| „Das Geschenk“ | |
| von Gaea Schoeters | |
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Bewertung
★★★★★
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| Verlag | Zsolnay |
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| Buchform | Hardcover, E-Book, Hörbuch |
| Erschienen | Juli 2025 |
| Seiten | 139 |
| Erhältlich bei | genialokal.de |
Dieser Roman stand schon länger auf meiner Wunschliste. Bereits zur Veröffentlichung im vergangenen Juli hatte ich viel Gutes von diesem Buch gehört, dann empfahl es auch Ulrike Wolz in ihrer letzten Buchpräsentation im Herbst, doch leider hatte mir bislang immer die Zeit dafür gefehlt. Nun wurde das Buch kürzlich ins Sortiment der Onleihe aufgenommen und so konnte ich mir das E-Book ausleihen. Tja, und was soll ich sagen? Ich habe es an nur einem Nachmittag in einem Rutsch ausgelesen.
Der deutsche Bundeskanzler, der im Buch Hans Christian Winkler heißt, sieht sich mit einem außergewöhnlichen Problem konfrontiert: Über Nacht tauchen in Berlin 20.000 Elefanten auf – ein „Geschenk“ des Präsidenten von Botswana, der damit auf Verschärfungen der deutschen Einfuhrgesetze für Jagdtrophäen reagiert. Denn damit wird der Bevölkerung Botswanas eine wichtige Einnahmequelle entzogen. Da die Elefanten nicht gejagt werden dürfen und es so zu einer Überpopulation kommt, die Botswana nicht bewältigen kann, schickt er die Tiere eben nach Deutschland: „Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr es einmal selbst versuchen.“ (Zitat).
Natürlich kommt es in Berlin erstmal zu großem Chaos: Die Dickhäuter trampeln alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt, und verdrecken alles mit ihren Hinterlassenschaften. Da ihr Kot zudem mit den Samen von exotischen Pflanzen angereichert ist, die sich als äußerst invasiv herausstellen, ist Berlin bald komplett zugewuchert, selbst Fernsehturm und Reichstagskuppel verschwinden unter dichtem Grün.
Die Regierung streitet erstmal über Zuständigkeiten: Ist das nun ein Fall fürs Außen-, Innen- oder Verteidigungsministerium? Umwelt- oder Landwirtschaftsministerium? Bundeswehr? Klar ist: Die Elefanten können nicht alle in Berlin bleiben, sondern müssen über die ganze Republik verteilt werden. Doch die übrigen Bundesländer haben wenig Lust, ihren Anteil an Elefanten aufzunehmen, am allerwenigsten Bayern. Derweil krakeelen die Rechten und fordern mehr Sicherheit für deutsche Bürger und Schutz vor afrikanischer Invasion.
Schließlich wird eine Ministerin für Elefantenbelange berufen und die schafft es tatsächlich, ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen: Der gereinigte Elefantendung entwickelt sich zum Exportschlager und das erste in freier deutscher Wildbahn geborene Elefantenbaby wird zum Liebling der Nation – bis eine Elefantenherde auf die Autobahn stürmt und es dort zu einem schrecklichen Unfall mit vielen Toten und Verletzten kommt. Nicht nur die Rechten fordern: Die Elefanten müssen weg! Doch wohin? Abschießen verbietet sich von selbst, das wäre höchst unpopulär. Abschieben in ein sicheres Drittland? Geht auch nicht, weil Botswana schon damit gedroht hat, in diesem Fall noch mehr Elefanten zu schicken.
Die neue Ministerin für Elefantenbelange hätte einige Vorschläge, doch die erfordern Mut und radikales Umdenken, ein Umschwenken auf völlig neue Lebensformen: „Wir haben so viel Angst vor dem rechten Vormarsch, dass wir uns nicht mehr trauen, zu regieren, aber das Klima verändert sich schneller als die Politik. Um den Herausforderungen von morgen die Stirn bieten zu können, musst du dich trauen, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen.“ (Zitat). Doch dieser Schritt ist Winkler zu groß, auch wenn er tief im Innersten weiß, dass dies der richtige Weg wäre. Wenn da nicht die Umfragewerte wären … er muss sich fragen, wie viel und wen er bereit ist, für seinen eigenen Machterhalt zu opfern.
Selten habe ich eine so amüsante und zugleich beklemmende, dabei so kluge Politsatire gelesen wie diese. Die Elefanten sind ein wunderbares Sinnbild für die großen Krisen unserer Zeit. Beim Kanzler hatte ich natürlich immer Friedrich Merz vor meinem geistigen Auge – obwohl der sich wohl lieber die Zunge abbeißen würde, als Rat bei seiner Vorgängerin, der ehemaligen Bundeskanzlerin, zu suchen, so wie es Winkler im Buch tut.
Die Lektüre hat mich auch traurig gemacht, weil sie mir sehr deutlich vor Augen geführt hat, was ich eigentlich schon lange weiß, aber dennoch nicht gutheißen kann: In der großen Politik geht es nicht um das Wohl des Volkes, um das Erreichen von großen globalen Zielen und das gemeinsame Bewältigen von Krisen. Vielmehr sind Umfragewerte, gute Presse, Machterhalt und das Bekämpfen der anderen Parteien alles, was im Politzirkus zählt.
So hat mich die Lektüre sehr nachdenklich zurückgelassen, dabei aber auch ganz großartig unterhalten, denn die Autorin erzählt mit viel Augenzwinkern und Humor und nimmt dabei so manches aktuelle Thema aufs Korn. Ich kann nur sagen: Ich liebe dieses Buch und wünsche mir, dass es in ganz Deutschland verpflichtende Schullektüre wird.
[Werbung, unbezahlt]


