4 Tage, 4 Bücher – Usedom-Spezial: Die Bernsteinhexe

Erstellt am 24.5.18. Kategorie: Buchrezensionen
„Die Bernsteinhexe“
von Lena Johannson
Bewertung
★★★★☆
Verlag Aufbau Verlag
Buchform Taschenbuch, eBook
Erschienen Juni 2017
Seiten 399 als Taschenbuch
Erhältlich beiAP Buch Baldham, Buchladen Vaterstetten

Das vierte Buch meines Usedom-Lesemarathons ist das dritte aus der Feder der Autorin Lena Johannson, doch es ist so ganz anders als seine beiden Vorgänger „Der Sommer auf Usedom“ und „Liebesquartett auf Usedom“, denn während es sich bei diesen beiden Romanen um sommerlich-leichte Strandkorblektüre handelt, ist „Die Bernsteinhexe“ ein historischer Roman, der es in sich hat.

Im Mittelpunkt steht die Pfarrerstochter Maria Schweidler, die mit ihrem Vater, dem Pastor, in Coserow auf Usedom lebt. Man schreibt das Jahr 1629, es tobt der Dreißigjährige Krieg und das ganze Land leidet unter Hunger, Tod und schier unerträglichen Qualen. Selbst vor der Insel Usedom macht das Elend nicht halt und gerade im Winter ist das Überleben eine Herausforderung. Eigentlich sollte der Hauptmann Peter von Appelmann für die Kirchen auf der Insel sorgen, doch die Bittgesuche von Pastor Schweidler ignoriert der Hauptmann regelmäßig. Das wiederum prangert der Pastor in seinen Predigten in der Kirche an und er scheut auch nicht davor zurück, den Hauptmann dabei beim Namen zu nennen, womit er sich bei diesem natürlich nicht gerade beliebt macht, im Gegenteil: Als eines Nachts das Pastorenhaus in Flammen steht, ist dies auf einen Racheakt des Hauptmanns zurückzuführen, was sich aber natürlich nicht beweisen lässt.

Eines Tages entdeckt Maria durch Zufall eine Bernsteinader. Bernstein ist sehr kostbar, aber es ist den Inselbewohnern nicht erlaubt, ihn für sich zu behalten. Auf abenteuerlichen Wegen gelangt Maria nach Danzig, wo sie einen Kaufmann findet, der bereit ist, ihr in aller Heimlichkeit den Bernstein abzukaufen. Mit dem so eingenommenen Geld helfen Maria und ihr Vater den Dorfbewohnern, die dadurch ihre elende Lage deutlich verbessern können. Natürlich bleibt dieser plötzliche Reichtum nicht unbemerkt und allerlei Gerüchte entstehen.

Angeheizt von Hauptmann Appelmann glauben immer mehr Menschen, Maria sei eine Hexe. Sie wird gefangen genommen, gefoltert und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Ihr Vater und ihre wenigen verbliebenen Freunde setzen alles daran, ihre Unschuld zu beweisen, aber der Hauptmann kommt ihnen immer wieder in die Quere. Jetzt kann nur noch einer helfen: Rüdiger von Neuenkirchen, Marias große heimliche Liebe.

Die Geschichte ist spannend und gleichzeitig sehr drastisch und schonungslos geschrieben, vor allem, was die Greueltaten des Dreißigjährigen Krieges angeht, aber auch die sogenannte peinliche Befragung, die Maria droht, wird detailliert beschrieben – manches Mal zu detailliert für meinen Geschmack. Von locker-leichter Strandkorblektüre kann man hier wahrlich nicht sprechen, dazu geht die Geschichte zu sehr an die Nieren.

Wie die Autorin im Nachwort verrät, basiert ihr Roman auf der Novelle „Die Hexe von Coserow“, die der Usedomer Pfarrer Wilhelm Meinhold im 19. Jahrhundert geschrieben hat. Einige der Figuren aus seiner Novelle bzw. aus Lena Johannsons Geschichte haben tatsächlich existiert.

Im Roman kommen zudem einige Inselorte vor, z.B. Coserow (heute Koserow), Pudgla (heute Pudagla), Mellentin (heute Mellenthin) und der Streckelsberg, die ich auf unserer Usedom-Reise nun gewiss mit anderen Augen betrachten werde.