Das Geheimnis der Frauen

Erstellt am 30.6.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Das Geheimnis der Frauen“
von Sonja Roos
Bewertung
★★★★★
Verlag Goldmann
Buchform Softcover, E-Book
Erschienen Juni 2026
Seiten 448
Erhältlich beigenialokal.de

Was für eine spannende, aufwühlende Geschichte! Auf dieses Buch wurde ich durch die Verlagsvorschau des Goldmann-Verlags aufmerksam und der Klappentext hat mich gleich angesprochen. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, zum einen in den Jahren 1945 bis 1947, also in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs und in der Zeit unmittelbar nach Kriegsende, zum anderen im Jahr 2014, gewissermaßen in der Gegenwart.

Hauptperson im Jahr 2014 ist die Köchin Lulu. Job weg, Freund weg – mit 34 Jahren kehrt sie zurück in ihr Heimatdorf Giesenbach im Westerwald. Hier haben ihre Eltern und vor ihnen etliche frühere Generationen der Familie den Dorfkrug geführt, ein einfaches, bodenständiges Lokal, den Treffpunkt des Ortes. Doch nun ist der Dorfkrug geschlossen, weil Lulus Eltern die Arbeit zu anstrengend wird. Lulu entschließt sich, das Lokal zu modernisieren und wieder zu eröffnen. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Schwester Malin und ihrem Opa Max. Zufällig stoßen die Schwestern bei Max auf einen ganzen Stapel alter Briefe, die in England abgeschickt wurden und allesamt ungeöffnet blieben. Max‘ heftige Reaktion auf diese Entdeckung macht die Schwestern neugierig.

Parallel dazu wird die Geschichte der beiden Schwestern Hanni und Grete im Jahr 1945 erzählt. Grete ist die Mutter von Max, sein Vater ist Soldat im Krieg und auch sonst sind im Dorf keine Männer mehr, sie sind entweder auf dem Schlachtfeld oder bereits gefallen. Die Frauen müssen alleine zurechtkommen, Hanni und Grete führen den Dorfkrug, so gut sie können.

Nach einem Fliegerangriff der Alliierten macht die Nachricht eines abgestürzten britischen Piloten die Runde. Die SS durchkämmt die Gegend und zwingt die Frauen des Dorfes, bei der Suche zu helfen. Und so entdeckt Hanni den britischen Piloten James, bringt es aber nicht über sich, ihn zu verraten, sondern versteckt ihn im Keller des Dorfkruges. Es bleibt nicht aus, dass die anderen Frauen im Dorf davon erfahren, doch Hanni gelingt es, sie alle davon zu überzeugen, dass sie den Mund halten – doch die Gefahr der Entdeckung ist riesig. Werden alle Frauen dichthalten?

Der Roman wechselt jeweils von einem Kapitel zum nächsten die Zeitebene, so dass es immer spannend bleibt. Während Lulu und Malin bei ihren Nachforschungen 2014 noch lange im Dunkeln tappen und nicht nur bei Max auf Schweigen stoßen, erfährt man als Leser*in in den Kapiteln aus dem Jahr 1945 nach und nach, welche tragischen Ereignisse sich in dem (fiktiven) Dorf Giesenbach in den letzten Kriegstagen zugetragen haben – Ereignisse, die schließlich auch Hanni und Grete entzweien und dafür sorgen, dass Max sein Leben lang über die Ereignisse schweigt, die er als kleiner Junge miterleben musste.

Wie eingangs geschrieben, war die Handlung extrem spannend und – zumindest was den Vergangenheitsteil angeht – auch sehr bedrückend. Auch wenn die Geschichte fiktiv ist, so haben sich doch solche und ganz ähnliche Schicksale in jener Zeit massenhaft zugetragen und ich musste beim Lesen sehr oft denken: Nie, nie wieder! Nie mehr Krieg, nie mehr Nationalsozialismus – und keine Stimme für die AfD!

Ich habe den Roman förmlich verschlungen und das Schicksal von Hanni, Grete und Max hat mich auch dann beschäftigt, wenn ich gerade einmal nicht weiterlesen konnte. Ein Buch mit Sogwirkung, das mich auch nach dem Ende nicht losgelassen hat und das ich aus vollstem Herzen empfehlen kann.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]