auf den Grund gegangen. Oft genug ist das Jammern ja nur ein Heischen nach Aufmerksamkeit, manchmal aber auch ein richtiger Konkurrenzkampf („mir geht es noch viel schlechter als Dir!“). Und natürlich gibt es auch jammernde Menschen, die aufgrund einer persönlichen Krise gerade wirklich Grund zum Klagen haben und aufrichtigen Trost und Zuwendung benötigen.
Ich habe hier so manche Anregung für mich mitgenommen, wie ich künftig mit solchen Situationen im Verwandten- und Bekanntenkreis besser umgehen kann. Dazu gehören auch der im Buch enthaltene Jammertypen-Test, ein Jammertal-Bullshit-Bingo, die Übersetzungshilfe Jammerisch – Deutsch, ein Kartenset zum Kopieren und Ausschneiden und ein Ausflug ins musikalische Jammern, von Klagegesängen über Blues bis hin zum Fado.
Letztlich geht es in diesem Sachbuch auch viel um positive Kommunikation, die wir ja schließlich alle im Leben gut gebrauchen können. Deshalb ist dieses Buch also nicht nur für Jammerlappen und Menschen, die unter solchen leiden, geeignet, sondern für alle Leser*innen, die sich für achtsame Kommunikation interessieren.
Von den beiden Autorinnen habe ich schon mehrere Romane gelesen, die mir allesamt gut gefallen haben. Von Heike Abidi z.B. „Noch immer Zeit zu lieben“ und unter dem Pseudonym Anna Paulsen „Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen“. Daniela Nagel schreibt auch unter dem Pseudonym Marie Adams, von ihr habe ich „Der kleine Buchladen der guten Wünsche“ und zuletzt „Die Bibliothek der zweiten Chancen“ gelesen. „Achtsam jammern“ ist mein erstes Sachbuch der beiden, aber wie bereits erwähnt, liest es sich ähnlich unterhaltsam und kurzweilig wie ein Roman.
[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]


