Rufmord, Rache und Rosé

Erstellt am 16.6.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Rufmord, Rache und Rosé“
von Sophie Hénaff
Bewertung
★★☆☆☆
Verlag Penguin
Buchform Softcover, E-Book
Erschienen Juni 2026
Seiten 352
Erhältlich beigenialokal.de

Auf diesen Krimi wurde ich durch den Titel und das Cover mit dem Pariser Eiffelturm aufmerksam. Auch der Klappentext las sich höchst vielversprechend und beschrieb die Lektüre als „Auftakt einer neuen Pariser Krimireihe – originell, spannend und zum Schießen komisch!“ Das weckte meine Neugier, so dass ich ein Rezensionsexemplar anfragte und dankenswerterweise auch erhielt.

Im Buch geht es um eine ganz besondere Abteilung der Pariser Polizei, nämlich die sogenannte Promi-Brigade. Dort werden Kriminalfälle behandelt, in die Prominente verwickelt sind. Neben der üblichen Polizeiarbeit ist hier besonderes Fingerspitzenfühl nötig, aber auch die Fähigkeit, dem Druck der Öffentlichkeit, der Fans und der (Klatsch-)Presse standzuhalten.

Wer könnte solch eine Einheit besser leiten als die erfahrene Polizistin Cathy Martini? Sie ist selbst die geschiedene Witwe eines bekannten Sängers und gänzlich unbeeindruckt vom Gehabe mancher Promis – ganz im Gegensatz zu Titan Weber, ihrem jungen neuen Mitarbeiter. Titan schreckt nicht davor zurück, mitten in der Zeugenbefragung auch mal sein Autogrammbuch oder den Selfie-Stick zu zücken, er zeigt eine nahezu kindliche Verklärung von allem, was berühmt ist.

Martinis Ermahnungen helfen da gar nichts, aber schon bald stellt sie fest, dass Titan ihr durchaus nützlich sein kann. Vor allem im aktuellen Fall: Die bekannte Schauspielerin Flore Yozabal wurde entführt – und die war seinerzeit ausgerechnet die Geliebte von Martinis Mann! Kein Wunder also, dass der Ermittlerin vorgeworfen wird, sie hätte gar kein echtes Interesse an der Aufklärung dieses Falls. Doch ganz im Gegenteil ist Martinis Spürsinn sogar deutlich schärfer als der ihrer Mitarbeiter, die auf ein schnelles Ermittlungsergebnis aus sind. Als in Flores Umfeld gleich zwei Tote gefunden werden, nimmt der Fall deutlich an Fahrt auf …

Ehrlich gesagt hatte ich von Anfang an Probleme, so richtig in die Geschichte hineinzufinden. Vielleicht waren es zu viele Orts- und Personennamen auf einmal, die es mir schwer machten, mich so richtig „einzuklinken“. Vor allem Cathy Martini blieb mir bis zuletzt fremd, was vielleicht auch daran lag, dass sie im Buch fast ausschließlich bei ihrem Nachnamen genannt wird, was automatisch eine gewisse Distanz schuf.

Einzelne Kapitel sind auch aus Sicht anderer Personen geschrieben, so konnte ich am ehesten noch eine Bindung zu Titan Weber aufbauen. Der wird ja zu Beginn als Martinis Side-Kick geschildert, was lustig sein soll, von mir aber eher als nervig empfunden wurde. Das „zum Schießen Komische“, mit dem das Buch angepriesen wurde, fehlt mir in der Geschichte völlig.

Was ich aber bekommen habe, ist ein solider Krimi mit einem Kriminalfall, in dem vieles nicht so ist, wie es zunächst erscheint, was letztlich doch für Spannung sorgt. So entwickelte die Handlung dann zumindest in der zweiten Hälfte eine gewisse Sogwirkung auf mich und ich war gespannt auf die Auflösung. Durch die erste Buchhälfte musste ich mich allerdings ziemlich durchkämpfen und für mich steht daher jetzt schon fest, dass ich die angekündigten Folgebände dieser neuen Krimireihe wohl eher nicht lesen werde.

Die Autorin Sophie Hénaff ist außerdem Journalistin, Kolumnistin und Übersetzerin. Einige ihrer Bücher wurden bereits für das französische Fernsehen verfilmt. Es ist also sehr gut möglich, dass ihr Schreibstil und ihre Art von Humor bei anderen Leser*innen sehr viel besser ankommen als bei mir.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]