| „Reigen in Triest“ | |
| von Günter Neuwirth | |
|
Bewertung
★★☆☆☆
|
|
|
|
| Verlag | Gmeiner |
|---|---|
| Buchform | Softcover, E-Book |
| Erschienen | März 2026 |
| Seiten | 384 |
| Erhältlich bei | genialokal.de |
Seit der Autor Günter Neuwirth 2021 seinen ersten historischen Triest-Krimi veröffentlichte, bin ich ein großer Fan dieser Krimi-Reihe, nicht zuletzt deshalb, weil ich selbst an Triest wunderbare Urlaubserinnerungen habe. So freute ich mich schon sehr auf das Erscheinen von „Reigen in Triest“, den sechsten Band der Reihe, doch diesmal wurden meine Erwartungen enttäuscht. Vielleicht hätte mir die Zahl 6 eine Warnung sein sollen …
Diesmal muss Inspector Bruno Zabini keinen Kriminalfall bei der Triestiner Polizei aufklären, sondern darf zusammen mit seiner Geliebten, der Baronin Luise von Callenhoff, die Sommerfrische in deren Landhaus genießen. Mit dabei sind noch zwei weitere Paare: die junge Baroness Carolina und ihr Verlobter Arthur, außerdem Fedora, eine gemeinsame Freundin von Bruno und Luise, und deren Geliebter Sergio. Wie die Beziehungen dieser sechs Personen untereinander sind, wer mit wem verbandelt ist oder schon einmal war, das wird im Buch hinlänglich und mehrfach erklärt, man braucht dafür keine Vorkenntnisse aus den vorherigen fünf Bänden.
Jedenfalls verbringen diese drei Paare eine unbeschwerte Zeit, es wird viel gegessen, noch mehr getrunken, gespielt, getanzt und so fallen nach und nach die Hemmungen und die Hüllen, bis sich schließlich auch neue Paarungen untereinander ergeben. Dieser muntere Reigen zieht sich durch etwa vier Fünftel des Buches und plätschert so dahin. Dazwischen eingestreut sind kurze Kapitel über eine Diebesbande, die in der Gegend ihr Unwesen treibt, und über einen Mann aus Carolinas Vergangenheit, der im ersten Band eine größere Rolle spielte, aber auch diese wird im sechsten Band mehrfach ausführlich erklärt.
Was ich an den Triest-Krimis so liebe, ist die wunderbare Sprache der damaligen Zeit – die Handlung spielt im Jahre 1908 – und diese steht auch diesmal wieder sehr im Vordergrund. Denn wie gesagt: Rund vier Fünftel des Buches drehen sich um das Geplauder der drei Paare, um deren Unterhaltungen, Neckereien, Geplänkel und Liebesschwüre. Erzählt werden aber auch mehrere Sexszenen und da war mir die Sprache deutlich zu explizit – ich finde, solche Schilderungen driften dann oftmals ins allzu Technische ab, ich bevorzuge es, wenn noch etwas der Fantasie überlassen wird. Hier hingegen wirkte es auf mich, als habe sich der Autor in epischer Breite seinen eigenen sexuellen Fantasien hingegeben.
Der eigentliche Kriminalfall passiert erst ganz am Ende des Buches, ist aber auch kein „normaler“ Kriminalfall, wenn man darunter diese (klassische) Abfolge versteht: Ein Verbrechen passiert – die Polizei wird gerufen – die Polizei nimmt Ermittlungen auf – es wird nach Motiv und Gelegenheit gesucht – Verdächtige werden verhört – Indizien und Beweise werden gesammelt – der Täter wird überführt.
Hier hingegen weiß man von Anfang an, wer der oder die Täter sind, es folgt eine durchaus dramatische Beschreibung dessen, was in Folge der Tat geschieht – und das war’s. Die ganze Krimihandlung beschränkt sich auf wenige Seiten, der Rest ist spicy Geplänkel.
Das mag sicherlich dem einen oder der anderen Leser*in gefallen, ich jedoch bin mit anderen Erwartungen an die Lektüre herangegangen. Ich habe einen Kriminalfall wie in den Vorgängerbänden erwartet, deshalb wurde ich enttäuscht. Auch das historische Element kam deutlich zu kurz, in den früheren Büchern habe ich immer auch etwas über die Geschichte Triests gelernt, über die Bedeutung der Stadt als wichtiger Handelshafen zur Zeit der k.u.k.-Monarchie, über den Kaffeehandel usw. Das fehlte diesmal völlig. Immerhin wurden die beiden Schlösser Miramar und Duino, die wir während unseres Urlaubs besucht haben, kurz erwähnt, ersteres ziert auch das wunderschöne Buchcover.
Wer die Krimireihe bislang noch nicht kennt und spicy Szenen mag, wird möglicherweise an diesem Buch Gefallen finden. Wer jedoch wie ich die vorherigen Krimis schon kennt und daraus Erwartungen ableitet, wird vermutlich enttäuscht sein. Zwei wohlwollende Sterne gibt es von mir für das schöne Cover, die Sprache und für die wirklich spannend geschilderten Szenen am Ende.
Hier nochmal alle bisher erschienenen Teile im Überblick:
1. Dampfer ab Triest (erschienen 2021)
2. Caffè in Triest (erschienen 2022)
3. Sturm über Triest (erschienen 2023)
4. Südbahn nach Triest (erschienen 2024)
5. Wettlauf in Triest (erschienen 2025)
[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten]


