Die Malweiber und der Blaue Reiter

Erstellt am 3.11.26. Kategorie: Buchrezensionen
„Die Malweiber und der Blaue Reiter“
von Birgit Poppe
Bewertung
★★★★☆
Verlag Gmeiner
Buchform Hardcover, E-Book
Erschienen Oktober 2026
Seiten 336
Erhältlich beigenialokal.de

Ich interessiere mich ja schon lange für die Künstlergruppe Blauer Reiter und verschlinge alles, was es dazu zu lesen gibt. Deshalb war mein Interesse natürlich sofort geweckt, als ich sah, dass im Gmeiner-Verlag ein Buch der Autorin und Kunsthistorikerin Birgit Poppe zu diesem Thema erscheint.

Im Roman geht es, wie der Titel schon sagt, um die Frauen in jener Künstlergruppe: Gabriele Münter, Maria Franck-Marc und Marianne von Werefkin. Sie alle lebten um das Jahr 1900 herum in München und kämpften um Anerkennung als professionelle Künstlerinnen. Zu dieser Zeit waren Frauen, die malten, nämlich leider noch nicht so anerkannt wie ihre männlichen Kollegen, vielmehr wurden sie meist abwertend „Malweiber“ genannt.

Erzählt wird auch vom Privatleben der drei Frauen, das von ihrem künstlerischen Schaffen ohnehin kaum zu trennen ist: Gabriele Münter verliebte sich in Wassily Kandinsky, Maria Franck in Franz Marc und Marianne von Werefkin in Alexej Jawlensky. Leider waren alle drei Beziehungen nicht besonders glücklich: Marianne gab ihre eigene Karriere auf, um Alexej zu fördern. Er dankte es ihr, indem er ihr Hausmädchen schwängerte. Die unglückliche Liebe von Gabriele und Wassily ist inzwischen hinreichend bekannt und sogar verfilmt worden. Sogar Franz Marc war erstmal ein rechter Hallodri, bevor er sich endgültig zu Maria bekannte. Ihnen blieb nur eine kurze glückliche Zeit vergönnt, bevor er im Ersten Weltkrieg fiel.

Im Buch wird das Schicksal der drei Frauen über ein gutes Jahrzehnt hinweg erzählt, jedes Kapitel handelt abwechselnd von einer der drei Künstlerinnen. Es dauert eine ganze Weile, bis sie sich tatsächlich kennenlernen und auch dann entsteht nicht wirklich eine Freundschaft zwischen ihnen. Im Laufe der Geschichte erfährt man mehr über ihr Leben, ihr Schaffen und das ihrer Lebensgefährten, bis die Handlung im Jahr 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs endet. Dabei werden auch August und Elisabeth Macke am Rande häufiger erwähnt. Im Epilog wird erzählt, wie es mit den Frauen nach dem Krieg weiterging, danach folgt eine Auflistung der im Roman erwähnten Gemälde und eine Literaturauswahl.

Vor allem zu Gabriele Münter und Maria Marc wusste ich schon vorher einiges, daher lernte ich im Buch vor allem Neues über Marianne von Werefkin. So spannend das Leben aller drei Frauen war, so zog sich die Lektüre doch leider ein wenig in die Länge. Manchmal wusste ich nicht so ganz, ob ich nun einen Roman las oder ein Sachbuch, es fehlte einfach das letzte Quäntchen Spannung, das einen an der Lektüre dranbleiben lässt. So habe ich einige Passagen nur quer gelesen, während andere mich dann doch gepackt haben. Da hätte man meiner Meinung nach vielleicht noch ein wenig straffen können. Doch alles in allem war das eine interessante Lektüre, die sich vielleicht vor allem für diejenigen Leser*innen eignet, die noch nicht allzu viel über diese drei Künstlerinnen wissen.

Weitere Bücher über die Künstlergruppe:

Zudem musste ich bei der Lektüre auch oft an die beiden Montmartre-Romane von Marie Lacrosse denken, „Licht und Schatten“ sowie „Traum und Schicksal“, die zur Zeit des Impressionismus in Paris spielen. Die dort vorkommenden Künstler werden auch im Roman von Birgit Poppe oft erwähnt.

In den verlinkten Rezensionen finden sich auch Verweise auf meine Ausflüge, die ich auf den Spuren der Blauen Reiter nach Murnau und Kochel gemacht habe. Und wie es der Zufall will, war gerade kürzlich im Münchner Merkur der folgende Bericht über eine neue Ausstellung im Franz-Marc-Museum in Kochel:

Münchner Merkur, 27.10.2026

Und auch dem Münchner Lenbachhaus, das eine große Sammlung von Werken der Blaue Reiter-Gruppe präsentiert, muss ich unbedingt mal wieder einen Besuch abstatten.

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]